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Katholische Akademie Bayern

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Nicht nur Michelangelo. David in der Kunst

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Fachartikel von Wolfgang Augustyn umfasst etwa 8 Seiten (S. 9–16 des Sonderhefts). Der Beitrag untersucht die Darstellung Davids in der Kunstgeschichte von der Spätantike bis in die Moderne. Dabei wird gezeigt, wie David als König, Prophet, Psalmendichter, Kämpfer, Christusfigur und politisches Symbol interpretiert wurde. Besonderes Augenmerk liegt auf den theologischen Deutungen, die die Darstellung Davids über Jahrhunderte geprägt haben.

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Der Artikel untersucht die Geschichte der künstlerischen Darstellung Davids und zeigt, dass kaum eine Gestalt des Alten Testaments eine vergleichbar große Wirkung auf die europäische Kunst entfaltet hat. David faszinierte Künstler über Jahrhunderte hinweg, weil sein Leben von Gegensätzen geprägt ist. Freude und Leid, Sieg und Niederlage, Herrschaft und Dichtung verbinden sich in seiner Person. Deshalb wurde David sowohl religiös als auch politisch interpretiert. Christliche Theologen sahen in ihm einen Vorläufer Christi, während andere ihn als Symbolfigur für Herrschaft, Tugend und politische Ordnung verstanden.

Die Grundlage aller Darstellungen bilden die biblischen Erzählungen. David erscheint dort als von Gott erwählter König, Psalmendichter, Musiker und erfolgreicher Kämpfer. Besonders seine Rolle als Verfasser vieler Psalmen führte dazu, dass er in der Kunst häufig als Sänger und Musiker dargestellt wurde. Im Mittelalter erhielt er deshalb den Titel „König und Prophet“.

Die frühesten christlichen Darstellungen zeigen vor allem David als Psalmisten und Propheten. Der Psalter gehörte im Mittelalter zu den wichtigsten Büchern überhaupt. Er diente dem Gebet, dem Bibelstudium und der religiösen Bildung. Deshalb entstanden zahlreiche Handschriften, in denen David mit Lyra oder Harfe dargestellt wird. Oft sitzt er auf einem Thron oder wird von Musikern begleitet. In späteren Jahrhunderten erscheint er zudem als inspirierter Autor, dem der Heilige Geist die Psalmen eingibt.

Neben diesen Einzelbildern entstanden umfangreiche Bildzyklen zum Leben Davids. Diese Darstellungen erzählen seine Geschichte von der Berufung durch Samuel über den Kampf gegen Goliath bis zu seinen Konflikten als König. Besonders eindrucksvoll ist die sogenannte Kreuzfahrerbibel des 13. Jahrhunderts. Dort werden die Kämpfe Davids in der Ausrüstung mittelalterlicher Ritter dargestellt. Die biblischen Ereignisse werden dadurch mit den Kreuzzügen und den politischen Konflikten der Entstehungszeit verbunden. David erscheint als vorbildlicher, frommer und zugleich starker Herrscher.

Ein zentraler Gedanke des Artikels ist die Bedeutung der allegorischen Auslegung. Im Mittelalter wurden biblische Geschichten nicht nur wörtlich verstanden. Hinter dem sichtbaren Geschehen wurde ein tieferer geistlicher Sinn gesucht. Deshalb wurde der Kampf Davids gegen Goliath als Bild für den Sieg Christi über Satan gedeutet. David symbolisierte Christus, während Goliath für die Mächte des Bösen stand. Diese Deutung beeinflusste zahlreiche Kunstwerke über viele Jahrhunderte hinweg.

Besonders ausführlich behandelt der Artikel die mittelalterliche Bildsprache. Viele Darstellungen lassen sich nur verstehen, wenn man die damalige Auslegungstradition kennt. Die Geschichte von David und Abigail wurde beispielsweise nicht nur als historische Erzählung verstanden. Abigail wurde als Sinnbild des gläubigen Menschen gedeutet, der die Wahrheit erkennt, während Nabal die Welt repräsentiert, die Christus nicht erkennt. Dadurch erhielt die Geschichte eine moralische und geistliche Bedeutung.

Ähnlich wurde die Geschichte von David und Batseba interpretiert. Obwohl die biblische Erzählung von Ehebruch und Schuld handelt, sah die mittelalterliche Theologie darin zugleich eine symbolische Darstellung von Christus und der Kirche. David wurde als Vorausbild Christi verstanden, Batseba als Bild der Kirche. Die Taufe symbolisierte die Reinigung von Sünde und die Verbindung mit Christus. Solche Deutungen zeigen, wie stark die mittelalterliche Kunst von theologischen Auslegungen geprägt war.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Typologie. Dabei werden Ereignisse des Alten Testaments als Vorankündigungen neutestamentlicher Ereignisse verstanden. In Handschriften wie dem Stammheimer Missale werden Szenen aus dem Leben Davids gemeinsam mit Darstellungen der Auferstehung Christi gezeigt. David, Samson, Banaja und Elisa erscheinen dort als Vorbilder für den Sieg Christi über Tod und Böse. Die Kunst macht dadurch sichtbar, wie mittelalterliche Theologen die Einheit von Altem und Neuem Testament verstanden.

Darüber hinaus wurde David im Mittelalter als Vorbild für Fürsten und Herrscher verehrt. Er gehörte zu den sogenannten „Neun Helden“, die als Musterbeispiele für Tugend, Mut und kluge Herrschaft galten. In dieser Funktion wurde er nicht nur in Kirchen, sondern auch in Rathäusern und anderen weltlichen Gebäuden dargestellt.

In der Renaissance verschob sich der Schwerpunkt der Darstellung. Nun trat vor allem David als Sieger über Goliath hervor. Künstler interessierten sich zunehmend für den menschlichen Körper, für Heldentum und individuelle Stärke. Besonders bedeutend wurden die Davidskulpturen von Donatello, Verrocchio und Michelangelo. Donatello schuf die erste lebensgroße männliche Aktfigur der Neuzeit. Michelangelo stellte David nicht nach dem Sieg, sondern unmittelbar vor dem Kampf dar. Seine Statue wurde zum Symbol der Freiheit und Wehrhaftigkeit von Florenz.

Der Artikel zeigt abschließend, dass David über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert wurde. Er erscheint als König, Prophet, Musiker, Kämpfer, Heilsgestalt, politisches Vorbild und Symbol Christi. Die Kunstgeschichte macht deutlich, wie eng biblische Auslegung, Theologie, Politik und Kultur miteinander verbunden sind. David bleibt deshalb bis in die Moderne hinein eine der wichtigsten Gestalten religiöser und kultureller Erinnerung.

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