Die Religionspädagogik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich seit dem späten 19. Jahrhundert etabliert hat und die ältere Katechetik ablöst. Sie wird definiert durch ihre doppelte Bezugnahme auf Pädagogik und Theologie sowie durch ein weites Verständnis von Religion, das über kirchliche Traditionen hinausreicht. Der Begriff entstand im protestantischen Bereich, wird inzwischen aber auch im katholischen, orthodoxen, jüdischen und islamischen Kontext verwendet, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Entwicklungsständen. Historisch reichen die Wurzeln bis in die Bibel und die Alte Kirche zurück, wobei die Katechetik als unmittelbare Vorläuferin fungiert. Die Reformationszeit mit ihren Katechismen markiert einen Höhepunkt der katechetischen Tradition. Eine moderne religionspädagogische Theorie entwickelt sich ab dem 18. Jahrhundert unter dem Einfluss von Aufklärung und Pietismus, angetrieben durch Herausforderungen moderner Kultur und Wissenschaft. Friedrich Schleiermacher wird als Vater der modernen Religionspädagogik gewürdigt, da er eine anthropologisch vom Kind ausgehende Begründung religiöser Erziehung mit theologischer und pädagogischer Verantwortung verbindet. Ab dem 17./18. Jahrhundert erweitern sich die religionspädagogischen Arbeitsfelder von reiner Katechese und Unterricht auf Diakonie, Kindergottesdienste, Kindergärten und Jugendarbeit. Als eigenständiges Universitätsfach mit Professuren etabliert sich die Religionspädagogik erst im frühen 20. Jahrhundert mit Fokus auf schulischen Religionsunterricht. Die zeitgenössische Religionspädagogik wird durch die Öffnung für moderne Kultur und Wissenschaften sowie durch multiperspektivische und vergleichende Ansätze charakterisiert.