Der Artikel entfaltet zunächst ein klassisches Verständnis des Menschen, das in der abendländischen Philosophie und im christlichen Denken lange selbstverständlich war. Der Mensch gilt hier als Person. Zu seiner Personhaftigkeit gehören Willensfreiheit, Selbstbewusstsein, Gewissen, Wahrheitsfähigkeit, die Fähigkeit zur selbstlosen Liebe und die Offenheit für einen über ihn hinausweisenden Sinnhorizont. Diese Offenheit kann metaphysisch oder religiös als Bezug auf Gott verstanden werden. Aus diesem Verständnis ergibt sich auch die Möglichkeit echter Caritas Agape, also einer tätigen und sich verschenkenden Liebe, die nicht auf den eigenen Vorteil zielt.
Im nächsten Schritt beschreibt der Autor, dass dieses Menschenbild seit der Neuzeit zunehmend unter Druck geraten ist. Materialistische und naturalistische Denkrichtungen stellen die Vorstellung eines freien und geistigen Menschen in Frage. Hinzu kommt die postmoderne Kritik an großen Sinnentwürfen. Danach gebe es keine allgemein gültige Wahrheit über den Menschen, sondern nur verschiedene kleine Erzählungen. Der Autor sieht darin jedoch einen Widerspruch, weil gerade der Naturalismus selbst wieder als eine neue große Erzählung auftritt. Er beansprucht allgemeine Geltung und erklärt den Menschen vollständig aus physikalischen und neuronalen Prozessen.
Besonders deutlich zeigt der Autor diese Problematik am Beispiel der Neurophilosophie, vor allem bei Thomas Metzinger. Dort erscheint das menschliche Bewusstsein als ein Konstrukt des Gehirns. Der Mensch erlebt die Welt demnach nicht unmittelbar, sondern nur als innere Simulation. Freiheit, Geist, Gewissen und personale Identität verlieren in diesem Modell ihre eigenständige Wirklichkeit. Das Ich erscheint nur noch als Produkt neuronaler Abläufe. Werte gelten dann nicht als objektiv, sondern als soziale Setzungen. Auch die Liebe wird auf eigennützige Motive reduziert. Damit wird Caritas Agape, also selbstlose Liebe, aus Sicht des Naturalismus letztlich unmöglich.
Der Autor hält dieses Menschenbild für widersprüchlich und unzureichend. Er verweist darauf, dass naturalistische Theorien besonders am Problem des Bewusstseins scheitern. Aus seiner Sicht sprechen gute Gründe dafür, Geist und Materie nicht einfach gleichzusetzen. Mentale Akte wie Wollen, Verstehen und Meinen können nicht vollständig in Gehirnzuständen aufgehen. Wenn sie es täten, würde die objektive Welt für uns verschwinden, weil unsere Beziehung zur Wirklichkeit gerade durch solche geistigen Akte vermittelt ist. Der Mensch ist deshalb mehr als ein biologisches Informationssystem.
Im Mittelpunkt des Artikels steht dann die Frage, welche Folgen das naturalistische Narrativ für das praktische Leben hat. Der Autor untersucht dazu eine Studie Metzingers zum Leiden. Dort werden einzelne Bewusstseinsmomente danach bewertet, ob man sie noch einmal erleben möchte oder nicht. Das Ziel besteht darin, negative Momente zu minimieren. Für den Autor zeigt sich darin ein reduziertes Menschenbild. Menschliches Leben wird auf die Steuerung angenehmer und unangenehmer Zustände verkürzt. Dagegen betont er, dass Menschen ihr Leben als Ganzes verstehen wollen. Sie fragen nach Sinn, nach Ziel und nach dem Wert ihres Lebens. Nicht einzelne Augenblicke allein sind entscheidend, sondern die innere Einheit des Lebensvollzugs.
Gerade an den Reaktionen der Versuchspersonen wird für den Autor sichtbar, dass Menschen mehr sind als neuronale Maschinen. Einige ordnen belastende Erfahrungen in größere Sinnzusammenhänge ein und halten ein Leben nicht einfach dann für gelungen, wenn es möglichst viele angenehme Momente enthält. Wissen, Verantwortung, Hingabe und ein Beitrag für andere können dem Leben Sinn geben, auch wenn sie Mühe und Leid einschließen. Damit widerspricht die gelebte Erfahrung des Menschen dem naturalistischen Deutungsmuster.
Im letzten Teil entwickelt der Artikel die positive Gegenposition. Der Mensch ist auf Sinn ausgerichtet und kann sein Leben an übergeordneten Werten orientieren. Daraus erwächst die Idee der Menschenwürde. Besonders wichtig ist dem Autor die Caritas Agape. Diese tätige und sich schenkende Liebe stiftet Sinn und macht ein gelingendes Leben möglich. Sie ist aber nur dann echt, wenn sie nicht als Mittel zur eigenen Beglückung gesucht wird. Wer nur auf das eigene Glück zielt, verfehlt es gerade. Glück entsteht indirekt, wenn ein Mensch sich selbst vergisst und sich dem Wohl des Nächsten zuwendet.
Der Autor verbindet diese Überlegung auch mit einer Kritik an modernen hedonistischen Lebensprogrammen. Wenn das Leben nur noch als Maximierung angenehmer Zustände verstanden wird, schwinden Verantwortungsgefühl, Opferbereitschaft und echte Mitmenschlichkeit. Demgegenüber vertraut der Artikel darauf, dass im Menschen weiterhin ein tiefes Bedürfnis nach selbstloser Liebe angelegt ist. Erfahrungen der Hilfsbereitschaft in Krisenzeiten deutet der Autor als Zeichen dafür, dass Caritas Agape trotz aller ideologischen Engführungen lebendig bleibt.
Insgesamt verteidigt der Artikel also ein christlich geprägtes Menschenbild gegen naturalistische Reduktionen. Der Mensch ist nicht bloß Materie, nicht bloß Gehirn und nicht bloß ein Bündel von Reizen und Reaktionen. Er ist Person, auf Wahrheit und Sinn hingeordnet, freiheitsfähig und zur selbstlosen Liebe berufen. Darin sieht der Autor die Grundlage von Würde, Verantwortung und gelingendem Leben.