Der Artikel macht deutlich, dass Frieden ein Grundthema christlicher Liturgie ist. In Gottesdiensten wird um Frieden gebetet, Frieden wird verkündet und als Hoffnung gefeiert. Dies geschieht in ganz unterschiedlichen Formen, etwa in Fürbitten, in besonderen Messfeiern für den Frieden, im Friedensgruß, in Mariengebeten oder bei Friedensgottesdiensten. Dass Frieden liturgisch so wichtig ist, hängt mit den Erfahrungen der Menschen zusammen, die ihr Leben mit all seiner Bedrohung, Gewalt und Unsicherheit in den Gottesdienst mitbringen. Liturgie bringt deshalb vor Gott nicht nur Dank und Lob, sondern auch Angst, Verletzung, Unfrieden und die Sehnsucht nach Versöhnung zur Sprache.
Der Autor beschreibt Gottesdienst als ein multimediales Geschehen. Frieden wird nicht nur in Worten ausgedrückt, sondern auch durch Klang, Körper und symbolische Handlungen. In Gebeten wird ausdrücklich um Frieden in der Welt gebeten. In Liedern wird Krieg beklagt und Hoffnung auf Frieden formuliert. Diese Gesänge stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und spiegeln unterschiedliche Erfahrungen von Krieg, Schutz, Hoffnung und göttlicher Hilfe wider. Wer solche Lieder singt, tritt in eine lange Tradition menschlichen Ringens um Versöhnung und Frieden ein.
Neben Sprache und Musik betont der Artikel die Bedeutung des Körpers. Besonders der Friedensgruß zeigt, dass Frieden nicht nur gedacht oder gesagt, sondern auch verkörpert wird. Das Reichen der Hand, eine Umarmung oder früher der Friedenskuss sind Zeichen von Eintracht, Gemeinschaft und Versöhnung. Solche Gesten sind nicht bloß äußerlich, sondern verpflichten die Beteiligten auf das, was sie ausdrücken. Als eindrückliches Beispiel nennt der Autor den Friedensgruß von Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki in Kreisau im Jahr 1989, der zu einem starken Zeichen deutsch polnischer Versöhnung wurde.
Ein weiteres Beispiel ist das Friedensgebet von Assisi. Hier wird sichtbar, dass verschiedene Religionsgemeinschaften gemeinsam ein Zeichen für den Frieden setzen können. Auch wenn jede Religion ihren eigenen Zugang zum Gebet behält, wird durch die Versammlung selbst der Wille zum Frieden öffentlich sichtbar. Die Gemeinschaft verkörpert durch ihre Anwesenheit, ihre Haltung und ihr Beten eine Friedenskultur. Solche Liturgien sind deshalb öffentlich anschlussfähig, weil sie unterschiedliche Perspektiven auf Frieden zulassen und damit Toleranz einüben.
Der Artikel zeigt außerdem, dass Frieden in der Liturgie verschiedene Bedeutungen hat. Im Friedensgruß der Eucharistie geht es besonders um Versöhnung innerhalb der Gemeinde, damit gemeinsames Gottesdienst feiern glaubwürdig möglich wird. Daneben richtet sich die Friedensbitte auch auf die ganze Welt. Im Eucharistiegebet Versöhnung wird Gott als derjenige gepriesen, der Versöhnung ermöglicht. Zugleich wird der Mensch nicht aus der Verantwortung entlassen. Gott eröffnet die Möglichkeit des Friedens, aber Menschen müssen handeln, miteinander sprechen, aufeinander zugehen, Vergebung wagen und Wege aus Hass und Rache suchen. Frieden ist daher sowohl Gabe Gottes als auch Aufgabe des Menschen.
Ein zentraler Gedanke des Artikels ist die eschatologische Hoffnung. Liturgie lebt von der Hoffnung auf den endgültigen Frieden Gottes, auf eine neue Welt der Versöhnung. Diese Hoffnung bleibt nicht nur auf das Ende der Zeiten bezogen, sondern fordert dazu auf, schon jetzt im Hier und Heute für Frieden einzutreten. Dadurch erhält Liturgie eine politische Dimension. Friedensgottesdienste sind nicht bloß fromme Handlungen, sondern rufen zu verantwortlichem Handeln in Gesellschaft und Kirche auf.
Der Autor fragt deshalb auch, warum Friedensgebete heute noch nötig sind. Er betont, dass liturgisches Beten politisches oder gesellschaftliches Handeln nicht ersetzt, sondern ergänzt und vertieft. Im Friedensgebet wird die Hoffnung auf Gottes Nähe in Situationen von Krieg und Not ausgesprochen. Zugleich werden die Feiernden selbst zu Zeichen dieser Hoffnung. Rituale kommunizieren Werte und verpflichten die Teilnehmenden auf diese Werte. Friedensgottesdienste enthalten deshalb immer auch eine Selbstverpflichtung.
In diesem Zusammenhang spricht der Artikel von der politischen Kraft der Liturgie. Friedensgottesdienste eröffnen symbolisch einen Raum, in dem eine andere, friedlichere Wirklichkeit sichtbar wird. Sie stellen gesellschaftliche Gewaltlogiken in Frage und machen Hoffnung auf andere Formen des Zusammenlebens stark. Darin liegt eine zivilisatorische Kraft. Zugleich verschweigt der Autor nicht die Ambivalenz von Liturgie. Religionsgemeinschaften konnten und können auch Gewalt fördern, etwa durch nationalistisch aufgeladenes Beten, kriegstreiberische Predigten oder Waffensegnungen. Liturgie ist also nicht automatisch friedlich. Gerade deshalb sind Friedensgottesdienste auch Formen kirchlicher Selbstdisziplinierung, weil sie die Kirche an ihren eigenen Friedensanspruch erinnern.
Am Ende betont der Artikel, dass Friedensliturgie nicht harmlos und nicht wirklichkeitsfern ist. Sie bittet nicht nur um Frieden, sondern fragt, klagt und protestiert auch angesichts des Unfriedens in der Welt. Darin steht sie in der Tradition der alttestamentlichen Klagepsalmen, in denen Menschen mit Gott ringen und ihren Schmerz vor ihn bringen. Friedensgottesdienste verlangen daher ein ernsthaftes Gottesverhältnis, das Hoffnung, Klage, Sehnsucht und Verantwortung zusammenhält. Genau darin liegt ihre theologische und spirituelle Qualität.