Denise Völlmer beschreibt in ihrem Artikel aus der Perspektive einer angehenden Religionspädagogin, wie eine Lehrkraft selbst ein Erklärvideo für eine Lerngruppe erstellen kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Erklärvideos ein beliebtes Mittel zur Vermittlung von Lerninhalten sind. Viele Religionslehrkräfte scheuen jedoch die eigene Produktion, weil sie mangelnde technische Kenntnisse, Unsicherheit und einen hohen Zeitaufwand befürchten. Die Autorin möchte diese Hemmungen abbauen und zeigen, dass die Erstellung eines Erklärvideos mit überschaubarem Aufwand möglich ist. Eigene Erfahrungen mit der Videoproduktion seien für Lehrkräfte zudem hilfreich, wenn später auch Lernende selbst Erklärvideos produzieren sollen. Die Lehrkraft könne sie dann kompetenter begleiten und ihre Leistungen besser einschätzen.
Zu Beginn der Vorbereitung empfiehlt die Autorin, sich mit Fachliteratur zum Thema Erklärvideos zu beschäftigen und verschiedene Beispiele im Internet anzuschauen. Danach muss die Zielgruppe bestimmt werden. Für ihr eigenes Video entscheidet sie sich für eine zweite Klasse. Gerade unter den Bedingungen der damaligen Pandemie sollte das Video sowohl im Präsenzunterricht als auch im Distanzunterricht einsetzbar sein. Entscheidend ist für die Autorin, die jeweilige Lerngruppe während der gesamten Planung im Blick zu behalten. Andernfalls bestehe die Gefahr, Inhalte an den Kindern vorbeizuerklären.
Für den Inhalt orientiert sich die Autorin an einem Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht der ersten bis dritten Jahrgangsstufe. Sie entscheidet sich für das Thema „Menschen bauen sich besondere Orte. Im Christentum die Kirche“. Das Thema ist im Rahmenlehrplan dem Bereich der Fragen nach Orientierung und Wegweisung zugeordnet. Bei der Planung muss zunächst entschieden werden, welche Inhalte für die Lerngruppe wesentlich sind und welche Kompetenzen erworben werden sollen. Die Autorin betont damit die Bedeutung der didaktischen Reduktion. Nicht alle Informationen zu einem Thema müssen in einem Erklärvideo vorkommen. Vielmehr müssen die wesentlichen Aspekte ausgewählt und verständlich aufbereitet werden.
Anschließend stellt die Autorin verschiedene Formen von Erklärvideos vor. Dazu gehören Bildschirmaufnahmen, Stop Motion Videos, Green Screen Videos und unterschiedliche Whiteboardformen. Sie selbst entscheidet sich für die analoge Legetricktechnik, da diese besonders einfach umzusetzen und deshalb für Anfängerinnen und Anfänger geeignet ist. Bei dieser Methode werden Zeichnungen verwendet und während der Aufnahme passend zum gesprochenen Text ins Bild gelegt oder wieder entfernt. Auf diese Weise wird der Lerngegenstand gleichzeitig sprachlich und bildlich vermittelt.
Für die Gestaltung formuliert die Autorin drei zentrale Grundsätze. Ein Erklärvideo sollte sich auf das Wesentliche beschränken und die Lernenden nicht mit zu vielen Reizen überfordern. Es muss außerdem nicht perfekt sein. Schließlich empfiehlt sie, Inhalte eher erzählerisch zu vermitteln, statt sie ausschließlich sachlich zu erklären. Für einen verständlichen Aufbau benötigt das Video einen Einstieg, eine Problemstellung und einen Abschluss. Diese Struktur wird zunächst in einem Storyboard festgehalten und anschließend in einem Drehbuch genauer ausgearbeitet. Dabei wird geplant, was gesagt wird, welche Bilder gezeigt werden und welches Material benötigt wird. Auch Fragen an die Lernenden können eingebaut werden, um diese aktiv einzubeziehen.
Erklärvideos sollten nach Auffassung der Autorin eher kurz sein. Viele Videos dauern ungefähr drei Minuten, wobei die geeignete Länge vom Thema und von der jeweiligen Zielgruppe abhängt. Für die eigentliche Produktion eines analogen Legetrickvideos werden Zeichnungen benötigt. Diese sollten einfach, eindeutig und gut erkennbar sein. Auch Texte sollten auf wenige gut lesbare Stichwörter begrenzt werden. Bei der Verwendung von Bildern aus dem Internet müssen Datenschutz und Urheberrecht berücksichtigt werden. Die Autorin empfiehlt deshalb lizenzfreie Bilder oder selbst angefertigte Zeichnungen.
Der technische Aufwand kann gering gehalten werden. Grundsätzlich reicht bereits ein Smartphone. Ein Headset kann die Tonqualität verbessern. Wichtig sind außerdem eine ruhige Umgebung, eine stabile Position der Kamera, ein geeigneter Hintergrund und ausreichendes Licht. Statt eines professionellen Stativs kann beispielsweise ein entsprechend vorbereiteter Pappkarton verwendet werden. Damit zeigt die Autorin, dass die Produktion eines Erklärvideos nicht von einer umfangreichen technischen Ausstattung abhängig ist.
Vor der endgültigen Aufnahme empfiehlt die Autorin eine Probeaufnahme. Dabei sollte überprüft werden, ob alle Bilder gut sichtbar und der gesprochene Text verständlich ist. Während der eigentlichen Aufnahme werden die vorbereiteten Bilder entsprechend dem Drehbuch ins Bild gelegt und wieder entfernt. Fehler beim Sprechen oder beim Einsatz der Bilder sind kein grundsätzliches Problem. Eine Szene kann erneut aufgenommen oder später mithilfe eines Videoschnittprogramms korrigiert werden.
Nach der Aufnahme kann das Video mit einem Schnittprogramm bearbeitet werden. Dabei lassen sich unter anderem Tonaufnahmen ersetzen, Aufnahmen kürzen und Effekte hinzufügen. Die Autorin verzichtet bewusst auf eine ausführliche Vorstellung einzelner Programme, da zahlreiche unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung stehen. Stattdessen ermutigt sie Lehrkräfte, die Programme selbst auszuprobieren und durch praktische Erfahrung Sicherheit im Umgang mit ihnen zu gewinnen.
Das fertige Erklärvideo kann schließlich direkt im Unterricht gezeigt oder auf geschützten Plattformen bereitgestellt werden, sodass Lernende darauf zugreifen können. Auf Seite 19 verdeutlicht ein konkretes Storyboard den gesamten Planungsprozess. Die Geschichte handelt von Lisa, die bei der Taufe ihres Cousins eine Kirche besucht. Dabei begegnet sie unter anderem einer Pfarrerin und lernt Altar, Bibel, Kreuz, Orgel, Taufbecken, Kanzel und Kirchenfenster kennen. Eine direkte Frage nach eigenen Erfahrungen in einer Kirche bezieht die Lernenden in das Video ein. Am Ende werden die Inhalte noch einmal zusammengeführt. Das Beispiel verdeutlicht, wie religiöse Lerninhalte durch eine einfache Geschichte, Bilder und Sprache altersgerecht vermittelt werden können.