RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Kirche als »pilgerndes Volk Gottes

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Kirche als pilgerndes Volk Gottes“ von Christian März ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 2 Seiten (S. 137–138). Der Beitrag stellt das visionäre Kirchenverständnis des Meißner Bischofs Otto Spülbeck vor und interpretiert dieses im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils neu. Im Zentrum stehen theologische Fragen nach dem Selbstverständnis der Kirche als Volk Gottes, nach der Rolle der Laien sowie nach der Öffnung der Kirche zur modernen Welt.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel beschreibt das Kirchenverständnis des Meißner Bischofs Otto Spülbeck und zeigt seine Bedeutung für die Kirche der Gegenwart. Ausgangspunkt ist die Würdigung Spülbecks als engagierter Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils, der dessen Reformideen nicht nur unterstützte, sondern bereits lange zuvor ähnliche Anliegen vertreten hatte. Obwohl er keine führende Rolle auf dem Konzil einnahm, gehörte er zu den vielen Bischöfen, die die Beschlüsse des Konzils mittrugen und später in ihren Diözesen umzusetzen versuchten.

Der Text schildert zunächst den biografischen Hintergrund Spülbecks. Er wurde 1904 in Aachen geboren und war bereits in seiner Jugend von der Jugendbewegung und der Liturgischen Bewegung geprägt. Besonders wichtig wurde für ihn der Einfluss von Romano Guardini, der ein neues Verständnis von Liturgie und Kirche vermittelte. Spülbeck übernahm daraus die Vorstellung, dass Religion und Leben eng miteinander verbunden sind und dass der priesterliche Dienst eine konkrete Hinwendung zu den Menschen verlangt.

Eine besondere Rolle spielte auch Spülbecks naturwissenschaftliches Studium. Die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften führte ihn zu grundlegenden Fragen nach dem Ursprung und dem Sinn der Welt. Diese Fragen führten ihn schließlich zur Theologie. Nach seinem Studium entschied er sich bewusst für den priesterlichen Dienst in der Diaspora in Sachsen und Thüringen. Nach verschiedenen Stationen als Kaplan und Pfarrer wurde er 1955 Apostolischer Administrator und 1958 Bischof von Meißen. Aufgrund seiner Beschäftigung mit Fragen von Glauben und Naturwissenschaft wurde er während des Konzils sogar als Fachmann für atomare Fragen wahrgenommen.

Ein zentraler Teil des Artikels beschäftigt sich mit Spülbecks Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils. Besonders wichtig war für ihn die Pastoralkonstitution Gaudium et spes. Darin erkannte er eine grundlegende Öffnung der Kirche zur modernen Welt. Für Spülbeck bedeutete das Konzil einen entscheidenden Wendepunkt, weil es viele seiner eigenen theologischen Überzeugungen bestätigte. Die Kirche sollte nicht mehr in sich abgeschlossen sein, sondern aktiv den Dialog mit der Welt suchen. Diese Haltung beschreibt er symbolisch als Schritt der Kirche aus dem engen Kirchenraum hinaus in die Öffentlichkeit.

Aus diesem Kirchenverständnis entwickelte Spülbeck konkrete pastorale Konsequenzen für sein Bistum. Ein wichtiges Beispiel ist die Meißner Diözesansynode von 1969 bis 1971. Sie sollte eine Synode neuen Typs sein, an der auch Laien gleichberechtigt beteiligt waren. Ein Drittel der Mitglieder waren Laien, was zu dieser Zeit eine ungewöhnliche Entscheidung darstellte und nur mit besonderer Erlaubnis des Papstes möglich wurde. Für Spülbeck entsprach diese Beteiligung der Laien seinem Verständnis der Kirche als pilgerndes Volk Gottes.

In diesem Zusammenhang betonte Spülbeck, dass die Kirche nicht nur aus Klerikern besteht, sondern aus dem ganzen Volk Gottes. Priester und Bischöfe haben nach seiner Auffassung vor allem die Aufgabe, die Getauften zu einem eigenständigen und verantwortlichen Christsein zu befähigen. Die Laien sollen ihren Glauben aktiv in Kirche und Gesellschaft einbringen. Damit wird die Kirche als Gemeinschaft verstanden, die gemeinsam auf dem Weg ist.

Der Artikel beschreibt außerdem die Bedeutung der Synodenarbeit für die Beteiligten. Auch wenn die Ergebnisse der Meißner Synode später teilweise in der Pastoralsynode der katholischen Kirche in der DDR aufgingen, hatte der synodale Prozess selbst eine nachhaltige Wirkung. Die gemeinsame Beratung und Entscheidung wurde als Lernprozess erlebt und als Schule demokratischer Arbeitsformen verstanden. Für viele Beteiligte war dies eine neue Erfahrung von Kirche.

Insgesamt zeigt der Beitrag, dass Spülbeck ein Kirchenbild vertrat, das stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt war. Kirche wird als pilgerndes Volk Gottes verstanden, das sich gemeinsam auf dem Weg befindet und im Dialog mit der Welt steht. Besonders wichtig ist dabei die aktive Rolle der Laien und die gemeinsame Verantwortung aller Getauften für das Leben der Kirche.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

12.1 / 4. Das Selbstverständnis von Kirche und sein Wandel unter dem Anspruch und der Herausforderung durch die Moderne.

12.1 / 8. Ursprung, Auftrag und Weg der Kirche.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.