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Erzbistum Köln

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Katholisch glauben – katholisch leben

Vertiefung statt Abgrenzung

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Artikel ist im Heft "impulse" unter dem Titel „KATHOLISCH – EVANGELISCH – ORTHODOX“ erschienen. Der vorliegende Fachartikel umfasst vier Seiten. Julia Knop zeigt, dass katholisch ursprünglich keine konfessionelle Abgrenzung meint, sondern ein Grundmerkmal christlichen Glaubens bezeichnet. Der Artikel behandelt vor allem die theologischen Probleme, wie Katholizität zu verstehen ist, wie sich das Verhältnis von Einheit und Vielfalt bestimmen lässt, wie Kirche das Ganze des Glaubens bewahren kann und wie christlicher Glaube heute glaubwürdig als Lebensform gelebt werden kann.

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Der Artikel entfaltet die These, dass katholisch sein nicht zuerst eine konfessionelle Besonderheit der römisch katholischen Kirche ist, sondern zum Christsein insgesamt gehört. Ebenso wie evangelisch und orthodox verweist auch katholisch ursprünglich auf einen Grundzug des christlichen Glaubens. Im Glaubensbekenntnis erscheint die Kirche als eine heilige katholische und apostolische Kirche. Damit wird deutlich, dass Katholizität nicht einfach eine institutionelle Bezeichnung ist, sondern im Wirken des Heiligen Geistes gründet. Kirche ist dem Geist Gottes zugeordnet und entsteht dort, wo Menschen von diesem Geist gesammelt, versöhnt und zur Hoffnung befähigt werden.

Die Autorin erklärt dann verschiedene Bedeutungsebenen des Katholischen. Zunächst beschreibt sie eine anthropologische Ebene. Katholisch meint hier Ganzheit, Fülle und die Ausrichtung des Menschen auf das Ganze der Wirklichkeit. Der Mensch sucht Sinn, will das eigene Leben in einen größeren Zusammenhang einordnen und gibt sich letztlich nicht mit bloßen Teilaspekten zufrieden. Diese Offenheit auf das Ganze gehört grundlegend zum Menschsein.

Auf der christologischen Ebene wird diese allgemeine menschliche Sinnsuche im christlichen Glauben konkret. Gott offenbart sich nach christlicher Überzeugung in Jesus von Nazareth. Das Ganze der Wirklichkeit zeigt sich also nicht abstrakt, sondern in einer konkreten menschlichen Lebensgeschichte. In diesem Sinn sind katholisch und christlich nahezu gleichbedeutend. Jeder christliche Glaube ist katholisch, weil er bekennt, dass Gott in Jesus Christus endgültig auf den Menschen zugegangen ist.

Darauf aufbauend beschreibt der Artikel die soteriologische Ebene. Gott will das Heil aller Menschen. Deshalb ist die Botschaft Jesu nicht nur für eine bestimmte Gruppe bestimmt, sondern grundsätzlich universal. Die Kirche hat den Auftrag, diese Botschaft allen Menschen zugänglich zu machen. Dabei wird betont, dass Kirche kein Selbstzweck ist. Sie dient dazu, dass Menschen die Nähe Gottes erkennen und sich frei zu dieser Hoffnung verhalten können. Katholisch meint hier also die Ausrichtung auf alle Menschen und auf die Fülle des Heils.

Auf der ekklesiologischen Ebene wird Katholizität als Merkmal der Kirche erklärt. Katholisch ist, wer das ganze Evangelium annimmt und den Glauben in Gemeinschaft mit anderen lebt. Gegenformen dazu sind Auswahl und Spaltung. Problematisch wird Glaube dort, wo einzelne Elemente überbetont und verabsolutiert werden, sodass aus Glaube Ideologie wird. Ebenso problematisch ist ein beliebiges Auswahlchristentum, das nur noch einzelne passende Bestandteile übernimmt. Katholizität schützt also sowohl vor Verengung als auch vor Beliebigkeit. Sie erinnert daran, dass das eigentliche Subjekt des Glaubens nicht der einzelne Mensch allein ist, sondern das Wir der Kirche durch Zeiten, Orte und Kulturen hindurch.

Danach wendet sich der Text der konfessionellen Ebene zu. Obwohl katholisch ursprünglich keine Konfession bezeichnet, gibt es Christsein nie abstrakt, sondern immer nur in konkreten geschichtlichen Gestalten. Die römisch katholische Kirche versteht sich als konkrete geschichtliche Gestalt der Kirche Jesu Christi. In diesem Selbstverständnis spielen Institution, Amt, Sakramente und kirchliche Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Diese konkrete Gestalt ist nicht bloß äußerlich, sondern Ausdruck des Gedankens, dass Gottes Wirklichkeit im Sichtbaren und Geschichtlichen gegenwärtig werden kann.

Schließlich betont die Autorin die existenzielle Ebene. Katholisch glauben bedeutet, den Glauben nicht auf einzelne religiöse Bereiche zu beschränken, sondern als Lebensform zu verstehen. Christlicher Glaube soll im Alltag, in Beziehungen, im Beruf und im öffentlichen Leben sichtbar werden. Glaube wird dann nicht nur im Kirchenraum oder im Unterricht relevant, sondern prägt die gesamte Lebenshaltung. Katholizität zeigt sich daran, ob Menschen durch ihr Leben etwas von Hoffnung, Barmherzigkeit und Weite Gottes erfahrbar machen.

Am Ende richtet der Artikel den Blick auf die Gegenwart. Heute steht Katholizität unter dem Druck einer pluralen Gesellschaft, in der Glaube nur noch eine Option unter vielen ist. Gerade deshalb sieht die Autorin eine besondere Aufgabe des Katholischen darin, einen gemeinsamen Horizont des Menschlichen offenzuhalten. Katholizität kann dazu beitragen, Vielfalt in Gemeinschaft zu integrieren, ohne Unterschiede auszulöschen. Gesucht werden Christinnen und Christen, die auskunftsfähig, glaubwürdig und froh ihren Glauben leben und dadurch andere auf die Tiefe und Weite des christlichen Bekenntnisses aufmerksam machen.

Hessen

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