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Eulenfisch

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Renaissance(s)

Veröffentlichung:1.1.2025

Der Fachartikel „Renaissance(s)“ von Michael Hochschild ist nach dem vorliegenden Auszug im Heft Eulenfisch enthalten, nicht in ru heute. Der Text umfasst 4 Seiten. Der Beitrag fragt danach, woran sich heute überhaupt noch jung und alt unterscheiden lassen, und zeigt, dass diese Grenzen in der Gegenwart immer unschärfer werden. Am Beispiel der restaurierten Kathedrale Notre Dame, gesellschaftlicher Verjüngungstendenzen und politischer Zukunftsprojekte beschreibt der Autor eine Gegenwart, die von dauernder Erneuerung geprägt ist.

Theologische Probleme im engeren Sinn behandelt der Artikel nur am Rand. Er berührt jedoch indirekt Fragen nach dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, nach Zerstörung und Neuanfang, nach Hoffnung in Krisenzeiten sowie nach dem Erhalt einer lebenswerten Welt.

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Der Artikel setzt bei der Frage an, woran man heute jung und alt überhaupt noch erkennen kann. Der Autor macht deutlich, dass diese Unterscheidung in der Gegenwart nicht mehr so eindeutig ist wie früher. In vergangenen Zeiten schienen die Grenzen klarer zu sein, etwa durch rechtliche Regelungen, durch sichtbare Kriegserfahrungen älterer Menschen oder durch deutlich voneinander getrennte Lebenswelten. Heute jedoch verschwimmen diese Grenzen zunehmend.

Kritisch setzt sich der Text mit Jugendstudien auseinander, die in regelmäßigen Abständen immer neue Generationen benennen und damit den Eindruck erwecken, Jugend lasse sich eindeutig bestimmen. Der Autor hält diese Sicht für problematisch, weil sich Lebenswelten in einer von Kriegen, Klimawandel, Migration und Künstlicher Intelligenz geprägten Welt ständig verändern. Die Kategorien jung und alt erscheinen dadurch weniger stabil, als viele Untersuchungen unterstellen.

Anschließend weitet der Artikel den Blick auf Vergleiche aus dem Bereich des Nicht Menschlichen. Bei Tieren und technischen Objekten scheint die Unterscheidung zwischen jung und alt zunächst leichter. Doch auch dort zeigt sich, dass die Grenzen nicht völlig starr sind. Selbst die Definition eines Oldtimers hat sich im Lauf der Zeit verändert. Damit bereitet der Autor seine zentrale Beobachtung vor, dass auch kulturelle und gesellschaftliche Wirklichkeit heute von Prozessen der Verjüngung und Erneuerung geprägt ist.

Im Mittelpunkt steht dann die Kathedrale Notre Dame in Paris. Obwohl sie ein mittelalterliches Bauwerk ist, wirkt sie nach ihrer Wiedereröffnung im Dezember 2024 im Inneren fast neu. Außen erscheint sie weiterhin ehrwürdig und alt, innen aber frisch und gegenwärtig. Für den Autor wird Notre Dame deshalb zu einem Symbol einer Gegenwart, in der alt und jung nicht mehr klar zu trennen sind. Die Kathedrale verkörpert das Paradox, zugleich alt und jung zu sein.

Von dort aus geht der Text zu kulturellen Beobachtungen über. Schon Neil Postman hatte darauf hingewiesen, dass sich Kinder und Erwachsene immer ähnlicher werden. Wenn Kinder nur noch als kleine Erwachsene erscheinen, verliert Kindheit ihre Eigenständigkeit. Heute scheint sich diese Entwicklung noch einmal gewandelt zu haben. Nicht mehr nur Kinder nähern sich der Erwachsenenwelt an, sondern Erwachsene suchen ihrerseits das Kindliche in sich wiederzufinden. Bücher zur Selbstfindung, Schönheitsbehandlungen und Verjüngungspraktiken zeigen für den Autor, wie stark die Gegenwart auf Verjüngung ausgerichtet ist. Gleichzeitig wollen nicht nur Ältere jünger erscheinen, sondern auch Jüngere noch jünger wirken.

Der Artikel beschreibt außerdem, dass die äußere Erscheinung des Alters heute schwerer zu deuten ist als früher. Die gestiegene Lebenserwartung und die bessere Gesundheit vieler älterer Menschen tragen dazu bei, dass traditionelle Altersbilder nicht mehr greifen. Dadurch verändert sich auch die gesellschaftliche Wahrnehmung des Lebensalters.

Im weiteren Verlauf entwickelt der Autor seine zentrale These, dass wir in einer Zeit vieler Wiedergeburten leben. Er spricht von Renaissancen im Plural. Die Restaurierung von Notre Dame versteht er nicht nur als Einzelfall, sondern als Ausdruck einer umfassenderen Bewegung der Erneuerung. Diese Beobachtung verbindet er mit politischen Projekten des französischen Präsidenten Macron. Dessen entschlossener Wiederaufbau von Notre Dame wird für den Autor zu einem Modell, das auch bei anderen Vorhaben aufgegriffen wird, etwa beim Wiederaufbau nach der Zerstörung auf Mayotte, bei den Plänen zur Rettung des Louvre und sogar bei der Förderung von Künstlicher Intelligenz in Frankreich.

Damit zeigt der Artikel, dass das Prinzip der Wiederherstellung und Erneuerung nicht nur einzelne Gebäude betrifft, sondern ganze gesellschaftliche und politische Bereiche. Im Menschlichen wie im Nicht Menschlichen scheint sich alles auf eine neue Zukunft hin zu mobilisieren. Der Autor deutet dies als Zeichen einer allgemeinen Renaissance der Gegenwart.

Diese Entwicklung erklärt er sowohl negativ als auch positiv. Negativ betrachtet lebt die Gegenwart in einer Atmosphäre der Angst. Die Welt verändert sich rasant, Krisen häufen sich, Sicherheiten brechen weg und vieles wirkt bedroht. Positiv betrachtet entsteht gerade daraus ein starker Wille zur Erneuerung. Weil Zerstörung und Unsicherheit allgegenwärtig sind, wächst zugleich der Impuls, Welt, Leben und Zukunft neu zu gestalten.

Am Ende deutet der Autor die Rekonstruktion von Notre Dame deshalb nicht bloß als Wiederherstellung eines alten Zustands. Vielmehr versteht er sie als Zeichen des Widerstands gegen Zerstörung. Rekonstruktion bedeutet für ihn, der Zerstörung etwas entgegenzusetzen und eine lebenswerte Welt bewusst zu bewahren. Darin sieht er die eigentliche Bedeutung der vielen Renaissancen der Gegenwart.

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