Theologie wird als reflektive Rede von Gott definiert, die sich historisch aus der Begegnung christlicher Kirche mit griechischer Philosophie entwickelt hat. Der Artikel behandelt eine Grundspannung: Wie können Menschen von Gott sprechen, der nicht Teil der gegenständlichen Welt ist? Konstitutive Bezugsgrößen christlicher Theologie sind Jesus Christus und die Kirche als Gemeinschaft glaubender Menschen. Das erste historische Modell von Thomas von Aquin unterscheidet zwischen natürlicher Gotteserkenntnis durch Vernunft und übernatürlicher Offenbarungserkenntnis durch die Bibel. Das zweite Modell Friedrich Schleiermachers verlegt Religion in das individuelle religiöse Erleben und das 'Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit', wobei theologische Aussagen sekundär sind. Das dritte Modell Karl Barths antwortet kritisch auf das Erfahrungsparadigma und betont die Orientierung am einen Wort Gottes in Jesus Christus, bezeugt durch die Bibel. Die Theologie hat die Aufgabe, kirchliche Praxis kritisch zu begleiten und Religion als kreatürliches Phänomen zu würdigen, ohne sie zu vergöttern. Die moderne katholische Theologie hat die evangelische Kritik aufgenommen und reformuliert das Verhältnis von Glaube und Vernunft: Der Glaube ist Grund der Gotteserkenntnis, und die Vernunft gehört innerlich dem Glauben zu. Alle drei Modelle haben Stärken und Schwächen in ihrer Verhältnisbestimmung von Erkenntnis, Erfahrung und Offenbarung.