Der Artikel geht von der paulinischen Segensformel aus dem Zweiten Korintherbrief aus und deutet sie als dichte Zusammenfassung des christlichen Glaubens an den dreieinen Gott. In ihr wird deutlich, dass der Heilige Geist nicht neben Gott und Christus steht, sondern die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen bezeichnet, in der die Glaubenden aus der Gnade Christi und der Liebe Gottes leben. Zugleich macht der Autor darauf aufmerksam, dass viele Christinnen und Christen heute nur schwer eine lebendige Beziehung zum Heiligen Geist gewinnen. Der Heilige Geist ist für viele unanschaulich geworden und erscheint nicht selten als ein Thema, nach dem man gar nicht mehr ernsthaft fragt.
Im ersten großen Schritt zeigt der Artikel, dass der Geist in der Bibel etwas ganz anderes bedeutet als in heutigen oft blassen Vorstellungen. Im Neuen Testament ist die Rede vom Geist zentral für die Verkündigung und das Selbstverständnis der ersten Gemeinden. Christlicher Glaube ist dort ohne die Gewissheit, den Geist empfangen zu haben, überhaupt nicht denkbar. Leben im Geist bedeutet neues Leben in Christus. Um diese biblische Dichte zu verstehen, blickt der Autor zunächst auf das Alte Testament. Dort ist der Geist Gottes die Kraft Gottes, die Leben schafft und erhält. Der Geist ist nicht nur für außergewöhnliche religiöse Erfahrungen zuständig, sondern grundsätzlich mit allem Leben verbunden. Gerade deshalb warnt der Artikel davor, den Heiligen Geist zu sehr auf Sakramente, kirchliches Amt oder besondere Frömmigkeitsformen zu verengen. Der Geist Gottes ist vielmehr überall dort am Werk, wo Gott schöpferisch und lebensfördernd handelt. Der Autor deutet an, dass hier auch eine Verbindung zu naturwissenschaftlichen Einsichten gesucht werden sollte, wenn der Glaube wirklich die erfahrbare Wirklichkeit betreffen will.
Im Alten Testament zeigt sich das Besondere des Geistes außerdem darin, dass er nicht nur kurzzeitig wirkt, sondern bleibend auf Menschen ruht und so die endgültige Heilszeit ankündigt. Für Israel war die Erfahrung schmerzlich, dass prophetische Geistkraft ausbleibend schien. Umso größer war die Hoffnung, dass Gottes Geist neu wirke. Darum war die Botschaft von Johannes dem Täufer und vor allem von Jesus so bedeutsam. Wenn Jesus sagt, dass der Geist Gottes auf ihm ruht und durch ihn das Reich Gottes nahekommt, dann ist damit gemeint, dass mit ihm die Heilszeit anbricht. Wenn der auferstandene Christus seinen Jüngern den Heiligen Geist verheißt oder gibt, dann bedeutet das nach dem Autor nichts weniger als die Gegenwart des endgültigen Heils.
Anschließend erläutert der Artikel, dass auch die Heidenchristen eigene Vorstellungen vom Geist mitbrachten. Im griechischen Denken war das pneuma eine höhere Wirklichkeit zwischen Gott und Welt, eine geistige Kraft, die den Menschen über das rein Materielle hinausheben konnte. Für gebildete Heiden musste die christliche Botschaft deshalb ebenso faszinierend gewesen sein wie für Juden, nur auf andere Weise. Hinzu kamen die Charismen, also besondere Geistesgaben, die in den paulinischen Gemeinden als Zeichen der Gegenwart des Geistes galten. Paulus wertet diese Gaben positiv, besteht aber darauf, dass sie geordnet sein und dem Aufbau der Gemeinde dienen müssen.
Von dort aus beschreibt der Artikel die heutige Situation. Das Wort Geist wirkt für viele Menschen unklar und fern. Klassische Katechismusantworten helfen oft nur begrenzt, weil sie zwar dogmatisch richtig sind, aber kaum eine konkrete Glaubensbeziehung eröffnen. Zugleich besteht die Gefahr, den Heiligen Geist wie einen dritten Gott neben Vater und Sohn zu denken. Moderne charismatische Bewegungen beanspruchen zwar häufig eine neue Geisterfahrung, doch der Autor begegnet solchen Ansprüchen mit Zurückhaltung. Er stellt nicht in Abrede, dass Menschen Geisterfahrungen machen können, betont aber, dass diese Erfahrungen nicht einfach überprüfbar sind und nicht das eigentliche Zentrum des Glaubens an den Heiligen Geist bilden.
Ein entscheidender Gedanke des Artikels ist deshalb, dass der Heilige Geist vor allem Glaubenswahrheit ist. Glauben richtet sich auf eine Wirklichkeit, die nicht unmittelbar gesehen oder vorgezeigt werden kann. Darum ist es kein Einwand gegen den Heiligen Geist, wenn er nicht einfach spürbar oder beweisbar ist. Dasselbe gilt auch für Gott, für die Auferstehung Jesu und für die Gegenwart Christi in der Kirche. Der Autor macht deutlich, dass der Mangel an unmittelbarer Erfahrung nicht gegen die Realität des Geistes spricht.
Für das rechte Verständnis des Geistes formuliert der Artikel dann eine Grundregel. Man soll nicht von der Person zum Wirken gehen, sondern vom Wirken zur Person. Das bedeutet, dass zuerst zu fragen ist, was der Geist tut. Erst danach lässt sich vorsichtig sagen, wer der Geist ist. In dieser Perspektive entfaltet der Artikel das Zeugnis des Neuen Testaments in mehreren Schritten. Jesus ist Träger des Geistes, und gerade deshalb ist er der Heilbringer. Der Geist wirkt die Auferweckung Jesu von den Toten. Für die Glaubenden ist der Geist die Gabe des Heils schlechthin, weil nur im Geist der Glaube an Jesus als Herrn möglich ist. Durch den Geist können Menschen Gott Vater nennen. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten ist Frucht des Geistes. Ebenso ist der Geist das Angeld der künftigen Erlösung und die Kraft, durch die die Kirche wächst, sich ausbreitet und neue Mitglieder durch die Taufe gewinnt.
Aus dieser Darstellung folgert der Autor, dass der Heilige Geist die Adresse des Dankes für alles ist, was das Heil des Menschen ausmacht. Wenn aber gefragt wird, warum man nicht einfach sagen könne, Gott oder Christus wirke all dies direkt, dann beginnt nach Ansicht des Artikels das eigentliche Geheimnis des Geistes. Das Neue Testament arbeitet auffallend oft mit dreigliedrigen Formeln über Vater, Sohn und Geist. Deshalb muss der Glaube an Gott so ausgesprochen werden, dass die Einheit Gottes gewahrt bleibt und zugleich Vater, Sohn und Geist ernst genommen werden. Dieses Geheimnis lässt sich nicht vollständig begrifflich auflösen.
Der Artikel nennt dafür zwei wichtige Gründe. Erstens macht die Rede vom Geist deutlich, dass Jesus Christus nicht einfach eine vergangene historische Gestalt oder ein großer Lehrer unter anderen ist. Durch den Geist bleibt seine Gegenwart lebendig und wirksam. Zweitens zeigt die Rede vom Geist, dass Gott noch geheimnisvoller ist, als Menschen es fassen können. Gott ist keine verschlossene Einheit, sondern lebendige Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist. Der Sohn ist in Jesus Christus erschienen, und der Geist macht das Heil bleibend gegenwärtig.
Zum Schluss plädiert der Artikel für eine theologisch bescheidene Haltung. Trinitätslehre und Lehre vom Heiligen Geist bleiben immer auch negative Theologie. Sie sprechen von etwas, das nie ganz begriffen werden kann. Für die gläubige Praxis bedeutet das erstens, dass der Glaube an den Heiligen Geist daran erinnert, das Geheimnis Gottes nicht auf menschliche Vorstellungen zu reduzieren. Zweitens bedeutet es, dass Christinnen und Christen alles Heil und alles Gelingen ihres Glaubenslebens dem Geist verdanken und nicht sich selbst. Drittens zeigt sich der Geist nicht zuerst im Außergewöhnlichen, sondern in Liebe, Hoffnung, Glauben und im alltäglichen Christsein. Wer nach dem Geist fragt, soll daher nicht vor allem spektakuläre Erfahrungen suchen, sondern beten. Das eigentliche Gebet zum Heiligen Geist lautet darum nicht zuerst die Bitte um einzelne Gaben, sondern die Anrufung: Heiliger Geist, komm. So wird der Geist als Kraft des Glaubens, als Gewissheit der Hoffnung, als Macht der Liebe und als Freude der Kinder Gottes verstanden.