Der Fachartikel beschäftigt sich mit der Frage, ob das Konzept des gerechten Friedens weiterhin als Leitbild christlicher Friedensethik geeignet ist oder ob angesichts aktueller Kriege eine Rückkehr zur Lehre vom gerechten Krieg notwendig erscheint. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Frieden und Gerechtigkeit zu den zentralen europäischen Werten gehören und deshalb auch die Streitkräfte demokratischer Staaten friedensethisch legitimiert werden müssen. Der Autor beschreibt, dass sich in den christlichen Kirchen nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege zunehmend das Konzept des gerechten Friedens etabliert habe. Dieses richte den Blick vor allem auf Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung, internationale Zusammenarbeit und den Aufbau gerechter gesellschaftlicher Strukturen. Militärische Gewalt werde dabei nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern nur als letztes Mittel verstanden.
Im weiteren Verlauf erläutert der Artikel die historischen Gründe für die Abkehr von der Lehre vom gerechten Krieg. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges habe sich gezeigt, dass die traditionelle Kriegsethik nicht mehr geeignet gewesen sei, Gewalt wirksam zu begrenzen. Stattdessen sei die Lehre vom gerechten Krieg häufig zur nationalistischen Legitimation militärischer Gewalt missbraucht worden. Die fortschreitende Technologisierung des Krieges sowie die massive Gewalt gegen Zivilisten hätten deutlich gemacht, dass moderne Kriege kaum noch moralisch kontrollierbar seien. Nach 1945 entwickelten die Kirchen deshalb neue friedensethische Ansätze, die stärker auf Gewaltvermeidung, Menschenrechte und internationale Rechtsordnungen setzten.
Ein zentraler Schwerpunkt des Artikels liegt auf der Darstellung des gerechten Friedens als Alternative zum gerechten Krieg. Dieses Konzept versteht Frieden nicht nur als Abwesenheit von Krieg, sondern als gerechte gesellschaftliche Ordnung, die Freiheit, Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit ermöglicht. Der gerechte Frieden umfasst daher Maßnahmen zur Konfliktprävention, Abrüstung, Förderung internationaler Organisationen und Stärkung des Völkerrechts. Gleichzeitig betont der Autor, dass das Konzept keine absolute Gewaltlosigkeit fordere. Militärische Gewalt könne in extremen Situationen notwendig sein, um Menschen zu schützen oder schwere Ungerechtigkeit zu verhindern.
Der Artikel setzt sich außerdem intensiv mit den friedensethischen Positionen von Papst Franziskus auseinander. Dieser lehne die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg weitgehend ab und spreche sich für eine Ächtung des Krieges aus. Franziskus betone vor allem die Perspektive der Opfer und fordere eine internationale Friedensordnung auf Grundlage des Rechts. Dennoch schließe auch der Papst eine legitime Verteidigung nicht vollständig aus. Der Autor deutet diese Haltung nicht als absoluten Pazifismus, sondern als Weiterentwicklung des Leitbildes des gerechten Friedens.
Im Blick auf den Ukrainekrieg wird deutlich gemacht, dass Frieden nicht mit Unterwerfung oder Ungerechtigkeit verwechselt werden dürfe. Ein gerechter Frieden müsse den Schutz der Opfer gewährleisten und dürfe Menschen nicht schutzlos Gewalt und Unterdrückung ausliefern. Deshalb könne auch die Unterstützung eines angegriffenen Landes friedensethisch gerechtfertigt sein. Der Autor zeigt zudem, dass das Leitbild des gerechten Friedens nicht nur innerhalb der Kirchen Bedeutung besitzt, sondern auch in politischen Debatten der Europäischen Union und der Vereinten Nationen verwendet wird.
Abschließend betont der Artikel, dass der gerechte Frieden keinen radikalen Bruch mit früheren ethischen Traditionen darstellt, sondern einen Perspektivwechsel bedeutet. Ziel bleibe weiterhin die Begrenzung von Gewalt und die Orientierung am Frieden. Friedensorientierung müsse trotz notwendiger militärischer Verteidigungsfähigkeit das grundlegende Leitbild moderner Streitkräfte bleiben. Der gerechte Frieden verbinde christliche Friedensethik mit Menschenrechten, internationalem Recht und dem Schutz der Opfer von Gewalt.