Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders geeigneten Zugang, um Genesis 2 und 3 nicht vorschnell auf die Themen Sündenfall oder Paradiesverlust zu reduzieren, sondern als grundlegende Erzählungen über menschliche Beziehungen zu erschliessen. Zu Beginn können die Lernenden überlegen, was eine lebensförderliche und was eine lebensschädliche Beziehung kennzeichnet. Diese Überlegungen werden auf die vier Bereiche Erde, Tiere, menschliches Gegenüber und Gott bezogen. Die auf Seite I abgebildete Grafik mit konzentrischen Kreisen kann dafür unmittelbar verwendet oder für den Unterricht vergrössert werden. Die Lernenden tragen Begriffe für gelingende und gestörte Beziehungen ein und tauschen ihre Ergebnisse zunächst zu zweit und anschliessend im Plenum aus. Damit werden persönliche Erfahrungen und Vorstellungen aktiviert, ohne den Bibeltext bereits auszulegen. Das Material selbst schlägt genau diese Gegenüberstellung lebensförderlicher und schädlicher Beziehungen als Hinführung vor. In der anschliessenden Texterschliessung kann Genesis 2,4b bis 25 abschnittsweise gelesen werden. Nach jedem Abschnitt formulieren die Lernenden eine kurze Überschrift oder einen zentralen Gedanken. Dadurch wird der umfangreiche Text strukturiert und seine innere Entwicklung sichtbar. Besonders geeignet sind die im Medium genannten Leitfragen nach der Erzählperspektive, dem Wesen des Menschen und der Gestaltung seiner Beziehungen zur Erde, zu den Tieren, zum menschlichen Gegenüber und zu Gott. Die hebräischen Schlüsselbegriffe können differenzierend eingesetzt werden. Sie ermöglichen älteren oder sprachlich interessierten Lernenden einen vertieften Zugang und machen beispielsweise deutlich, dass adam und adamah sprachlich aufeinander bezogen sind. Dadurch lässt sich die Verbundenheit des Menschen mit der Erde anschaulich erschliessen. Ebenso kann die Erklärung des Menschen als eines von Gott mit Lebensatem beschenkten Wesens zum Ausgangspunkt für Gespräche über Geschöpflichkeit, Abhängigkeit und die Unverfügbarkeit des Lebens werden. Methodisch besonders wirkungsvoll ist die räumliche Umsetzung der konzentrischen Kreise im Klassenraum. Mit Schnüren, Karten, Zweigen, einer Vase und weiteren Symbolen können Erde, Tiere, Mensch und Gott dargestellt werden. Während der Textarbeit ergänzen die Lernenden Begriffe und Symbole. Der Garten wird dadurch nicht nur sprachlich erschlossen, sondern als Beziehungsraum sichtbar. Die unverfügbare Mitte kann beispielsweise symbolisch markiert werden. Das eröffnet ein Gespräch darüber, welche Grenzen Menschen anerkennen müssen und weshalb Grenzen nicht nur Einschränkung, sondern auch Schutz des Lebens bedeuten können. Ein weiterer Schwerpunkt kann auf dem Menschen als Gemeinschaftswesen liegen. Die Lernenden untersuchen die Beziehung zu den Tieren sowie die Darstellung von Mann und Frau und fragen nach Nähe, Unterschiedlichkeit, Gleichwertigkeit und gegenseitiger Hilfe. Das Material versteht die Frau ausdrücklich als entsprechendes Gegenüber und beschreibt das Verhältnis zunächst als herrschaftsfreies Beziehungsgefüge. Anschliessend wird Genesis 3 als Gegenbild erschlossen. Die Lernenden können die vier Beziehungen erneut untersuchen und jeweils gegenüberstellen, wie sie vor und nach der Übertretung beschrieben werden. So werden aus Achtung Feindschaft, aus einem gelingenden menschlichen Miteinander Herrschaft und Mühsal, aus dem gestaltenden Verhältnis zur Erde beschwerliche Arbeit und aus der Gottesbeziehung Gegnerschaft. Für die Ergebnissicherung eignet sich eine Gegenüberstellung der beiden Kapitel mit den Kategorien gelingende Beziehung und gestörte Beziehung. Abschliessend können die Lernenden ihre ersten Einschätzungen erneut betrachten und Veränderungen ihrer Sichtweise formulieren. Für einen stärker persönlichen Zugang eignet sich die im Medium vorgeschlagene symbolische Übung, bei der gegensätzliche Erfahrungen in beide Hände genommen werden. Freie Gebetssätze können den Unterricht religiös abschliessen, sofern dies zur Lerngruppe und zum schulischen Kontext passt. Auf diese Weise verbindet das Medium sorgfältige Bibelarbeit mit sprachlichem Lernen, Symbolarbeit, anthropologischer Reflexion, ethischer Urteilsbildung und der Frage, was gelingendes menschliches Leben in Beziehungen ausmacht.