Der Artikel beschreibt und analysiert das Fernseh Event „Die Passion“, das vom privaten Fernsehsender RTL als großes Live Spektakel inszeniert wurde. Dabei wird die biblische Leidensgeschichte Jesu in die Gegenwart übertragen und mit bekannten Popliedern, Prominenten und Realitystars dargestellt. Ziel der Sendung ist es, besonders junge Menschen anzusprechen, die die biblische Geschichte oft kaum noch kennen. Der Moderator erklärt zu Beginn, dass die Sendung keinen Gottesdienst darstellen soll, sondern eine moderne Erzählung über Freundschaft, Liebe und Vergebung.
Die Handlung folgt grob der biblischen Passionsgeschichte. Jesus zieht mit seinen Freundinnen und Freunden in die Stadt ein, erlebt das letzte Abendmahl, wird verraten, verhaftet und schließlich zum Tod verurteilt. Die einzelnen Szenen werden mit bekannten Popsongs verbunden. Gleichzeitig wird ein großes leuchtendes Kreuz von Menschen durch die Stadt getragen. Diese berichten in Interviews von persönlichen Erfahrungen mit Glauben, Hoffnung oder schwierigen Lebenssituationen. Dadurch entsteht eine Mischung aus religiöser Geschichte, Unterhaltung und persönlichen Glaubenszeugnissen.
Der Artikel beschreibt ausführlich einzelne Szenen der Sendung und bewertet ihre Wirkung. Einige Momente schaffen tatsächlich emotionale Zugänge zur biblischen Botschaft. Besonders Szenen wie das letzte Abendmahl oder das Gebet Jesu zeigen, dass moderne Musik manchmal neue Deutungen der biblischen Texte ermöglichen kann. Gleichzeitig kritisiert der Autor, dass viele Elemente eher wie Unterhaltung wirken. Witze, Werbepausen und teilweise schwache schauspielerische Leistungen führen dazu, dass die Ernsthaftigkeit der Leidensgeschichte verloren gehen kann.
Ein weiteres Problem sieht der Artikel in der Vermischung von religiöser Botschaft und Fernsehdramaturgie. Die Geschichte wird stark vereinfacht dargestellt. Besonders auffällig ist, dass die eigentliche Kreuzigung kaum gezeigt wird und die Auferstehung nur angedeutet erscheint. Dadurch wird der zentrale Kern der christlichen Botschaft abgeschwächt.
Trotz dieser Kritik erkennt der Autor auch Chancen. In einer Gesellschaft, in der viele Menschen wenig Kontakt zur Kirche haben, kann ein solches Format Aufmerksamkeit für die Passionsgeschichte schaffen. Popmusik und bekannte Medienfiguren können emotionale Zugänge eröffnen und religiöse Fragen neu ins Gespräch bringen. Gerade für Menschen, die der Kirche fernstehen, kann eine solche Darstellung ein erster Berührungspunkt mit der christlichen Botschaft sein.
Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass das RTL Event ein ungewöhnliches Experiment darstellt. Es bewegt sich zwischen Unterhaltung, religiöser Symbolik und theologischer Deutung. Obwohl viele Elemente problematisch erscheinen, zeigt das Format, dass religiöse Themen auch in einer postchristlichen Medienkultur weiterhin Interesse wecken und neue Formen der Darstellung finden können.