Der Artikel beschreibt zunächst die geistige Situation der Gegenwart als eine Zeit, in der Gott vielen Menschen verloren gegangen zu sein scheint. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die moderne Gesellschaft weithin ohne Gott lebt, obwohl zugleich ein neues Fragen nach Sinn, Geist und Religion erkennbar bleibt. Der Verfasser verweist auf Stimmen aus Philosophie, Theologie und Naturwissenschaft, die einerseits den Verlust Gottes diagnostizieren, andererseits aber auch eine neue Offenheit für die Gottesfrage feststellen. Vor diesem Hintergrund fragt der Artikel, wie heute noch von Gott gesprochen werden kann. Dabei genügt weder bloße Klage noch eine versteckte religiöse Rede. Stattdessen muss von Gott im Modus des Zeugnisses gesprochen werden, also durch glaubwürdige Rede und gelebte Nachfolge Jesu.
Im ersten inhaltlichen Schritt greift der Text Friedrich Nietzsche auf. Dessen Rede vom Tod Gottes wird nicht nur als religionskritische Provokation verstanden, sondern als Hinweis auf eine tiefgreifende Krise des Menschen. Wenn Gott verloren geht, dann verliert nicht nur die Religion ihren Mittelpunkt, sondern auch die Welt ihren letzten Sinn und der Mensch seine tiefste Orientierung. Das Bild von der Erde, die von der Sonne losgekettet wird, steht für den Verlust von Ordnung, Maß und Halt. Der Artikel zeigt, dass Nietzsche damit nicht einfach Gleichgültigkeit beschreibt, sondern die dramatische Bedeutung des Gottesverlustes. Zugleich setzt sich der Verfasser kritisch von Nietzsches Annahme ab, Gott sei nur eine Projektion menschlicher Bedürftigkeit. Demgegenüber betont er, dass Glaube nicht aus Mangel entsteht, sondern aus der Begegnung mit der Fülle Gottes. Gott ist nicht nützlich im funktionalen Sinn, sondern der Grund unbedingter Liebe, auf die sich der Mensch mit seinem ganzen Herzen verlassen darf.
Darauf aufbauend fragt der Artikel, ob und wie Gott überhaupt gedacht und verantwortbar geglaubt werden kann. Gott ist kein Gegenstand innerhalb der Welt und daher auch nicht wie ein endliches Ding erkennbar. Dennoch ist Gott dem Denken und der Erfahrung nicht völlig entzogen. Der Text erläutert, dass der Gottesgedanke seit jeher mit der Einsicht verbunden ist, dass Welt und Mensch endlich, vergänglich und kontingent sind. Gerade diese Kontingenz verweist über sich hinaus auf einen absoluten Grund. Der Verfasser hält daran fest, dass die Endlichkeit der Welt nicht als Mangel verstanden werden muss, sondern als bejahte und gewollte Wirklichkeit. Deshalb führt die Frage nach Gott nicht zu einer Konkurrenz zwischen Gott und Welt, sondern zur Frage, warum es überhaupt Welt und Mensch gibt und worin der letzte Sinn des Ganzen liegt. Gott erscheint so als der transzendente Grund, auf den Welt und Mensch verwiesen bleiben.
Im nächsten Schritt wendet sich der Artikel dem christlichen Verständnis Gottes zu. Für den christlichen Glauben wird Gott nicht nur abstrakt als absolutes Geheimnis gedacht, sondern konkret in Jesus Christus erkannt. In Jesus zeigt sich, wer Gott ist und wie Gott handelt. Seine Botschaft vom Reich Gottes und sein heilendes, den Menschen zugewandtes Handeln offenbaren die Menschlichkeit Gottes. Die Menschwerdung Gottes bedeutet das endgültige Ja Gottes zum Menschen. Dabei bleibt Gott jedoch zugleich Geheimnis. Auch in der Offenbarung wird Gott nicht vollständig durchschaubar. Der Artikel betont deshalb die bleibende Verborgenheit Gottes. Diese Verborgenheit ist nicht nur Ausdruck menschlicher Begrenzung, sondern gehört positiv zu Gottes Wesen, weil Gottes Fülle alle menschlichen Vorstellungen übersteigt. Gott ist heiliges Geheimnis, das den Menschen trägt, ohne ganz verfügbar zu werden. Der Glaube besteht daher nicht darin, letzte Erklärungen zu besitzen, sondern sich diesem Geheimnis vertrauensvoll zu überlassen.
Im letzten Teil fragt der Verfasser nach der Wahrheit des Gottes Jesu Christi im Verhältnis zu den vielen Religionen. Dabei grenzt er das christliche Gottesverständnis von anderen Vorstellungen des Absoluten ab. Entscheidend ist für ihn, dass der christliche Glaube Gottes freie und bleibende Zuwendung zum Menschen bekennt. Das Endliche ist nicht bloß Schein, Makel oder ein aufzuhebender Teil des Absoluten, sondern positiv gewollt. In Jesus Christus hat Gott sich nach christlichem Verständnis in einzigartiger und unwiederholbarer Weise selbst mitgeteilt. Daraus folgt, dass diese Selbstmitteilung nicht in gleicher Weise mehrfach geschehen kann. Jesus Christus ist daher für den christlichen Glauben das unverwechselbare Antlitz Gottes in der Geschichte. Diese Aussage soll nicht zur Überheblichkeit führen, sondern als Annahme eines göttlichen Geschenks verstanden werden.
Zugleich betont der Artikel, dass derselbe Gott, der sich in Jesus Christus offenbart, der Gott aller Menschen und der ganzen Welt ist. Deshalb schließt die Einzigkeit Jesu Christi Gottes Zuwendung zu anderen Menschen und Religionen nicht aus. Religionen können Wege zu Gott sein, auch wenn sie aus christlicher Sicht nicht einfach gleichwertig oder inhaltsgleich sind. Das Christentum hält daran fest, dass Gott verborgen bleibt, bekennt aber zugleich, dass dieses heilige Geheimnis in Jesus von Nazaret ein bestimmtes menschliches Gesicht und einen konkreten Namen erhalten hat. Damit verbindet der Artikel die Anerkennung religiöser Vielfalt mit dem Anspruch des christlichen Glaubens auf die besondere Wahrheit des Christusereignisses.