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Erzbistum Köln

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Wir Kinder Abrahams?

Veröffentlichung:1.1.2023

Der Fachartikel ist in dem Heft "impulse" unter dem Titel „Wir Kinder Abrahams? Religionstheologische Neuaufbrüche“ mit vier Seiten enthalten.

Der Artikel zeigt, dass sich die Theologie der Religionen gegenwärtig stark verändert. Er wendet sich gegen vereinfachende und verzerrende Darstellungen anderer Religionen und plädiert für eine Form interreligiöser Theologie, die auf lebendigem Gespräch, gegenseitigem Verstehen und neuer Selbstreflexion beruht. Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem die Probleme von Wahrheit und Heilsverständnis, religiöser Identität, Zeugnis, interreligiösem Dialog, dem Verhältnis von Christentum, Judentum und Islam, dem Umgang mit Differenz, der Pneumatologie und der Frage nach dem Heil in anderen Religionen.

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Der Artikel setzt mit der Beobachtung ein, dass Religionen oft in einer vereinfachenden und wenig reflektierten Weise dargestellt werden. Christinnen und Christen empfinden es als unangemessen, wenn ihr Glaube auf primitive Formeln reduziert wird. Zugleich geschieht Ähnliches häufig im Blick auf andere Religionen, besonders auf den Islam, wenn einzelne Textstellen isoliert werden und daraus vorschnelle Urteile entstehen. Der Verfasser fordert deshalb eine theologische Haltung, die nicht bei vereinfachenden Außensichten stehen bleibt, sondern nach der tatsächlichen Glaubenspraxis, der Geschichte der Auslegung und den lebendigen Denkformen einer Religion fragt.

Von dort aus bestimmt der Artikel die Aufgabe einer erneuerten Theologie der Religionen neu. Sie soll erstens das wirkliche theologische Nachdenken anderer Religionen ernst nehmen. Sie soll zweitens als gemeinsames Denken von Menschen verschiedener Religionen verstanden werden. Sie soll drittens zu einem neuen Verständnis des eigenen Glaubens führen. Theologie der Religionen bedeutet dann nicht nur Vergleich fertiger Lehrsysteme, sondern eine interaktive theologische Begegnung. In dieser Begegnung lernen die Beteiligten den anderen Glauben besser kennen, entdecken Missverständnisse und gewinnen zugleich neue Einsichten über den eigenen Glauben. Der Artikel spricht daher von einem Paradigmenwechsel hin zu einer interaktiven Theologie der Religionen.

Ein zentrales Thema ist dabei das Zeugnis. Im interreligiösen Gespräch geht es nicht nur um die Wiederholung offizieller Lehrsätze, sondern um ein persönliches und zugleich verantwortliches Einstehen für den eigenen Glauben. Der Autor zeigt am Beispiel der christlich islamischen Begegnung, dass sich die Gesprächssituation verändert hat. Inzwischen gibt es mehr muslimische Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die auch akademisch und theologisch reflektiert sprechen können. Damit wird der Dialog ausgewogener. Zugleich stellt sich neu die Frage, wer in einer Religion eigentlich mit welcher Autorität spricht. Im Blick auf den Islam verweist der Artikel auf die Entstehung islamischer Theologie als akademisches Fach im deutschsprachigen Raum. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, dass auch muslimische Glaubende im Dialog ein reflektiertes Zeugnis ihres Glaubens ablegen können.

Der Artikel fragt dann genauer nach religiöser Identität. Er warnt vor Identitätsfallen, in denen Menschen zu starren und vereinfachenden Aussagen über den wahren Glauben gedrängt werden. Aus christlicher Sicht wird Identität nicht als feste Definition verstanden, sondern als Berufung. Der Mensch erfährt, wer er ist, in der Beziehung zu Christus und im Hören auf seinen Ruf. Christliche Identität ist deshalb kein starres Besitzdenken, sondern ein dynamischer Weg. Diese Sicht kann auch im Gespräch mit anderen Religionen hilfreich sein, weil sie Offenheit ermöglicht, ohne das Eigene aufzugeben. Die Begegnung mit Menschen anderen Glaubens kann so zu einem tieferen Interesse am eigenen Glauben führen. Zugleich warnt der Artikel vor zwei Fehlformen: vor einer Identität, die sich nur im Gegensatz zum anderen bestimmt, und vor einer falschen Harmonisierung, die alle Unterschiede verwischt.

Im weiteren Verlauf betrachtet der Artikel die Akzente der letzten Päpste in der Theologie der Religionen. Johannes Paul der Zweite wird als proaktiv beschrieben, weil er auch in Religionen und Kulturen ein Wirken des Heiligen Geistes erkennt. Benedikt der Sechzehnte wird stärker mit theologischer Prüfung und kontroverser Auseinandersetzung verbunden, wobei der Artikel zugleich festhält, dass auch er den interreligiösen Dialog ernst genommen hat. Papst Franziskus erscheint als Vertreter einer dialogischen Geschwisterlichkeit, die besonders durch sein Handeln und seine symbolischen Gesten sichtbar wird. Diese drei Akzentsetzungen machen deutlich, dass die katholische Theologie der Religionen nicht statisch ist, sondern sich weiterentwickelt.

Anschließend benennt der Artikel wichtige neue Entwicklungslinien. Er greift zunächst die Frage nach dem Heil auf. Dabei wird betont, dass christlicher Glaube Heil nicht nur als zukünftige Erlösung versteht, sondern auch als schon jetzt erfahrbare Befreiung zu Liebe und Hoffnung. Dann verteidigt der Verfasser die Bedeutung theologischer Vorbehalte gegen zu schnelle Harmonie im Religionsdialog. Interreligiöser Dialog soll nicht künstliche Einigkeit herstellen, sondern auch echte Differenzen benennen dürfen. Gerade darin kann er zu einem Lernfeld demokratischer Streitkultur werden. Der Artikel macht deutlich, dass Uneinigkeit nicht das Ende des Gesprächs bedeutet, sondern Teil eines gemeinsamen Ringens um Wahrheit sein kann.

Besonders kritisch beleuchtet der Text die Rede von den abrahamitischen Religionen. Zwar kann diese Formel hilfreich sein, weil Judentum, Christentum und Islam sich auf Abraham beziehen. Doch der Autor warnt davor, daraus vorschnell eine inhaltliche Gleichheit abzuleiten. Am Beispiel eines Koransure zeigt er, dass die Berufung auf Abraham auch vereinnahmend verstanden werden kann. Deshalb muss interreligiöse Theologie Unterschiede ernst nehmen und darf keine dogmatische Homogenität unterstellen. Der freiheitliche Rechtsstaat darf Religionen ohnehin nicht theologisch bewerten, sondern muss Religionsfreiheit und Gleichbehandlung sichern. Innerhalb dieses Rahmens können Religionen ihre Überzeugungen vertreten, miteinander streiten und gemeinsam Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

Insgesamt plädiert der Artikel für eine Theologie der Religionen, die differenziert, dialogisch und selbstkritisch arbeitet. Sie soll das Fremde ernst nehmen, das Eigene neu verstehen helfen und religiöse Unterschiede weder bekämpfen noch vorschnell einebnen. Damit wird interreligiöse Begegnung zu einem Ort theologischen Lernens und zu einem wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft.

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Interreligiöser Dialog

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