Der Artikel beschreibt zunächst die Entstehung der Inneren Führung und des Leitbildes des Staatsbürgers in Uniform. Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus sollte die Bundeswehr fest in der demokratischen Gesellschaft verankert werden. Deshalb suchten die Gründer der Bundeswehr bewusst Gesprächspartner außerhalb des militärischen Systems. Besonders die Evangelische Kirche spielte bei der Entwicklung der Inneren Führung und der Werteorientierung eine wichtige Rolle. Ziel war es, Soldaten als verantwortliche Bürger mit Gewissen und moralischer Selbstständigkeit zu verstehen.
Ackermann erklärt, dass der freiheitliche Staat auf Werte angewiesen ist, die er selbst nicht vollständig garantieren kann. Deshalb braucht der Staat Institutionen außerhalb seiner eigenen Strukturen, die zur Werteorientierung beitragen. Gerade die Militärseelsorge soll verhindern, dass die Bundeswehr wieder zu einem Staat im Staate wird. Militärseelsorge versteht sich deshalb als unabhängiger Gesprächs und Kooperationspartner in kritischer Solidarität mit der Bundeswehr.
Ein zentraler Schwerpunkt des Artikels ist der Lebenskundliche Unterricht. Dieser Unterricht soll nicht nur Werte vermitteln, sondern umfassendes gesellschaftliches Orientierungswissen bieten. Lernende sollen sich mit Sinnfragen, Verantwortung, Gemeinschaft und persönlicher Lebensführung auseinandersetzen. Der Unterricht behandelt ethische Fragen des soldatischen Lebens ebenso wie allgemeine menschliche Fragen.
Der Autor beschreibt außerdem die Weiterentwicklung der ethischen Bildung seit Beginn des 21. Jahrhunderts. Veränderungen in Gesellschaft und Bundeswehr machten eine Neuausrichtung notwendig. Die zunehmende kulturelle und religiöse Vielfalt sowie Auslandseinsätze führten dazu, dass ethische Bildung stärker als Gesamtaufgabe verstanden wurde. Menschenwürde, Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit bilden dabei das gemeinsame ethische Fundament der Inneren Führung.
Der Artikel betont, dass ethische Bildung immer Persönlichkeitsbildung ist. Lernende sollen die ethische Dimension ihres Handelns erkennen, reflektieren und verantworten können. Der Lebenskundliche Unterricht stärkt deshalb Gewissen, moralische Urteilskraft und Verantwortungsbewusstsein. Dabei steht der ganze Mensch mit seinen persönlichen Erfahrungen, kulturellen Prägungen und sozialen Beziehungen im Mittelpunkt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der besonderen Rolle der Militärseelsorge. Militärgeistliche stehen außerhalb der militärischen Hierarchie und schaffen dadurch einen geschützten Raum für offene Gespräche. Der Unterricht ist nicht beurteilungsrelevant und ermöglicht freie Diskussionen ohne Angst vor Konsequenzen. Die Lehrenden bringen außerdem weltanschauliche und ethische Kompetenz mit und fördern Dialogfähigkeit sowie interkulturelles Verständnis.
Ackermann warnt davor, ethische Bildung allein als Vermittlung vorschriftenkonformen Verhaltens zu verstehen. Ethische Bildung braucht Freiräume für Selbstreflexion und offene Diskussion. Besonders problematisch wäre es nach Ansicht des Autors, wenn Disziplinarvorgesetzte den Unterricht übernehmen würden. Dies würde dem ursprünglichen Gedanken der Inneren Führung widersprechen.
Zum Schluss betont der Artikel, dass die Militärseelsorge auch künftig ein wichtiger Partner für die ethische Bildung in der Bundeswehr bleiben soll. Ziel bleibt die Förderung verantwortungsbewusster Persönlichkeiten, die Frieden, Menschenwürde und demokratische Werte achten und verteidigen.