Der Artikel beginnt mit grundsätzlichen Überlegungen zur Kirchengeschichte. Die Geschichte der Kirche wird als Prozess beschrieben, in dem Gottes Gnade und menschliche Schwäche, ja sogar Schuld, zusammenwirken. Deshalb ist Kirchengeschichte keine stetige Aufwärtsentwicklung zu immer größerer Vollkommenheit. Vielmehr gleicht sie einer Fieberkurve mit Brüchen, Wendungen, Aufstiegen und Abstürzen. Kein geschichtlicher Zeitpunkt darf deshalb als endgültiger Abschluss kirchlicher Entwicklung verstanden werden. Weder theologische Höhepunkte noch Konzilien oder liturgische Formen markieren einen Endpunkt. Die Geschichte der Kirche bleibt offen bis zur Wiederkunft Christi.
Auf dieser Grundlage wendet sich der Autor einem besonders einschneidenden Umbruch in der Geschichte des Erzbistums Köln zwischen 1794 und 1825 zu. Zunächst schildert er die Verhältnisse im alten Erzbistum Köln. Die Verbindung von geistlichem Amt und weltlicher Herrschaft erwies sich als problematisch, weil die Erzbischöfe zugleich Reichsfürsten und Kurfürsten waren. Dadurch standen oft politische Interessen im Vordergrund und nicht das geistliche Amt. Zwar gab es auch heilige Erzbischöfe, doch viele verstanden sich eher als Landesherren als als Bischöfe. Reformen wie die Forderungen des Konzils von Trient nach Residenzpflicht und Visitation bewirkten in Köln nur wenig. Besonders unter den Wittelsbachern wurde deutlich, wie stark das Bischofsamt politisch und dynastisch bestimmt war.
Gleichzeitig war das Erzbistum Köln ein bedeutendes geistliches Zentrum. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften prägten das religiöse, kulturelle und soziale Leben. Benediktiner, Zisterzienser, Prämonstratenser, Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten und Ursulinen wirkten in Seelsorge, Bildung und Wissenschaft. Auch wenn die Kirche materiell reich war und enge Verbindungen zwischen Adel und Klerus bestanden, dienten kirchliche Vermögen nicht nur der Repräsentation, sondern auch sozialer Hilfe, Bildung und Unterstützung der Bevölkerung. Dennoch war die alte ständische Ordnung überholt und reformbedürftig.
Mit der Französischen Revolution und den napoleonischen Umwälzungen kam es dann zum tiefen Einschnitt. Flüchtlinge aus Frankreich suchten zunächst Schutz am Rhein, bald folgten französische Truppen. Der letzte Kurfürst und Erzbischof Max Franz floh 1794 aus Bonn. Verwaltung, Archive und kirchliche Schätze wurden verlagert. Auf dem linken Rheinufer wurden unter französischer Herrschaft Klöster und Stifte aufgehoben und ihr Besitz eingezogen. Der Kölner Dom wurde zweckentfremdet, Kunst und Kulturgüter wurden verschleppt oder verkauft. Nach dem Frieden von Lunéville und dem Konkordat Napoleons mit dem Papst kam das linksrheinische Gebiet an Frankreich und wurde kirchlich neu geordnet. Auch rechtsrheinisch setzte der Reichsdeputationshauptschluss die Säkularisation durch. Der Autor betont die gewaltigen Verluste, weist aber zugleich darauf hin, dass die Entmachtung der Kirche auch positive Wirkungen hatte. Innere Fehlerquellen verschwanden, das religiöse Leben im Volk erstarkte und die moralische Autorität von Bischöfen und Papst nahm zu.
Der eigentliche Neuaufbruch begann nach dem Wiener Kongress von 1815 unter preußischer Herrschaft. Preußen war ein evangelisch geprägter Staat und begegnete der katholischen Kirche mit Distanz. Die Regierung war zwar bereit, der Kirche eine neue Ordnung zu geben, verstand sie aber vor allem unter staatsnützlichen Gesichtspunkten. Geistliche sollten loyale und gebildete Bürger erziehen. Deshalb interessierte sich der Staat besonders für die Besetzung kirchlicher Schlüsselstellen und für die Kontrolle der Priesterausbildung. In den Verhandlungen mit Rom musste Preußen Zugeständnisse machen. Die Neuregelung führte unter anderem dazu, dass Domkapitel in Deutschland bis heute in eingeschränkter Form an der Bischofswahl beteiligt sind.
Für die Erneuerung des Erzbistums Köln war die Persönlichkeit des ersten neuen Erzbischofs Ferdinand August Graf Spiegel entscheidend. Er schuf unter schwierigen Bedingungen tragfähige Strukturen für das kirchliche Leben. Dazu gehörten Domkapitel, Generalvikariat, Priesterausbildung und Einfluss auf die theologische Fakultät in Bonn. Besonders wichtig war die Qualifizierung eines Klerus, der zahlenmäßig zwar ausreichend, für geordnete Seelsorge aber oft unzureichend ausgebildet war. Spiegel verpflichtete die Priester zu Predigt, Katechese und weiterer Bildung. Auch staatliche Vorgaben zur schulischen und universitären Ausbildung der Priester waren zwar Ausdruck staatlicher Einmischung, führten aber langfristig zu einer heilsamen Verbesserung der Ausbildung.
Ein weiterer entscheidender Faktor für das Wiederaufblühen kirchlichen Lebens war der feste Glaube der Bevölkerung. Die Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution hatten die breite katholische Bevölkerung nur begrenzt erreicht. Volksfrömmigkeit, Brauchtum und religiöser Jahreslauf blieben lebendig. Aus der materiellen Not der Kirche erwuchsen neue Eigeninitiativen in den Gemeinden. Besonders Frauenorden übernahmen Krankenpflege, Erziehung und soziale Aufgaben. Genannt werden etwa Franziska Schervier, Clara Fey und die Augustinerinnen Cellitinnen. So entstanden neue soziale und karitative Kräfte, lange bevor der moderne Staat diese Aufgaben selbst übernahm.
Gleichzeitig blieb das Verhältnis zwischen Kirche, Bevölkerung und preußischem Staat angespannt. Der Staat misstraute der katholischen Kirche im Westen und wollte ihren Einfluss begrenzen. Köln sollte zwar kirchliches Zentrum bleiben, politisch aber keine besondere Bedeutung erhalten. Auch im Alltag zeigte sich die Distanz zwischen rheinischer Bevölkerung und preußischer Obrigkeit. Der Autor schildert dies anschaulich am Umgang der Kölner mit den aus dem Osten versetzten Polizeibeamten, besonders im Karneval.
Am Ende zieht der Artikel eine theologische Deutung dieses Umbruchs. Die Erzbischöfe des neuen Erzbistums waren keine weltlichen Fürsten mehr, sondern geistliche Führungspersönlichkeiten. Der Klerus widmete sich stärker als früher der Seelsorge. Die Gläubigen trugen den Neuaufbau mit. Besonders die Frauenorden machten deutlich, dass die eigentliche Kraft der Kirche nicht im Besitz, sondern in geistlicher, sozialer und caritativer Wirksamkeit lag. So zeigt der historische Einschnitt, dass Gott auch durch Krisen, Verluste und tiefgreifende Veränderungen hindurch neue Wege für seine Kirche eröffnen kann.