Der Artikel beschreibt die Glastür „Zum Licht“ des Künstlers René Blättermann an der Kirche St. Lamberti in Münster. Türen gehören zum Alltag des Menschen. Sie schaffen Sicherheit und markieren Grenzen zwischen innen und außen. Gleichzeitig können sie verbinden und einen Übergang zu neuen Räumen eröffnen. Diese symbolische Bedeutung wird im religiösen Kontext besonders deutlich, weil Türen auch den Übergang zwischen profaner Welt und sakralem Raum markieren.
Die neue Glastür greift das Motiv der Wurzel Jesse auf, das sich bereits im Hochrelief über dem Portal der Kirche befindet. Sie wurde im Jahr 2022 eingeweiht und wirkt durch ihre intensive Farbigkeit und ihre besondere Gestaltung sehr einladend. Der Künstler nennt sein Werk „Zum Licht“. Damit greift er biblische Aussagen über das Licht auf, etwa aus den Psalmen und aus dem Johannesevangelium. Licht steht in der Bibel für Leben, Heil und die Gegenwart Gottes. Auch Jesus wird im christlichen Glauben als Licht der Welt bezeichnet.
Blättermann arbeitet mit einer besonderen Technik, bei der unterschiedliche Bildebenen digital miteinander kombiniert werden. Fotografien, Zeichnungen und gemalte Elemente werden übereinandergelegt und anschließend weiterbearbeitet. Diese Ebenentechnik eignet sich besonders für Glaskunst, weil sie Transparenz und Durchlässigkeit von Licht betont. Die praktische Umsetzung der Entwürfe erfolgte durch ein traditionsreiches Glasstudio.
Die Glastür zeigt ein stark leuchtendes Zentrum in Gelb, das nach außen in Orange und Rot übergeht. Diese Farben lenken den Blick des Betrachters immer wieder zurück zum Licht. Dadurch entsteht eine Bewegung des Sehens vom äußeren Rand zum Zentrum. Das Werk lädt dazu ein, über die religiöse Bedeutung des Lichts nachzudenken. Licht wird hier als Symbol für Gottes Gegenwart verstanden. Gleichzeitig kann der Betrachter eigene Deutungen entwickeln und persönliche Assoziationen herstellen.
Um das Lichtzentrum herum befinden sich zwölf symbolische Bildzeichen. Die Zahl zwölf hat in der Bibel eine besondere Bedeutung. Sie erinnert an die zwölf Stämme Israels und an die zwölf Jünger Jesu. Dadurch wird eine Verbindung zwischen jüdischer und christlicher Tradition hergestellt. Die Symbole sollen den Dialog zwischen beiden Religionen sichtbar machen.
Zu den Symbolen gehört unter anderem der Ölbaum, der auf die Wurzel Jesse verweist und damit auf die Herkunft Jesu aus der Tradition Israels. Auch die Menora wird angedeutet, der siebenarmige Leuchter des Judentums, der für göttliches Licht steht. Weitere Zeichen sind Tiere wie der Hirsch und der Vogel. Der Hirsch erinnert an einen Psalm, in dem die Sehnsucht des Menschen nach Gott mit dem Durst eines Hirsches verglichen wird. Der Vogel kann sowohl Freiheit als auch Rettung symbolisieren.
Ein weiteres Symbol ist ein Bündel des Lebens. Dieses Motiv stammt aus einer alttestamentlichen Erzählung über David und verweist auf die Hoffnung auf ewiges Leben. Auch auf jüdischen Grabsteinen findet sich dieser Ausdruck. Dadurch wird erneut die Verbindung zwischen jüdischer Tradition und christlichem Glauben sichtbar.
Der Artikel betont, dass die Glastür nicht nur ein Kunstwerk ist, sondern auch eine Einladung zum Nachdenken über Glauben und Bibel. Die Betrachtenden können die Symbole einfach wahrnehmen oder ihre biblischen Bedeutungen entdecken. So führt das Sehen der Bilder zum Nachdenken über biblische Texte und schließlich wieder zum Symbol des Lichts. Auf diese Weise entsteht ein Dialog zwischen Kunst, Bibel und Glauben.