Das evangelisch-theologische Studium in Deutschland ist ein wissenschaftliches Studium mit primärer Ausrichtung auf die Vorbereitung zum Pfarrberuf oder zum Lehramt an öffentlichen Schulen, wobei es auch ohne klare Berufsausrichtung studiert werden kann. Das Studium wird rechtlich als res mixtae verstanden und unterliegt der gemeinsamen Verantwortung von Bundesländern und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es kann an Theologischen Fakultäten, Instituten, Seminaren sowie an zwei Kirchlichen Hochschulen (Neuendettelsau und Wuppertal-Bethel) absolviert werden. Das Lehramtsstudium wurde im Rahmen des Bologna-Prozesses in Bachelor- und Masterstudiengänge überführt, während das Pfarramtsstudium weiterhin als grundständiges Studium mit Zwischenprüfung angeboten wird und mit der Ersten Theologischen Prüfung abschließt. Der Theologie liegt das Selbstverständnis als verantwortete Wissenschaft zugrunde, gekennzeichnet durch historisch-kritische Quellenbearbeitung, reflektierte Methodik und Kohärenz der Aussagen. Der feste Kanon der evangelischen Theologie in Deutschland umfasst fünf Hauptdisziplinen: Altes Testament, Neues Testament, Kirchen- und Theologiegeschichte, Systematische Theologie und Praktische Theologie, ergänzt durch Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie. Zusätzlich werden zahlreiche Spezialisierungsfächer wie Ostkirchenkunde, Kirchenrecht, Diakoniewissenschaft, Religionssoziologie, Religionspsychologie und Kirchenmusik angeboten. Absolventen ohne Berufsausrichtung finden Karrieremöglichkeiten in Journalismus, Bildungs- und Sozialwesen, Wirtschaft sowie in der wissenschaftlichen Laufbahn. Gegenwärtig werden verstärkt Möglichkeiten zum Quereinstieg in Lehr- und Pfarrberuf diskutiert, um dem absehbaren Mangel an Fachkräften zu begegnen.