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Unsichtbar und doch nah

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute unter dem Titel „Unsichtbar und doch nah. Mit ›Corpora‹ in der Schule über Gott nachdenken. Anregungen zu einer inhaltlichen Profilierung des Religionsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe“ erschienen. Der Beitrag von Thomas Menges umfasst ca. 7 Seiten.

Der Artikel zeigt, wie die Medientheorie aus Eckhard Nordhofens Buch Corpora für den Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe genutzt werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der unsichtbare Gott Menschen nahe sein kann. Dazu wird der Wechsel der Gottesmedien Bild, Schrift und Mensch beschrieben. Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme wie die Entstehung des Monotheismus, Religionskritik, angemessenes Sprechen von Gott, die Theodizeefrage sowie die Bedeutung Jesu Christi als Inkarnation Gottes. Außerdem entwickelt er konkrete religionsdidaktische Anregungen für den Unterricht.

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Der Artikel untersucht, wie die Medientheorie aus dem Buch Corpora von Eckhard Nordhofen für eine inhaltliche Profilierung des Religionsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe genutzt werden kann. Ausgangspunkt ist die Frage, wie der unsichtbare Gott den Menschen nahe sein kann. Nordhofen beschreibt dafür drei zentrale Medien, durch die Gott in der Religionsgeschichte präsent wird: Bild, Schrift und Mensch. Diese Medien werden als Corpora bezeichnet. Der Autor versteht die Entwicklung des Monotheismus als einen historischen Medienwechsel vom Bild zur Schrift und schließlich vom Menschen als Gottesmedium.

Im Zentrum der Argumentation steht die Idee der biblischen Aufklärung. Damit ist eine Form religiöser Kritik gemeint, die bereits in der Antike entstand. Sowohl in der griechischen Philosophie als auch in der biblischen Tradition wurden die Götterbilder des Polytheismus kritisiert. Besonders der Prophet Deuterojesaja verspottet die Götterstatuen Babylons als menschliche Produkte. Diese Kritik zeigt, dass Götterbilder keine angemessenen Medien für Gott sind. Gleichzeitig wird ein neuer Gedanke entwickelt: der Glaube an einen einzigen Gott, der nicht Teil der Welt ist, sondern ihr Schöpfer und Gegenüber.

Dieser Gott bleibt für den Menschen zugleich präsent und verborgen. Der Gottesname JHWH bringt diese Spannung zum Ausdruck. Gott ist ansprechbar und zugleich dem Menschen entzogen. Daraus entwickelt Nordhofen den Gedanken des Transfunktionalismus. Gott kann nicht für menschliche Zwecke funktionalisiert werden. Er entzieht sich jeder Berechnung und jedem religiösen Tauschprinzip.

Religiöse Innovationen können sich jedoch nur durchsetzen, wenn sie auch eine kultische Praxis entwickeln. Während der Polytheismus vor allem auf den Kult von Bildern ausgerichtet war, entwickelt Israel einen Kult um die Schrift. Die heiligen Texte werden zum zentralen Medium der Gottesbegegnung. Nordhofen bezeichnet diese Verehrung der Schrift mit dem Begriff Grapholatrie.

Im Christentum erfolgt ein weiterer Medienwechsel. Mit Jesus von Nazareth wird der Mensch selbst zum Gottesmedium. Die Evangelien sehen in Jesus den vom Geist Gottes erfüllten Menschen. Im Johannesevangelium wird dies mit dem Satz ausgedrückt, dass das Wort Fleisch geworden ist. Damit wird Gott im Menschen gegenwärtig. Nach christlichem Verständnis endet diese Inkarnation nicht mit dem Tod Jesu. Menschen können selbst zu Gottesmedien werden, wenn sie sich dem Geist Gottes öffnen.

Der Artikel zeigt anschließend, wie diese theologischen Gedanken im Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe aufgegriffen werden können. Dabei wird auf den Grundlagenplan der Deutschen Bischofskonferenz sowie auf das Kerncurriculum Hessen verwiesen. Beide Lehrpläne enthalten Themen wie Monotheismus, Religionskritik, Gottesrede, die Theodizeefrage und die Bedeutung Jesu Christi. Die Medientheorie von Nordhofen kann helfen, diese Themen inhaltlich zu vertiefen.

Der Autor entwickelt mehrere didaktische Vorschläge für den Unterricht. Ein erster Ansatz betrifft die Religionskritik. Diese wird im Unterricht meist erst mit Denkern der Neuzeit wie Feuerbach, Marx, Freud oder Nietzsche behandelt. Die biblische Aufklärung zeigt jedoch, dass Religionskritik bereits in der Antike existierte. Biblische Texte wie die Kritik an den Götzenbildern oder die Geschichte vom Goldenen Kalb können deshalb als frühe Formen religionskritischen Denkens verstanden werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie von Gott gesprochen werden kann. Die Bibel zeigt Gott als Schöpfer der Welt und zugleich als verborgenes Gegenüber. Texte wie die Schöpfungserzählung oder die Offenbarung am Dornbusch verdeutlichen diese Vorstellung. Sie machen deutlich, dass Gott nicht einfach ein Teil der Welt ist und deshalb nicht vollständig begriffen werden kann.

Auch ethische und gesellschaftliche Konsequenzen des Monotheismus werden thematisiert. Dazu gehört etwa die Sabbatruhe als Ausdruck einer transfunktionalen Lebenshaltung. Ebenso wird die politische Bedeutung des Monotheismus angesprochen. Wenn Gott der höchste Herr ist, relativiert dies jede menschliche Macht. Diese Idee wird im Neuen Testament fortgeführt und kann im Unterricht im Zusammenhang mit Fragen von Religion und Politik diskutiert werden.

Ein weiteres Unterrichtsthema ist die Theodizeefrage. Am Beispiel des Buches Ijob wird gezeigt, dass einfache Erklärungen für Leid und Ungerechtigkeit problematisch sind. Die Freunde Ijobs versuchen das Leid mit einem religiösen Tauschprinzip zu erklären. Der biblische Text kritisiert diese Deutung und betont die Unbegreiflichkeit Gottes.

Schließlich wird die Rolle Jesu im Zusammenhang des Medienwechsels von der Schrift zum Menschen betrachtet. In den Evangelien kritisiert Jesus eine rein gesetzliche Auslegung der Schrift. Die Begegnung mit der Ehebrecherin zeigt, dass Gottes Barmherzigkeit über einer rein juristischen Anwendung der Gebote steht. Jesus wird so zum lebendigen Ausdruck des göttlichen Willens.

Auch die Symbolik des Brotes wird im Unterricht aufgegriffen. Vom Paschamahl über das letzte Abendmahl bis zur Eucharistie zeigt sich eine theologische Verbindung. Das Brot wird zum Zeichen der Gegenwart Christi. Wer daran teilnimmt, wird selbst zum Träger der göttlichen Gegenwart.

Der Artikel endet mit Überlegungen zum interreligiösen Dialog. Während Judentum und Islam ihre Offenbarung in heiligen Schriften sehen, versteht das Christentum die Offenbarung vor allem als Inkarnation Gottes im Menschen Jesus Christus. Diese Unterscheidung eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der verschiedenen monotheistischen Religionen, wirft aber auch Fragen für den Dialog zwischen ihnen auf.

Insgesamt zeigt der Artikel, dass die Medientheorie von Nordhofen zahlreiche Impulse für den Religionsunterricht bietet. Sie ermöglicht es, zentrale Themen wie Gottesbilder, Religionskritik, Inkarnation und Bibelverständnis neu zu erschließen und Lernende zu einem reflektierten Nachdenken über Gott anzuregen.

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