Tatjana K. Schnütgen analysiert das Buch Rut als vielversprechenden religionspädagogischen Text für verschiedene Altersgruppen. Sie dokumentiert den Wandel in der exegetischen Interpretation: Während ältere Forschung das Buch als einfache, idyllische Erzählung charakterisierte, wird es gegenwärtig als kunstvolle Midraschliteratur und Musterbeispiel hebräischer Erzählkunst verstanden. Das Buch wird als "Frauenbuch des Ersten Testaments" profiliert und bietet ein positives Modell für weibliche Solidarität sowie für das Zusammenleben von Generationen. Für Grundschüler sind die Personen und die Handlungsentwicklung nachvollziehbar, während Jugendliche aufgrund ihrer kognitiven Entwicklung und Wertorientierungen (Freundschaft, Güte) tiefere Zugänge erschließen können. Der Text behandelt komplexe Themen wie Migration, Integration, fremde Rechtsinstitutionen (Levirat, Lösen) und das Fremdehenverbot, die gesellschaftskritische Implikationen haben. Die exegetische Forschung datiert das Buch überwiegend nachexilisch und interpretiert es als Beitrag zur Mischehen-Diskussion, der argumentiert, dass die Aufnahme in die Gemeinde von rechtem Leben nach Gottes Weisung abhängt, nicht von ethnischer Abstammung. Das Werk wird häufig der Weisheitsliteratur zugeordnet, enthält ungewöhnlich viel Dialog und weist eine spiegelbildliche Struktur sowie reiche intertextuelle Bezüge auf. Die moderne Religionsdidaktik nutzt das Buch zur Vermittlung von Fragen zu Gender, Lebensentwürfen und interkulturellen Perspektiven.