Der Artikel beschreibt, dass Christinnen und Christen heute in einer Gegenwart leben, die von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt ist. Diese Lage betrifft aber nicht nur den Glauben, sondern alle Menschen der Gegenwart. Der Autor nennt diese Situation die Postmoderne. Sie habe die Moderne abgelöst und mit ihr den Glauben an feste Ordnungen, eindeutige Wahrheiten und verlässliche gesellschaftliche Autoritäten erschüttert. Betroffen seien Kirche, Staat, Bildung, Kultur und auch das Selbstverständnis des Menschen. In dieser Situation seien die Zeiten unselbstverständlich geworden, weil das, was früher als selbstverständlich galt, heute nicht mehr trägt. Dazu gehört auch der christliche Glaube, der sein kulturelles Deutungsmonopol und seine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit verloren hat.
Der Autor betont jedoch, dass solche unselbstverständlichen Zeiten für den christlichen Glauben kein Ausnahmefall, sondern eher sein Normalfall sind. Der Glaube habe immer davon gelebt, dass Menschen Gott in ihrer konkreten Gegenwart erfahren und darauf frei antworten. Weder kirchliche Institutionen noch gesellschaftliche Gewohnheiten könnten diese persönliche Gotteserfahrung ersetzen. Deshalb müsse sich der Glaube heute neu in der Gegenwart bewähren. Ein entscheidender Ort dafür sei das GottFeiern. Im Feiern und besonders in der Liturgie könne die Wirklichkeit Gottes besonders dicht, gegenwärtig und existentiell erfahren werden. Deshalb sei es wichtig, diesen Zugang neu zu erschließen.
Im weiteren Verlauf kritisiert der Autor ein verkürztes Glaubensverständnis, das aus der Moderne stamme. Dieses missverstehe Glauben als ein System richtiger Sätze über Gott, ergänzt durch Moralvorschriften und religiöse Pflichten. Ein solches Bild erschwere heute die Weitergabe des Glaubens. Stattdessen versteht der Autor Glauben als personale Kompetenz, das eigene Leben und die Wirklichkeit im Horizont Gottes zu gestalten. Diese Glaubenskompetenz zeigt sich als liebender Umgang mit Differenz. Gemeint ist die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, wahrzunehmen und in Liebe zu gestalten. Das betrifft die Beziehung zu anderen Menschen, zur Umwelt, zu fremden Lebensentwürfen und auch zu sich selbst.
Diese Glaubenskompetenz gründet nach dem Autor in einer doppelten Erfahrung. Der Mensch erfährt seine Endlichkeit, Begrenztheit und Unsicherheit. Zugleich kann er sich von Gott unbedingt bejaht wissen. In dieser Spannung zwischen menschlicher Begrenzung und göttlicher Zusage entsteht Glaube. Der Autor beschreibt dies als Differenzkompetenz. Der Mensch erkennt die bleibende Unterschiedenheit zwischen Gott und Mensch und bringt zugleich seinen Gottesbezug in seine konkrete Lebenswirklichkeit ein. So zeigt sich Glaube nicht nur in Gedanken, sondern in gelebter Praxis, in Worten, Taten und leibhaftigem Handeln.
Von hier aus entwickelt der Artikel eine Deutung der Sakramente und der Liturgie. Die Feier der Sakramente soll Ausdruck dieser Glaubenskompetenz sein. Im GottFeiern werde Gottes Wirklichkeit in der Gegenwart erfahrbar und die Welt könne als Raum der Begegnung mit Gott verstanden werden. Dabei soll besonders das Heute ernst genommen werden. Gotteserfahrung ereigne sich nicht in einer bloßen Vertröstung auf ein Jenseits, sondern im Hier und Jetzt. Gerade deshalb müsse liturgisches Feiern den Erfahrungen der Gegenwart Raum geben, auch Unsicherheit, Zweifel, Vieldeutigkeit und Gottesferne. Die Gläubigen selbst sollen dabei als unvertretbare Subjekte des Feierns sichtbar werden.
Im nächsten Schritt begründet der Autor dieses Verständnis christologisch. Maßgeblich sei das Lebensganze Jesu Christi. In Jesus habe Gott sich selbst mitgeteilt und den Menschen Zugang zum Vater eröffnet. Jesu Leben sei Offenbarungsgeschehen. Dabei geschieht Offenbarung in Beziehungen, in Worten, Taten und Feiern. Der Autor unterscheidet drei Grundvollzüge im Leben Jesu: Lehre, Handeln und Feiern. Im Feiern vermittelt Jesus Gottesgemeinschaft, im Handeln Gotteserfahrung und in der Lehre Gotteserkenntnis. Daraus leiten sich auch die Grundvollzüge der Kirche und die Grundkompetenzen der Glaubenden ab.
Besondere Aufmerksamkeit richtet der Artikel auf die Bedeutung des Feierns im Leben Jesu. Genannt werden etwa die Hochzeit zu Kana, die Mahlgemeinschaften, das Abendmahl und die Emmausgeschichte. Diese Beispiele zeigen, dass Fest und Feier zentrale Ausdrucksformen der Nähe Gottes sind. Auch die Gleichnisse Jesu greifen häufig das Bild des Festmahls auf. Für den Autor ist das ein Hinweis darauf, dass im Feiern die Wirklichkeit Gottes besonders intensiv erfahrbar wird.
Anthropologisch erklärt der Artikel dies damit, dass gelingende Feste Erfahrungen von Fülle, Frieden und Freude ermöglichen. Im Fest wird die Erfahrung von Mangel, Begrenzung und Konkurrenz für einen Moment überschritten. So begegnen sich Endlichkeit und Fülle, Zeit und Ewigkeit, Immanenz und Transzendenz. Diese Erfahrung kann theologisch als Gotteserfahrung gedeutet werden. Gerade weil das Fest begrenzt ist, weckt es Hoffnung auf eine Zukunft in Fülle. Deshalb kommt dem GottFeiern eine zentrale Bedeutung für den Glauben in der Gegenwart zu.
Insgesamt versteht der Artikel den christlichen Glauben als eine personale und frei anzueignende Lebenskompetenz. Diese zeigt sich im liebenden Umgang mit der Wirklichkeit und findet im GottFeiern ihren verdichteten Ausdruck. Die postmoderne Gegenwart erscheint deshalb nicht nur als Krise, sondern als Gelegenheit, Glauben neu, bewusst und gegenwartsbezogen zu verstehen.