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Eulenfisch

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Dekolonisierung und Museumsarbeit

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel „Dekolonisierung und Museumsarbeit“ von Matthias Theodor Kloft ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 5 Seiten (S. 53–57). Der Artikel behandelt die Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit in kirchlichen und musealen Sammlungen, insbesondere im Zusammenhang mit Missionsgeschichte, kolonialer Raubkunst und rassistischen Darstellungen Afrikas in Kunst und religiöser Praxis. Theologisch problematisiert der Beitrag das christliche Missionsverständnis, rassistische Bildsprache im religiösen Kontext sowie ein paternalistisches Verständnis von Hilfe und Mission.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Museen und kirchliche Sammlungen mit ihrer kolonialen Vergangenheit umgehen sollen. Obwohl Deutschland seine Kolonien bereits nach dem Ersten Weltkrieg verlor, geriet die koloniale Geschichte lange nicht in den Fokus der öffentlichen Aufarbeitung. Erst in jüngerer Zeit wird verstärkt darüber diskutiert, in welchem Zusammenhang Museumsbestände und kirchliche Sammlungen mit kolonialem Unrecht stehen. Während zuvor besonders die Frage der jüdischen Raubkunst im Nationalsozialismus untersucht wurde, richtet sich der Blick nun auch auf Objekte aus kolonialen Kontexten. Ein Beispiel für den Umgang mit Raubkunst zeigt eine katholische Gemeinde in Frankfurt Niederrad, in der Teile einer Sammlung jüdischer Herkunft nach dem Zweiten Weltkrieg an die ursprüngliche Familie zurückgegeben wurden.

Im Unterschied dazu stellt sich bei Objekten aus kolonialen Kontexten eine komplexere Situation. Kult und Kunstgegenstände aus Afrika gelangten häufig durch koloniale Gewalt oder durch ungleiche Machtverhältnisse nach Europa. Hinzu kommt die Problematik anthropologischer Sammlungen, in denen menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten aufbewahrt wurden. Viele ethnologische Museen entstanden im späten 19. Jahrhundert während einer Phase kolonialer Begeisterung. Heute werden ihre Bestände kritisch untersucht und teilweise neu präsentiert. Beispiele dafür sind große deutsche Museen wie das Humboldt Forum, das Lindenmuseum in Stuttgart oder das Museum am Rothenbaum in Hamburg. Besonders hervorgehoben wird eine Ausstellung über geraubte Kunst aus dem Königreich Benin, die die Herkunft der Objekte und ihre gewaltsame Aneignung durch europäische Mächte thematisiert.

Auch kirchliche Einrichtungen sind von dieser Diskussion betroffen, da Missionare aus Deutschland in kolonialen Gebieten tätig waren und teilweise Objekte aus diesen Regionen sammelten. Missionsmuseen und kirchliche Sammlungen müssen daher ihre Bestände historisch und wissenschaftlich aufarbeiten. Ein Beispiel ist die Arbeit des Diözesanmuseums Limburg, das Objekte aus der Missionsgeschichte präsentiert und versucht, sowohl positive als auch problematische Aspekte der Missionsarbeit sichtbar zu machen. Einige Artefakte gelangten als Geschenke nach Europa oder wurden von Missionaren bewahrt, andere stehen im Zusammenhang mit kolonialen Machtstrukturen. Die wissenschaftliche Erforschung dieser Sammlungen steht vielfach noch am Anfang.

Darüber hinaus thematisiert der Artikel das europäische Bild Afrikas in Kunst und Kultur. Seit dem Mittelalter wurde das Fremde häufig exotisch dargestellt. Darstellungen von Afrikanern spiegeln deshalb nicht nur historische Realität wider, sondern auch europäische Fantasien und Stereotype. Begriffe wie Mohr hatten ursprünglich eine geografische Bedeutung, entwickelten im Laufe der Zeit jedoch eine zunehmend abwertende Konnotation. Diese Veränderung zeigt sich auch in literarischen und kulturellen Darstellungen sowie in religiösen Kunstwerken und Krippendarstellungen.

Besonders kritisch betrachtet der Autor kirchliche Darstellungen und Gegenstände, die rassistische Stereotype reproduzieren, etwa Figuren, die Afrikaner als hilfsbedürftige Empfänger von Almosen zeigen. Solche Objekte vermitteln eine falsche theologische Vorstellung von Hilfe, da christliche Hilfe auf Geschwisterlichkeit und Gleichwertigkeit beruhen soll. Der Autor fordert daher, dass problematische Darstellungen aus Kirchen entfernt und museal kritisch kommentiert werden.

Im Fazit betont der Artikel, dass sich die Perspektive auf Mission und Kirche verändert hat. Afrika ist heute nicht mehr nur Ziel von Mission, sondern afrikanische Christen und Geistliche sind selbst aktive Träger des Glaubens und wirken auch in europäischen Gemeinden mit. Diese Entwicklung fordert ein neues Verständnis von Kirche und eine kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Denkmustern. Museen und kirchliche Einrichtungen sollen ihre Sammlungen deshalb historisch einordnen, transparent präsentieren und zur Reflexion über koloniale Vergangenheit und globale christliche Gemeinschaft beitragen.

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Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.4 Christentum in Europa – Christentum weltweit.

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