Der Artikel von Inge Kirsner behandelt Reisen und Pilgern als religiöse Lernorte in einem globalen Kontext von Migration und weltweiten Fluchtbewegungen. Der Autor argumentiert, dass moderner Tourismus sakrale Züge trägt und traditionelle Pilgerreisen säkularisiert werden, wie am Beispiel des Jakobswegs evident wird. Gleichzeitig zeigt sich in verschiedenen Religionen – Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus – die tiefe spirituelle Bedeutung von rituellen Reisen. Der Text differenziert mehrere Reiseformen: physische Wanderungen als Achtsamkeitsübungen, innere spirituelle Seelenreisen von Mystikern, filmische und literarische Heldenreisen sowie Weltraumtourismus als neue Form der Transzendenzsuche. Wandern wird als körperliche Aktion mit spiritualer Dimension analysiert, die zu einem Dialog zwischen dem Selbst und der Umgebung führt und besondere Konzentration ermöglicht. Der Artikel betont, dass Reisen Menschen zusammenbringt und als Perspektivwechsel funktioniert, wobei die Begegnung mit dem Fremden zentral ist. Biblische Figuren wie Abraham, Jesus und Mohammed werden als Reisende dargestellt, deren Wanderungen das Reisen als Wandlungsprogramm und Weg mit Gott verdeutlichen. Abschließend wird Pilgern als religiöse Bildungsform charakterisiert, die Menschen aller Religionen und Zeiten zur Selbsttransformation nutzen.