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Eulenfisch

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Sende ihn morgen mit uns, dass er Spaß und Spiel finde!

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Sende ihn morgen mit uns, dass er Spaß und Spiel finde!“ von Abdel Hafiez Massud ist dem vorliegenden Auszug zufolge nicht in ru heute, sondern in Eulenfisch erschienen. Der Beitrag umfasst 5 Seiten, nämlich die Seiten 41 bis 45. Der Artikel zeigt, dass Spiel im Islam grundsätzlich erlaubt und sinnvoll ist, sofern es maßvoll bleibt und nicht in Gewalt, Sucht oder Missbrauch der Religion umschlägt. Behandelt werden dabei vor allem die theologischen Fragen nach dem Verhältnis von Spiel und Frömmigkeit, nach der Legitimität von Spiel im Koran und in der Prophetentradition, nach Maß und Mitte im religiösen Leben sowie nach der Gefahr, Religion selbst zum Gegenstand eines uneigentlichen Spiels zu machen.

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Der Artikel untersucht die Bedeutung des Spiels im Islam und zeigt, dass Heiterkeit, Entspannung und spielerische Formen keineswegs im Widerspruch zum Glauben stehen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass religiöse Autoritäten in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Ernsthaftigkeit verbunden werden, obwohl Spiel und Freude zur menschlichen Natur gehören. Der Autor betont deshalb, dass die islamische Lehre auf den Schutz des menschlichen Lebens, der Religion, der Vernunft, des Vermögens und des Nachwuchses zielt und dem Menschen Erleichterung ermöglichen will. Vor diesem Hintergrund erscheint Spiel nicht als fremdes Element, sondern als legitimer Teil menschlichen Lebens.

Als zentrale Grundlage dient dem Autor der Koran. Besonders wichtig ist die Josefsgeschichte. Die Brüder Yusufs bitten ihren Vater Jakob darum, Yusuf mit ihnen ziehen zu lassen, damit er Spaß und Spiel finde. Später behaupten sie, sie hätten einen Wettlauf gemacht, während Yusuf bei den Sachen geblieben sei. Der Autor liest diese Stelle als Beleg dafür, dass Spiel im Koran grundsätzlich positiv vorkommt. Zugleich wird deutlich, dass Spiel besonders mit dem Kindesalter verbunden ist. Kinder erscheinen hier als Wesen, die zunächst spielen und noch nicht im vollen Sinn religiös verantwortlich sind. Der Wettlauf ist dabei nur ein Beispiel und verweist auf eine größere Vielfalt möglicher Spielformen.

Eine weitere Spur des Spielerischen erkennt der Autor in der Geschichte der Siebenschläfer. Die jungen Gläubigen, die aus Furcht vor religiösem Zwang fliehen, verhalten sich nach ihrem Erwachen vorsichtig und beinahe wie in einem Versteckspiel, als sie einen von ihnen in die Stadt schicken. Diese Szene zeigt nach Ansicht des Autors, dass Tiefgläubigkeit und spielerisches Verhalten sich nicht ausschließen. Im Gegenteil kann das Spielerische auch in ernsten religiösen Zusammenhängen vorkommen.

Daneben behandelt der Artikel die Jagd als eine im Koran geregelte Spielart. Jagd kann sowohl der Nahrung als auch der spielerischen Übung dienen. Der Islam erlaubt sie unter bestimmten Voraussetzungen, setzt ihr aber klare Grenzen und schützt zugleich das Tier. Aus diesem Zusammenhang ergeben sich weitere legitime Fertigkeiten wie Reiten, Bogenschießen und Schwimmen. Der Autor verweist hier auch auf Überlieferungen aus der Frühzeit des Islams, in denen Kinder zu solchen Fähigkeiten angeleitet werden sollen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Prophetentradition. Der Autor zeigt anhand eines Rätselspiels des Propheten Muhammad, dass Spiel sogar ein Mittel religiöser Bildung sein kann. In der Überlieferung fragt der Prophet nach einem Baum, der dem Muslim gleiche, und führt die Gefährten so zur Dattelpalme. Auf diese Weise wird ein wichtiger religiöser Gedanke einprägsam und anschaulich vermittelt. Daraus entwickelt der Autor eine religionsdidaktische Perspektive. Spiel kann Lernenden helfen, religiöse Inhalte verständlich und lebensnah zu erschließen.

Ein weiteres Beispiel liefert die Erzählung über Hanzala. Dieser sorgt sich, weil er die intensive religiöse Stimmung bei Muhammad im Alltag nicht dauerhaft aufrechterhalten kann. Der Prophet antwortet, dass es Zeiten der Frömmigkeit und Zeiten der Entspannung gebe. Damit macht der Artikel deutlich, dass der Mensch im Islam nicht wie ein Engel verstanden wird, sondern als Wesen, das Erholung, Zerstreuung und Spiel braucht. Auch andere Überlieferungen zeigen, dass religiöse Unterweisung nicht ununterbrochen erfolgen soll, weil das Herz Phasen der Aufnahme und Phasen der Entlastung braucht.

Im nächsten Schritt arbeitet der Autor die Grenzen des Spiels heraus. Spiel ist willkommen, darf aber nicht ins Extreme übergehen. Problematisch wird es dann, wenn es seinen Charakter verändert und zu einer Ersatzreligion, zu einer Ehrfrage oder zu einem Auslöser von Hass und Gewalt wird. In diesem Zusammenhang verweist der Artikel auf Hooliganismus, Terror und andere Gewaltformen. Der Koran betont deshalb das Ideal der Mitte. Auch Glücksspiele werden ausdrücklich abgelehnt, weil sie Feindseligkeit unter Menschen hervorrufen können.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen erlaubtem Spiel und einem uneigentlichen Umgang mit der Religion. Der Koran verbietet nicht das Spiel als solches, sondern einen Umgang, bei dem Religion selbst nicht ernst genommen wird. Die Religion darf also nicht zum bloßen Spielgegenstand werden. Gleichzeitig werden auch Kinder, Besitz, Handel und Geschäfte im Vergleich zur Anbetung Gottes als Spiel und Zerstreuung bezeichnet. Der Autor versteht das nicht als Weltverneinung, sondern als Mahnung, diese Dinge nicht zu Götzen werden zu lassen.

Am Ende weitet der Artikel den Blick auf die Gegenwart. Mit der Digitalisierung sind neue Spielformen entstanden, vor allem Videospiele. Diese wurden einerseits genutzt, um stereotype Bilder über Islam und Muslime zu verbreiten, andererseits auch von Muslimen selbst, um Gegenbilder zu entwickeln und religiöse Bildung zu fördern. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von Islamo Gaming. Solche Spiele können Geschichten der Propheten oder Inhalte islamischer Tradition für Kinder und Erwachsene neu zugänglich machen. Insgesamt kommt der Artikel zu dem Ergebnis, dass Spiel im Islam eine sinnvolle und legitime Aktivität ist, solange es maßvoll bleibt, nicht in Gewalt umschlägt und nicht den Ernst der Religion zerstört. Gerade für religiöse Bildung und interreligiösen Dialog kann es deshalb eine wichtige Rolle spielen.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7G.2 Dem Islam begegnen. Auseinandersetzung und Toleranz.

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