Der Artikel untersucht, wie biblische Texte und besonders die Gleichnisse Jesu mit Hilfe von Spieltheorie und psychologischer Spielanalyse verstanden werden können. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Spiele von Kindern in der Bibel nur selten vorkommen. Im Alten Testament erscheinen eher Musikinstrumente, Lose oder Wettkämpfe, während das Neue Testament nur wenige Hinweise auf kindliches Spielen enthält. Eine wichtige Ausnahme bildet das Gleichnis von den spielenden Kindern, in dem Kinder auf dem Marktplatz andere zum Mitspielen auffordern, zuerst bei einer Hochzeit und dann bei einer Beerdigung. Beide Angebote werden abgelehnt, sodass kein gemeinsames Spiel zustande kommt. Diese Szene wird als Bild für verweigerte Kooperation gedeutet.
Von dort aus wenden sich die Autorin und der Autor den Spielen der Erwachsenen zu. Mit Bezug auf Eric Berne wird gezeigt, dass Erwachsene oft in festgefahrene Kommunikationsmuster geraten, die von verdeckten Motiven bestimmt sind. Solche Spiele führen nicht zu echter Begegnung, sondern zu wechselseitigen Verlusten. Alle Beteiligten stehen am Ende schlechter da. Genau darin ähnelt das Verhalten der Erwachsenen im Evangelium dem Verhalten der Kinder im Gleichnis. Sie verweigern sich dem Angebot Jesu und bleiben in einer Haltung des Dagegenseins gefangen. Jesus kritisiert diese Mentalität, weil sie echte Begegnung und Veränderung verhindert.
Der Artikel betont, dass Jesus sich nicht auf solche destruktiven Spiele einlässt. Wer sich auf seine Botschaft vom Reich Gottes einlassen will, muss vielmehr zur Umkehr bereit sein. Diese Umkehr bedeutet, die gewohnten Spiele der Erwachsenen hinter sich zu lassen und offen zu werden für eine neue Form des Handelns. Erst dann wird es möglich, die Reich Gottes Verkündigung mit Kategorien der Spieltheorie zu deuten.
Im nächsten Schritt erläutert der Artikel zentrale Begriffe der Spieltheorie. Spieltheorie untersucht Entscheidungssituationen, in denen mehrere Akteure voneinander abhängig sind. Dabei wird zwischen Nullsummenspielen und Nichtnullsummenspielen unterschieden. Bei Nullsummenspielen gewinnt der eine nur, was der andere verliert. Es entstehen keine neuen Werte. Beispiele dafür sind Schach oder andere reine Konkurrenzsituationen. Auch in den Evangelien finden sich solche Denkweisen, etwa wenn gefragt wird, wer im Himmelreich der Größte sei oder wer die besten Plätze erhalten werde. Solche Fragen folgen einer Logik des Vergleichs und der Konkurrenz.
Davon unterscheiden die Autorin und der Autor Positivspiele und Negativspiele. Positivspiele schaffen neue Werte und ermöglichen Kooperationsgewinne. Negativspiele zerstören Werte und verschlechtern die Situation aller Beteiligten. An neutestamentlichen Beispielen zeigen sie, dass es auch dort Konstellationen gibt, in denen Kooperation nicht sinnvoll oder sogar schädlich wäre. Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen wird als Beispiel dafür gedeutet, dass unkluge Umverteilung nicht immer hilfreich ist, weil dadurch am Ende niemand mehr handlungsfähig wäre. Zugleich unterstreicht das Gleichnis die Bedeutung von Klugheit und Vorbereitung, um echte Kooperationschancen wahrnehmen zu können.
Im Zentrum des Artikels steht die These, dass die Verkündigung Jesu auf Positivspiele zielt. Das Reich Gottes wird als ein Geschehen beschrieben, in dem Kooperation möglich wird und alle Beteiligten gewinnen können. Jesus lädt Menschen dazu ein, ihre Spielverderbermentalität zu überwinden und sich auf ein Miteinander einzulassen, das nicht von Neid, Misstrauen oder Konkurrenz bestimmt ist. Besonders deutlich wird das in der Geschichte von Zachäus. Als Jesus ihm Gemeinschaft anbietet, reagieren andere mit Empörung. Doch Jesus und Zachäus lassen sich nicht auf dieses destruktive Spiel ein. Stattdessen entsteht ein Kooperationsgewinn, weil Zachäus neu in die Gemeinschaft hineingenommen wird.
Auch die Rede vom Weltgericht wird in diesem Sinn interpretiert. Wer den Geringsten Gutes tut, begegnet darin Christus selbst. Damit wird deutlich, dass Menschen, die nach menschlichen Maßstäben als unbedeutend oder uninteressant erscheinen, gerade im Horizont Gottes zu wichtigen Partnern werden. Der Artikel zeigt, dass dadurch die üblichen Muster von Vorteil, Besitz und Rang durchbrochen werden. Schon frühchristliche Stimmen wie Clemens von Alexandrien werden herangezogen, um zu zeigen, dass selbst das Almosengeben nicht als einseitige Hilfe, sondern als wechselseitige Beziehung verstanden werden kann.
Im letzten Teil arbeiten die Autorin und der Autor heraus, dass die eigentliche Herausforderung darin besteht, Neid und Vergleichsdenken zu überwinden. Menschen neigen dazu, auf den Vorteil anderer zu schauen und darin einen eigenen Verlust zu sehen, selbst wenn ihnen objektiv nichts genommen wird. Genau dies zeigt sich im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Die Logik des Reiches Gottes widerspricht diesem Denken. Dort steht nicht die Frage im Vordergrund, wer mehr bekommt, sondern ob Menschen sich auf Gottes Einladung einlassen. Der größte Gewinn besteht darin, in das Reich Gottes einzugehen. Wer jedoch an der Haltung des Spielverderbers festhält, verfehlt diesen Gewinn. Der Artikel kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass Jesu Botschaft eine Einladung zu kooperativem, offenem und von Gott her verwandeltem Handeln ist.