Der Artikel von Maria Magdalena Stüttem behandelt spirituelles Lernen im Kontext von Förderschulen vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Spiritualitätstrends. Spiritualität wird als plurales, nicht ausschließlich christliches Phänomen verstanden, das anthropologisch in der menschlichen Erfahrung gründet. Der Artikel analysiert zunächst die Spezifika religiöser Bildung in Förderschulen, wo Religionsunterricht oft als Nebenfach marginalisiert ist und stark von der individuellen Initiative der Lehrkräfte abhängt. Im Unterschied zu Regelschulen gibt es für Förderschulen keine speziellen Schulbücher, weshalb Lehrkräfte Unterricht individuell gestalten müssen. Der Artikel differenziert zwischen einem offenen Spiritualitätsverständnis als kulturelles Phänomen und einem engeren, theologischen Verständnis, das sich auf den Heiligen Geist bezieht. Zentrale Dimensionen spirituellen Lernens sind Erfahrung und Beziehung, wobei die Rolle der Lehrenden als Beziehungspersonen hervorgehoben wird. Der Artikel warnt vor einer Instrumentalisierung oder Inhaltsentleerung von Spiritualität und erörtert Herausforderungen wie die konfessionelle Gebundenheit des Unterrichts und die Heterogenität der Lerngruppen. Als Lösungsansatz werden religiöse Projektwochen vorgestellt, die zeitliche Ressourcen bieten und tiefere innere Prozesse ermöglichen. Abschließend werden theorie- und erfahrungsgeleitete Potentiale sowie Herausforderungen des spirituellen Lernens in der Förderschule reflektiert.