Gert Pickel beschäftigt sich in seinem Fachartikel mit der Entwicklung von Religion und Religiosität in Deutschland und untersucht, welche gesellschaftlichen und politischen Folgen sich aus den Veränderungen religiöser Zugehörigkeit und persönlicher Glaubensüberzeugungen ergeben. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Feststellung, dass Religiosität als individuelle Ausprägung des Religiösen verstanden werden kann und ihre Verbreitung innerhalb einer Gesellschaft wichtige Hinweise auf die gesellschaftliche Bedeutung von Religion liefert. Die religiöse Orientierung der Bevölkerung beeinflusst zugleich die Stellung und Legitimation religiöser Gemeinschaften. Insbesondere die christlichen Kirchen sind langfristig darauf angewiesen, dass Menschen sich mit ihnen identifizieren, ihre religiösen Angebote wahrnehmen und sich aktiv am kirchlichen Leben beteiligen. Der Autor beschreibt die Entwicklung der Religiosität in Deutschland anhand von drei grundlegenden Prozessen, die miteinander verbunden sind, jedoch unterschiedliche gesellschaftliche Wirkungen entfalten: Säkularisierung, religiöse Pluralisierung und religiöse Individualisierung.
Zunächst zeichnet Pickel die Entwicklung der religiösen Zugehörigkeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach. Während die christlichen Kirchen unmittelbar nach 1945 zunächst wieder an gesellschaftlicher Bedeutung gewannen, setzte seit den späten 1960er Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Kirchenmitgliedschaften und der Teilnahme an gemeinschaftlichen religiösen Praktiken ein. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung am abnehmenden Gottesdienstbesuch und an der wachsenden Zahl konfessionsloser Menschen. Die Konfessionslosen bilden nach den im Artikel dargestellten Entwicklungen bereits die größte einzelne weltanschauliche Gruppe in Deutschland. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der deutschen Wiedervereinigung zu. In der ehemaligen DDR gehörten zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung etwa drei Viertel der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft an. Dadurch entstanden innerhalb Deutschlands zwei unterschiedliche religiöse Kulturen. Während in Westdeutschland weiterhin eine ausgeprägte Tradition kirchlicher Zugehörigkeit besteht, ist in Ostdeutschland eine weitgehend stabile Kultur der Konfessionslosigkeit entstanden. Diese Unterschiede betreffen nicht nur die formale Mitgliedschaft in Religionsgemeinschaften, sondern auch die religiöse Sozialisation, die persönliche Glaubensüberzeugung und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Religion.
Trotz des Rückgangs kirchlicher Bindungen betont Pickel, dass Religion in Deutschland keineswegs vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben verschwunden ist. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahr 2018 gehörten nach den von ihm herangezogenen Daten noch ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft an. Neben den evangelischen und katholischen Kirchen gewinnen andere religiöse Gemeinschaften, insbesondere muslimische und orthodoxe christliche Gemeinschaften, zunehmend an Bedeutung. Der Autor weist darauf hin, dass die gesellschaftliche Entwicklung nicht allein als Rückgang von Religion verstanden werden darf. Vielmehr verändert sich gleichzeitig die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung. Während traditionelle christliche Bindungen schwächer werden, entstehen neue Formen religiöser Vielfalt. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig als Rückkehr der Religionen bezeichnet, obwohl sie nicht zwangsläufig mit einer allgemeinen Zunahme persönlicher Religiosität verbunden ist.
Den stärksten Einfluss auf die religiöse Entwicklung Deutschlands schreibt Pickel der Säkularisierung zu. Darunter versteht er vor allem den fortschreitenden gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Religion. Dieser zeigt sich in der abnehmenden Kirchenmitgliedschaft, dem Rückgang religiöser Praxis und der geringeren Bedeutung religiöser Überzeugungen für die individuelle Lebensgestaltung. Der Autor unterscheidet dabei zwischen Säkularisierung als gesellschaftlichem Veränderungsprozess und Säkularität als einem Zustand, in dem Religion kaum noch gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Er macht deutlich, dass eine vollständige Verdrängung von Religion aus der Gesellschaft keineswegs zwangsläufig ist. Auch innerhalb der Säkularisierungstheorie wird diskutiert, ob religiöse Zugehörigkeit und Glaubenspraxis langfristig einen bestimmten unteren Schwellenwert erreichen, unter den sie nicht weiter absinken. Entsprechende Überlegungen werden insbesondere anhand der religiösen Situation in Ostdeutschland und der Tschechischen Republik diskutiert. Die im Artikel genannten möglichen Schwellenwerte von 15 bis 20 Prozent versteht Pickel jedoch nicht als gesicherte Erkenntnis.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterscheidung zwischen dem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Religion und ihrer weiterhin bestehenden kulturellen und sozialen Wirksamkeit. Obwohl sich viele Menschen eine deutlichere Trennung zwischen Religion und Politik wünschen, erwarten sie gleichzeitig, dass Kirchen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Nach den im Artikel dargestellten Untersuchungen lehnten etwa 75 Prozent der Befragten eine Einflussnahme religiöser Verantwortungsträger auf politische Entscheidungen oder Wahlkämpfe ab. Gleichzeitig sprach sich eine große Mehrheit für das soziale Engagement der Kirchen aus. Besonders in der Altenpflege, Krankenpflege, Kinderbetreuung und gemeinnützigen Arbeit bleiben religiöse Organisationen wichtige gesellschaftliche Akteure. Pickel zeigt damit, dass die Bevölkerung zwischen parteipolitischer Einflussnahme und gesellschaftlichem Engagement religiöser Gemeinschaften unterscheidet. Während direkte politische Interventionen häufig kritisch betrachtet werden, wird die soziale Verantwortung der Kirchen weiterhin positiv bewertet. Daraus ergibt sich eine veränderte gesellschaftliche Erwartung an religiöse Institutionen, deren Bedeutung zunehmend über ihren Beitrag zum Gemeinwohl wahrgenommen wird.
Im weiteren Verlauf untersucht Pickel die Ursachen der Säkularisierung. Er verweist auf umfassende Modernisierungsprozesse, die das Verhältnis der Menschen zu religiösen Traditionen verändern. Dazu gehören die zunehmende gesellschaftliche Differenzierung, die Rationalisierung des Denkens, die Urbanisierung und die wachsende räumliche und soziale Mobilität. Traditionelle religiöse Gemeinschaften verlieren dadurch ihre frühere Selbstverständlichkeit als feste Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Besonders bedeutsam ist nach Pickel der Rückgang religiöser Sozialisation. Während frühere Generationen häufig innerhalb religiös geprägter Familien und Gemeinschaften aufwuchsen, werden jüngere Menschen immer seltener mit religiösen Überzeugungen, Ritualen und Traditionen vertraut gemacht. Der Autor verweist darauf, dass unter jüngeren evangelischen Kirchenmitgliedern deutlich weniger Menschen religiös erzogen wurden als unter älteren Mitgliedern. Damit geht nicht nur die persönliche Bindung an die Kirche zurück, sondern auch das Wissen über religiöse Inhalte. Wenn religiöse Vorstellungen nicht mehr selbstverständlich innerhalb der Familie vermittelt werden, verlieren sie zunehmend ihre Bedeutung für die alltägliche Lebensgestaltung. Dieser Prozess verstärkt sich über mehrere Generationen hinweg.
Pickel betont, dass Religion in modernen Gesellschaften für die praktische Lebensbewältigung nicht mehr als notwendig angesehen wird. Menschen können ihren Alltag gestalten, beruflich erfolgreich sein, soziale Beziehungen pflegen und gesellschaftliche Anerkennung erfahren, ohne einer Religionsgemeinschaft anzugehören oder religiöse Überzeugungen zu vertreten. Diese gesellschaftliche Entwicklung erleichtert die Distanzierung von Religion, ohne dass damit zwangsläufig eine bewusste Ablehnung des Religiösen verbunden sein muss. Gerade unter jüngeren Menschen zeigt sich häufig eine Haltung religiöser Gleichgültigkeit. Religion wird nicht unbedingt bekämpft oder grundsätzlich infrage gestellt, sondern verliert schlicht an persönlicher Bedeutung. Gleichzeitig können einzelne religiöse oder spirituelle Elemente weiterhin als interessant oder hilfreich empfunden werden. Der Autor macht jedoch deutlich, dass solche individuellen Formen von Religiosität die traditionelle kirchliche Bindung nicht in größerem Umfang ersetzen.
Im Zusammenhang mit der religiösen Individualisierung beschreibt Pickel die zunehmende Freiheit des Einzelnen, persönliche Glaubensvorstellungen unabhängig von institutionellen Vorgaben zu entwickeln. Menschen können religiöse Überzeugungen aus unterschiedlichen Traditionen übernehmen, miteinander verbinden oder einzelne spirituelle Praktiken in ihr Leben integrieren. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von einer individuell zusammengestellten Religiosität, die häufig nur eine begrenzte Verbindlichkeit besitzt. Solche Glaubensformen sind flexibel, können sich im Verlauf des Lebens verändern und sind weniger stark in religiöse Gemeinschaften eingebunden. Ihre Weitergabe an nachfolgende Generationen ist deshalb häufig eingeschränkt. Pickel widerspricht damit der Vorstellung, dass die abnehmende Bedeutung der Kirchen automatisch durch eine umfassende Zunahme individueller Spiritualität ausgeglichen werde. Zwar entstehen neue persönliche Formen religiöser Orientierung, doch tragen diese nach seiner Einschätzung nicht dazu bei, den allgemeinen gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Religion aufzuhalten. Religiöse Individualisierung kann vielmehr langfristig selbst zur Säkularisierung beitragen.
Neben diesen Entwicklungen untersucht Pickel die zunehmende religiöse Pluralisierung in Deutschland. Diese wird insbesondere durch Migration, Globalisierung und internationale gesellschaftliche Verflechtungen beeinflusst. Durch die Zuwanderung von Menschen unterschiedlicher religiöser Herkunft verändert sich die Zusammensetzung der Bevölkerung. Besonders sichtbar wird dies am Wachstum muslimischer Gemeinschaften sowie orthodoxer christlicher Kirchen. Der Autor nennt für den damaligen Untersuchungszeitraum einen muslimischen Bevölkerungsanteil von ungefähr fünf bis sieben Prozent und einen Anteil orthodoxer Christen von mehr als zwei Prozent. Diese Veränderungen führen dazu, dass unterschiedliche religiöse Traditionen und Glaubenspraktiken im gesellschaftlichen Alltag stärker wahrgenommen werden. Zugleich differenzieren sich religiöse Gemeinschaften auch innerhalb ihrer eigenen Traditionen weiter aus. Die religiöse Landschaft wird damit vielfältiger und komplexer. Pickel betont allerdings, dass die Zunahme religiöser Vielfalt nicht mit einer allgemeinen Wiederbelebung religiösen Glaubens gleichgesetzt werden kann. Auch zugewanderte Religionsgemeinschaften können langfristig von gesellschaftlichen Säkularisierungsprozessen erfasst werden.
Eine besondere Herausforderung sieht der Autor in den gesellschaftlichen Konflikten, die mit zunehmender religiöser Vielfalt verbunden sind. Obwohl die individuelle Religiosität insgesamt zurückgeht, gewinnen religiöse Fragen in öffentlichen Debatten wieder an Bedeutung. Pickel verweist auf Auseinandersetzungen über das Tragen islamischer Kopftücher, die religiöse Beschneidung von Jungen, den Bau von Moscheen und die rechtliche Regelung der Sterbehilfe. In solchen Konflikten treffen unterschiedliche religiöse Überzeugungen, gesellschaftliche Wertvorstellungen und rechtliche Ansprüche aufeinander. Die Religionsfreiheit bildet zwar eine wesentliche Grundlage für den Umgang mit religiöser Vielfalt, kann jedoch nicht jeden gesellschaftlichen Interessenkonflikt unmittelbar auflösen. Vielmehr müssen unterschiedliche Grundrechte und gesellschaftliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden. Der Autor macht deutlich, dass die wachsende religiöse Vielfalt neue Anforderungen an demokratische Verständigungsprozesse und den Schutz religiöser Minderheiten stellt.
Im Mittelpunkt seiner politischen Analyse steht die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung im Umgang mit dem Islam. Pickel beschreibt eine Entwicklung, in der religiöse Zugehörigkeit verstärkt als Merkmal kultureller und gesellschaftlicher Identität wahrgenommen wird. Einerseits stehen Menschen, die religiöse Vielfalt als Ausdruck einer offenen und pluralistischen Gesellschaft betrachten und den Schutz individueller Freiheitsrechte sowie religiöser Minderheiten betonen. Andererseits treten gesellschaftliche Gruppen auf, die religiöse und kulturelle Unterschiede als Bedrohung einer vermeintlich einheitlichen nationalen Identität verstehen. Insbesondere die Debatten über muslimische Zuwanderung, Islamisierung und kulturelle Überfremdung verdeutlichen nach Pickel diese gesellschaftlichen Spannungen. Dabei wird der Islam in öffentlichen Diskussionen häufig mit gesellschaftlichen Konflikten oder terroristischer Gewalt in Verbindung gebracht. Der Autor zeigt, dass solche Wahrnehmungen nicht zwangsläufig auf persönlichen Erfahrungen beruhen, sondern auch durch mediale Darstellungen, gesellschaftliche Vorurteile und politische Auseinandersetzungen beeinflusst werden.
Pickel stellt einen Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Wahrnehmung religiöser Vielfalt und der politischen Unterstützung rechtspopulistischer Bewegungen her. Er verweist auf Untersuchungen, nach denen kulturelle Ablehnung und die Furcht vor gesellschaftlicher Veränderung für die Unterstützung entsprechender politischer Gruppierungen teilweise bedeutsamer sind als wirtschaftliche Unsicherheit. Die politische Auseinandersetzung mit religiöser Vielfalt wird dadurch zunehmend emotionalisiert. Religiöse Zugehörigkeiten dienen nicht mehr ausschließlich der persönlichen Glaubensorientierung, sondern werden zu Merkmalen gesellschaftlicher Abgrenzung. Der Autor beschreibt, wie Menschen anhand ihrer religiösen Identität bestimmten Gruppen zugeordnet und mit pauschalen Eigenschaften verbunden werden. Dies kann sowohl innerhalb religiöser Gemeinschaften als auch in ausdrücklich religionskritischen oder nichtreligiösen Milieus zu verstärkter Abgrenzung führen. Religiöse und weltanschauliche Identitäten können dadurch eine besondere politische Bedeutung erhalten, selbst wenn die persönliche Glaubenspraxis insgesamt abnimmt.
Ein weiterer wichtiger Gedanke des Artikels betrifft die Veränderung kollektiver religiöser Identitäten. Während die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft früher häufig durch Herkunft, Familie und gesellschaftliche Tradition bestimmt wurde, entwickelt sie sich zunehmend zu einer bewussten persönlichen Entscheidung. Gerade deshalb kann die religiöse Zugehörigkeit für einzelne Menschen eine besonders starke identitätsstiftende Bedeutung gewinnen. Religiöse Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Orientierung, Sicherheit und Zugehörigkeit vermitteln, gleichzeitig aber auch zur bewussten Abgrenzung gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen beitragen. Pickel weist darauf hin, dass solche Entwicklungen nicht auf eine bestimmte Religion beschränkt sind. Vergleichbare Mechanismen können in unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Gruppen auftreten. Entscheidend ist, ob religiöse Identität als Grundlage für Verständigung und gesellschaftliche Zusammenarbeit dient oder zur Ausgrenzung anderer Menschen genutzt wird.
In seinem Fazit kommt Pickel zu dem Ergebnis, dass sich die religiöse Landschaft Deutschlands grundlegend verändert hat und diese Veränderungen erhebliche gesellschaftliche und politische Auswirkungen besitzen. Dabei unterscheidet er zwischen den tatsächlichen Veränderungen religiöser Zugehörigkeit und ihrer subjektiven Wahrnehmung innerhalb der Bevölkerung. Während religiöse Pluralisierung in vielen Regionen Deutschlands nur allmählich sichtbar wird, können die damit verbundenen gesellschaftlichen Vorstellungen und Ängste bereits starke politische Reaktionen auslösen. Nicht allein die objektive religiöse Vielfalt, sondern insbesondere die Wahrnehmung kultureller Unterschiede beeinflusst somit die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Religion.
Der Autor macht deutlich, dass die zunehmende Vielfalt religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen bestehende gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten infrage stellt. Die traditionelle Vorrangstellung des Christentums verliert an Bedeutung, während unterschiedliche Religionsgemeinschaften und nichtreligiöse Gruppen ihre gesellschaftlichen Interessen und Rechte deutlicher artikulieren. Dadurch wächst die Notwendigkeit, unterschiedliche Positionen miteinander auszuhandeln und tragfähige gesellschaftliche Kompromisse zu entwickeln. Gleichzeitig erschwert die zunehmende Politisierung religiöser Identitäten solche Verständigungsprozesse, weil sich gesellschaftliche Gruppen stärker voneinander abgrenzen und ihre Positionen teilweise radikalisieren.
Abschließend betont Pickel, dass die häufig beschriebene Rückkehr der Religionen vor allem als Rückkehr religiöser Fragen in die öffentliche und politische Diskussion verstanden werden muss. Eine entsprechende allgemeine Zunahme persönlicher Religiosität lässt sich daraus nicht ableiten. Vielmehr schreitet die Säkularisierung trotz wachsender religiöser Vielfalt und intensiver gesellschaftlicher Debatten weiter voran. Deutschland entwickelt sich somit zu einer Gesellschaft, in der traditionelle kirchliche Bindungen schwächer werden, unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Lebensformen nebeneinander bestehen und religiöse Zugehörigkeiten zugleich an politischer Bedeutung gewinnen. Die zentrale Herausforderung besteht nach Pickel darin, unter diesen Bedingungen gesellschaftliche Verständigung und demokratische Kompromissfähigkeit zu ermöglichen. Für den Religionsunterricht bietet der Artikel damit eine wichtige Grundlage, um mit Lernenden den Wandel religiöser Lebensformen, die Bedeutung religiöser Sozialisation, den Umgang mit religiöser Vielfalt sowie das Verhältnis zwischen Glauben, gesellschaftlicher Identität und demokratischem Zusammenleben zu reflektieren.