Die Erkundung beginnt auf dem Vorplatz und führt über Glocken, Kirchentür und Weihwasserbecken in das Kirchenschiff. Weitere Stationen sind Taufbecken, Ambo, Altar, Kreuz, Gewölbe, Tabernakel, Orgel, Kerzenstand und ein selbst gewählter Lieblingsplatz. Der Erzengel Michael und sein Kampf gegen den Drachen bilden eine abschließende Station zum Thema Gut und Böse. Ein Grundriss, eine Materialübersicht, Hinweise zur Organisation sowie ein Bibeltext in Leichter Sprache ergänzen das Medium.
Die Aufgaben aktivieren unterschiedliche Sinne und Ausdrucksformen. Die Lernenden schauen, hören, gehen, öffnen eine Tür, überschreiten eine Schwelle, gestalten Namenskarten, teilen Brot, singen, werden still, entzünden eine Kerze und suchen einen persönlichen Ort im Kirchenraum. Dadurch wird die Kirche nicht nur als Gebäude, sondern als Raum für Gottesdienst, Gemeinschaft, Erinnerung, Hoffnung, Gebet und persönliche Erfahrung erschlossen.
Das Medium eignet sich besonders für die Grundschule, für inklusive Lerngruppen, für sonderpädagogische Bildungsangebote, für die Erstkommunionvorbereitung und für Gemeindekatechese. Es kann auch in der Sekundarstufe eingesetzt werden, wenn die Aufgaben durch weiterführende historische, architektonische und theologische Fragestellungen ergänzt werden. Der Rundgang ist auf St. Gangolf bezogen, lässt sich jedoch an andere katholische Kirchen anpassen.
Vor der Erkundung sollte die Lehrkraft den Kirchenraum selbst besuchen und den geplanten Weg prüfen. Dabei sind Zugänge, Stufen, enge Bereiche, Sitzmöglichkeiten, Beleuchtung, Lautstärke und Rückzugsorte zu beachten. Ebenso sollten Gottesdienstzeiten, Veranstaltungen und Absprachen mit der Kirchengemeinde berücksichtigt werden. Die Stationen müssen nicht in der vorgegebenen Reihenfolge bearbeitet werden. Entscheidend ist ein ruhiger und nachvollziehbarer Ablauf.
Im Unterricht kann zunächst Vorwissen gesammelt werden. Die Lernenden erzählen, welche religiösen Gebäude sie kennen, welche Erfahrungen sie mit Kirchen, Synagogen, Moscheen oder anderen Gebetsorten gemacht haben und welche Erwartungen sie mit dem Besuch verbinden. Bilder verschiedener Innenräume helfen dabei, Gemeinsamkeiten und Unterschiede wahrzunehmen. Niemand muss persönliche Glaubensüberzeugungen offenlegen.
Für die Orientierung kann vor dem Besuch ein einfacher Grundriss betrachtet werden. Die Lernenden markieren Eingang, Altarraum, Taufbecken, Ambo und weitere Stationen. Einzelne Symbole oder Fotos können vorab den entsprechenden Orten zugeordnet werden. Lernende mit höherem Unterstützungsbedarf erhalten eine Bildfolge, die den Ablauf des Besuches sichtbar macht.
Der Vorplatz eignet sich zum bewussten Ankommen. Die Lernenden beschreiben, was sie sehen, hören und fühlen. Das Spiel „Ich sehe etwas, was du nicht siehst“ lenkt die Aufmerksamkeit auf Einzelheiten. Ergänzend können Baustoffe, Formen, Farben, Geräusche und Gerüche gesammelt werden. Erst danach wird gefragt, woran das Gebäude als Kirche zu erkennen ist.
Bei den Glocken können Klang, Ruf und Zeit thematisiert werden. Die Lernenden überlegen, zu welchen Anlässen Glocken läuten und wen sie erreichen sollen. Eine Hörprobe sollte in angemessener Lautstärke abgespielt werden. Für geräuschempfindliche Lernende müssen Abstand, Gehörschutz oder eine alternative Aufgabe angeboten werden.
Die Kirchentür und das Überschreiten der Schwelle eröffnen einen Zugang zur Symbolik von innen und außen. Die Lernenden betreten die Kirche einzeln oder in kleinen Gruppen und achten auf Veränderungen von Licht, Temperatur, Akustik und Stimmung. Anschließend beschreiben sie, was eine offene oder geschlossene Tür ausdrücken kann. Willkommen, Schutz, Abgrenzung und Zugang können dabei zur Sprache kommen.
Am Weihwasserbecken kann das Kreuzzeichen freiwillig angeboten und erklärt werden. Es darf nicht vorausgesetzt werden, dass alle Lernenden getauft sind oder das Kreuzzeichen ausführen möchten. Das Wasser kann als Zeichen für Leben, Reinigung, Erinnerung und Taufe erschlossen werden. Lernende anderer Konfessionen, Religionen oder Weltanschauungen können beobachtend teilnehmen und eigene Fragen stellen.
Am Taufbecken stehen Name, Identität, Würde und Zugehörigkeit im Mittelpunkt. Die Lernenden gestalten Namenskarten und legen sie im Kreis um das Becken. Jeder Name wird bewusst ausgesprochen. Dabei kann die Zusage entfaltet werden, dass jeder Mensch unverwechselbar und wertvoll ist. Diese Station eignet sich auch für einen Bezug zur Menschenwürde und zur Gottebenbildlichkeit.
Der Ambo wird als Ort der biblischen Verkündigung vorgestellt. Der vorgesehene Text in Leichter Sprache ermöglicht vielen Lernenden eine aktive Beteiligung. Einzelne Sätze können von verschiedenen Personen gelesen oder mit Symbolkarten begleitet werden. Anschließend wird darüber gesprochen, was es bedeutet, nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen zuzuhören.
Am Altar kann die Bedeutung von Mahl, Gemeinschaft und Eucharistie erschlossen werden. Das Teilen von Brot macht anschaulich, dass Essen verbindet und dass Jesus im christlichen Glauben als Brot des Lebens verstanden wird. Vor dieser Handlung müssen Allergien, Unverträglichkeiten und religiöse Speisevorschriften geklärt werden. Das Teilen sollte außerdem mit der Kirchengemeinde abgesprochen werden und den Altar als besonderen liturgischen Ort respektieren.
In konfessionell und religiös vielfältigen Gruppen ist zu erklären, dass die katholische Kirche eine besondere Gegenwart Jesu in der Eucharistie bekennt. Andere christliche Kirchen deuten Abendmahl und Eucharistie teilweise anders. Lernende müssen diese Glaubensaussage verstehen können, ohne sie persönlich übernehmen zu müssen.
Die Station bei Kreuz und Gewölbe verbindet Raumwahrnehmung mit Gefühlen. Die Lernenden können festhalten, was sie traurig macht, was ihnen Angst bereitet, was Kraft schenkt und was Hoffnung gibt. Ein Stein kann für Belastendes und eine Feder für Leichtes stehen. Persönliche Aussagen bleiben freiwillig. Niemand muss belastende Erfahrungen öffentlich erzählen.
Am Tabernakel werden Stille und Gegenwart thematisiert. Das ewige Licht zeigt nach katholischem Verständnis an, dass die konsekrierten Hostien im Tabernakel aufbewahrt werden. Eine kurze Phase der Stille kann durch eine Sanduhr, ein Klangsignal oder eine Atemübung gerahmt werden. Lernende, denen Stille schwerfällt, erhalten eine konkrete Beobachtungsaufgabe.
Die Orgelstation eröffnet einen musikalischen Zugang. Ein Lied, ein Orgelklang oder eine einfache Melodie kann gemeinsam gehört oder gesungen werden. Beteiligung ist auch durch Summen, rhythmische Bewegung, Gebärden oder Instrumente möglich. Gehörlose Lernende können Schwingungen wahrnehmen oder musikalische Inhalte durch visuelle und körperliche Ausdrucksformen erschließen.
Die Suche nach einem Lieblingsplatz gibt den Lernenden die Möglichkeit, den Kirchenraum selbstbestimmt zu erkunden. Ein vorbereitetes Herz markiert den gewählten Ort. Die Lernenden begründen ihre Entscheidung mündlich, schriftlich, zeichnerisch oder mithilfe von Symbolkarten. Ein Foto kann die Erinnerung sichern, sofern die Zustimmung der Lernenden und die Regeln des Kirchenraumes beachtet werden.
Am Kerzenstand können Dank, Bitte, Erinnerung und Fürbitte thematisiert werden. Das Entzünden einer Kerze bleibt freiwillig und muss aus Gründen des Brandschutzes begleitet werden. Alternativ können elektrische Lichter, Papierflammen oder gemalte Kerzen verwendet werden. Die Lernenden können einen stillen Gedanken formulieren oder ein kurzes Gebet sprechen.
Die Erzählung vom Erzengel Michael und dem Drachen sollte als symbolische Vision aus der Offenbarung des Johannes eingeführt werden. Der Drache steht für zerstörerische Macht und das Böse. Die Erzählung darf nicht dazu führen, einzelne Menschen oder Gruppen als böse zu kennzeichnen. Sinnvoller ist die Frage, welche Handlungen Leben schützen und welche Handlungen Menschen verletzen. Die Lernenden können Bilder, Gesten oder kleine Szenen für Mut, Gerechtigkeit, Schutz und friedlichen Widerstand entwickeln.
Der inklusive Anspruch des Mediums sollte durch weitere Anpassungen unterstützt werden. Für Lernende mit Sehbeeinträchtigung eignen sich tastbare Gegenstände, genaue Beschreibungen, kontrastreiche Karten und Begleitung auf dem Weg. Lernende mit Hörbeeinträchtigung profitieren von schriftlichen Texten, Gebärden, guter Sicht auf sprechende Personen und visuellen Signalen. Für Lernende mit motorischen Einschränkungen müssen alle Stationen barrierearm erreichbar sein oder gleichwertige Alternativen angeboten werden.
Leichte Sprache, kurze Sätze, Piktogramme und wiederkehrende Rituale unterstützen Lernende mit sprachlichem oder kognitivem Förderbedarf. Lernende mit höherem Arbeitstempo können Baustile, Heilige, Kunstwerke, liturgische Funktionen oder die Geschichte des Gebäudes erforschen. So arbeiten alle am gleichen Gegenstand, jedoch mit unterschiedlichen Zugängen und Anforderungen.
Zur Nachbereitung eignet sich ein Lerntagebuch. Die Lernenden gestalten eine Seite zu ihrem Lieblingsort, ordnen Fotos und Symbole, ergänzen Satzanfänge oder zeichnen einen eigenen Kirchenraum. Eine gemeinsame Bodenkarte kann zeigen, welche Wege die Gruppe gegangen ist und welche Bedeutungen an den einzelnen Orten entdeckt wurden. Abschließend kann darüber gesprochen werden, wodurch ein Raum heilig, gastfreundlich oder bedeutsam wird.
Zu Beginn stehen Ankommen und Wahrnehmen im Vordergrund: Auf dem Vorplatz verweilen die Kinder kurz, beobachten ihre Umgebung und teilen erste Eindrücke. Das Läuten der Glocken eröffnet einen Impuls darüber, was der Klang in ihnen auslöst. Beim bewussten Eintreten durch die Kirchentür erleben sie die Schwelle zwischen Außen und Innen. Am Weihwasserbecken wird ein Willkommensmoment geschaffen – ergänzt durch ein Lied und das freiwillige Angebot des Kreuzzeichens. Im Kirchenraum selbst sammeln die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke und Fragen.
An elementaren Orten des Kirchenraums vertiefen sich die Kinder: Am Taufbecken gestalten sie Namenskärtchen und legen sie im Kreis aus, um Zugehörigkeit sichtbar zu machen. Am Ambo hören sie einen kurzen Bibeltext in Leichter Sprache, der das „Hören mit dem Herzen“ betont. Am Altar nimmt die Gruppe den Raum aus neuer Perspektive wahr und teilt Brot als Zeichen der Gemeinschaft mit Bezug zu den Worten Jesu. Vor Kreuz und Gewölbe beschäftigen sich die Kinder mit Gefühlen wie Angst, Mut oder Hoffnung und legen symbolisch „Schweres“ ab bzw. nehmen „Leichtes“ mit. Am Tabernakel verweilen sie still vor dem Licht, das die Gegenwart Jesu symbolisiert, und an der Orgel singen sie gemeinsam.
Persönliche Zugänge bietet die Suche nach einem Lieblingsplatz in der Kirche: Die Kinder legen dort ein zuvor ausgeschnittenes Herz ab und können den Ort fotografieren. Am Kerzenstand entzünden sie ein Licht als Bitte oder Dank und sprechen ein Gebet. Abschließend lernen sie die Legende vom Erzengel Michael kennen, der gegen den Drachen kämpft – erzählt in Leichter Sprache und ergänzt durch Bildkarten. Die Geschichte vermittelt den Gedanken, dass Gott stärker ist als das Böse und Menschen Mut schöpfen können.
Das Material enthält zudem Hinweise zur Organisation einer eigenständigen Kirchenraumerkundung, Kontaktadressen, den Lageplan der Stationen (Seite 21) sowie eine Übersicht über benötigte Materialien wie Brot, Namenskärtchen, Bildkarten zum Drachenkampf, leichte und schwere Symbole oder Kerzen. Insgesamt entsteht ein leicht zugänglicher, inklusiver, sinnorientierter Lernweg für Kinder, der spirituelles Erleben ermöglicht und zugleich religiöse Grundbegriffe erfahrbar macht.