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der platonischen Staatslehre zunächst die Lehre von der UnsterbVon der Apokalyptik zur Apokalypse

Veröffentlichung:1.2.2021

Der Artikel ist im Heft ru heute 02 2021 unter dem Titel „“ enthalten und umfasst 4 Seiten, Seiten 11 bis 14. Stefan Beyerle zeigt, wie moderne apokalyptische Stimmungen meist nur Katastrophenbilder ohne Hoffnung auf eine neue Welt erzeugen und damit von der antiken Apokalyptik abweichen. Als zentrale theologische Probleme behandelt der Beitrag vor allem die Theodizee Problematik, also die Frage nach Gottes Gerechtigkeit angesichts von Leid, Gewalt und dem scheinbaren Sieg des Bösen, außerdem die Fragen nach Gericht, Vergeltung, Unsterblichkeit, Jenseitshoffnung und danach, ob Gerechtigkeit innerweltlich möglich ist oder nur durch eine von Gott bewirkte Transformation.

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Der Artikel beschreibt zunächst, dass der Begriff Apokalypse in der Gegenwart wieder stark präsent ist, vor allem in Zeitenwenden und in universalen Krisen wie Pandemien, Naturkatastrophen, Finanzkrisen und Klimawandel. Diese apokalyptischen Stimmungen richten sich heute meist auf die Vorstellung der Katastrophe und auf dystopische Zukunftsbilder, nicht aber auf das unvermeidliche Ende der Menschheit. Oft entsteht dabei eine verkürzte Form, die man als kupierte Apokalypse beschreiben kann, weil der zweite Teil der klassischen Apokalyptik fehlt, nämlich die Sinngebung durch eine neue vollkommene Welt. Zwar werden moderne Katastrophenszenarien häufig als apokalyptisch bezeichnet, doch bleiben sie in der Regel innerweltlich, weil politische und gesellschaftliche Strategien zur Krisenbewältigung im Vordergrund stehen. Der Autor betont außerdem, dass apokalyptische Motive und eine entsprechende Weltsicht nicht nur in jüdischen oder christlichen Texten vorkommen, sondern auch in anderen antiken Traditionen.

Im zweiten Abschnitt verfolgt der Beitrag apokalyptische Motive und zeigt, dass bestimmte Grundelemente wie Jenseits, Gericht und Vergeltung schon in der Antike vorkommen, ohne dass dort zwingend ein Katastrophenszenario im Zentrum steht. Als Beispiel dient der Mythos von Er in Platons Politeia. Dort wird eine Jenseitsreise geschildert, in der Richter zwischen Gerechten und Ungerechten unterscheiden und die Seelen entsprechend auf unterschiedliche Wege geführt werden. Diese Motive sind apokalyptisch, weil sie eine transzendente Gerichtsperspektive eröffnen und die Frage nach Gerechtigkeit aus dem Hier und Jetzt in eine jenseitige Ordnung verlagern. Damit wird die Theodizee Problematik berührt, weil die Vergeltung für gerechtes oder ungerechtes Handeln nicht unbedingt im gegenwärtigen Leben sichtbar ist. Ein weiteres Beispiel bietet die Weisheit Salomos, die ebenfalls von Unsterblichkeit spricht und dabei betont, dass die Seelen der Gerechten in Gottes Hand sind, selbst wenn sie aus menschlicher Sicht leiden oder sterben. Hier wird die Theodizee Problematik dadurch bearbeitet, dass der Tod doppelt verstanden wird, als physischer Tod für alle und als endgültiger Tod nur für die Ungerechten. Insgesamt zeigen diese Beispiele eine ethische Unterscheidung zwischen Gerechten und Ungerechten und die Hoffnung auf jenseitige Gerechtigkeit, aber noch nicht die vollständige Form der literarischen Apokalypse mit einer umfassenden Offenbarungserzählung, endzeitlichen Geheimnissen und einem durch Gott determinierten Geschichtsschema.

Im dritten Abschnitt wendet sich der Artikel Apokalypsen als literarischen Quellen im antiken Judentum zu und beschreibt mehrere Entstehungsphasen. In einer frühen Phase um 200 vor Christus werden Teile des Wächterbuches und des Astronomischen Buches im äthiopischen Henochbuch genannt. In der Zeit der syrischen Religionskrise unter Antiochos dem Vierten entstehen die apokalyptischen Teile des Danielbuches, das die einzige literarische Apokalypse im Alten Testament darstellt. In einer späteren Phase um 100 nach Christus entstehen unter anderem das vierte Esrabuch und die syrische Baruchapokalypse. Am Beispiel des Wächterbuches zeigt der Autor, wie eine Offenbarungserzählung mit kosmischer Dimension gestaltet wird. Henoch wird als entrückter Offenbarungsempfänger dargestellt, der in himmlischen Zusammenhängen Einsicht erhält. Der Text erzählt, wie Wächter die Grenze zwischen Himmel und Erde überschreiten, Chaos und Gewalt in die Welt bringen und dadurch das Problem von Unrecht und Leid zuspitzen. Das göttliche Gericht über diese Mächte wird angekündigt, wodurch die Frage nach Gottes Gerechtigkeit in der Geschichte aufgegriffen wird und Henoch im Unterschied zu anderen Traditionen als Vermittler göttlicher Offenbarung erscheint.

Als nächstes wird das Danielbuch in seinem historischen Kontext erläutert. Der Konflikt um Antiochos den Vierten, der in Jerusalem massiv in den Tempelkult eingriff, wird in Daniel in Visionen symbolisch gedeutet. Antiochos erscheint als kleines Horn, und die Entweihung des Tempels wird als Gräuel der Verwüstung beschrieben. Die Ereignisse werden in ein Geschichtsbild eingebunden, das den Verlauf der Weltreiche als Verfallsgeschichte deutet und am Ende das Königreich Gottes erwartet. Besonders wichtig ist die Vision von der Auferweckung der Toten, in der verschiedene Gruppen unterschieden werden. Einige erwachen zum ewigen Leben, andere zur ewigen Schmach. Hervorgehoben werden die Verständigen, die als Trägerkreis verstanden werden können und eine besondere Form der Unsterblichkeit erhalten. Damit wird die Theodizee Problematik erneut aufgenommen, denn der Text sucht eine Antwort auf die Frage, wie gerechtes Handeln und Leiden im Angesicht politischer Gewalt sinnvoll gedeutet werden können, wenn die sichtbare Welt die Gerechtigkeit nicht bestätigt.

Schließlich behandelt der Artikel das vierte Esrabuch im Kontext römischer Unterdrückung nach der Tempelzerstörung. In sieben Visionen wird die Spannung zwischen menschlicher Schuld, dem Bösen im Menschen und Gottes Gerechtigkeit entfaltet. In Dialogen mit dem Engel Uriel wird zugespitzt gefragt, warum Gott den Menschen mit einem bösen Trieb geschaffen habe und warum Gott sein Volk trotz Tora Treue den Feinden ausliefere. Zentral ist die Vision einer trauernden Frau, die sich in eine befestigte himmlische Stadt verwandelt. Jerusalem und Zion erscheinen darin als Mutter, und die Vision markiert den Umschlagpunkt der Hoffnung, weil nur Gott selbst Strafgericht und Zerstörung in eine neue Wirklichkeit verwandeln kann. Zugleich wird das Endgericht in sehr strenger Form beschrieben, in dem Erbarmen verschwindet und allein Gottes Wahrheit und Gericht bestehen. Die Konsequenz lautet, dass die Konflikte um Gerechtigkeit und Leid nicht mehr innerweltlich lösbar sind, sondern eine von Gott bewirkte Transformation in jenseitige Sphären erfordern, die literarisch durch Visionen und Metaphern vermittelt wird.

Im Ergebnis erklärt der Autor, dass der moderne Sprachgebrauch von Apokalypse meist universale Krisen und Katastrophen meint und damit eine gewisse Plausibilität besitzt, aber zugleich stark unterbestimmt bleibt. Er warnt zudem vor der Politisierung apokalyptischer Rhetorik und ihren Missbrauchsgefahren. Der Blick auf antike Quellen zeigt, dass apokalyptische Motive häufig dazu dienen, die Theodizee Problematik zu verhandeln oder göttliche Offenbarung als Weg zu einer jenseitigen Transformation zu betonen. Diese Transformation bleibt dabei entweder mit kosmischen Reisen oder mit einem geschichtlich determinierten Deutungsrahmen verbunden.

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