Der Artikel erklärt die Johannesoffenbarung als ein besonderes Buch des Neuen Testaments, das apokalyptische Prophetie mit Briefform verbindet. In den Rahmenteilen ist sie wie ein Brief gestaltet, mit einer Einleitung, die an paulinische Briefe erinnert, und einem Schlussgruß. Zugleich steht sie nicht isoliert im Neuen Testament, weil es viele Berührungen mit anderen Schriften gibt, etwa mit der Endzeitrede Jesu in den Synoptikern, mit Motiven des Johannesevangeliums wie Lamm und Logos und mit paulinischer Erlösungslehre. Der Verfasser nennt sich im Buch mehrfach Johannes und tritt nicht anonym oder unter einem fremden Namen auf. Er verzichtet auf eine genaue Selbsteinordnung durch kirchliche Amtsbezeichnungen und präsentiert sich als Knecht, Bruder und Mitgenosse der Gemeinden. Seine Autorität leitet er nicht aus einem Amt ab, sondern aus der Beauftragung durch den erhöhten Christus, dessen Wort er weitergibt. Die alte kirchliche Gleichsetzung mit dem Apostel Johannes wird historisch als kaum haltbar beschrieben. Wahrscheinlicher ist, dass Johannes als Wanderprophet oder als einflussreiche Gestalt eines prophetischen Kreises längere Zeit in den genannten Gemeinden Kleinasiens wirkte und judenchristliche Wurzeln im syrisch palästinischen Raum hatte.
Der Artikel ordnet die Entstehung der Schrift in die Zeit um 90 bis 95 nach Christus ein, also gegen Ende der Regierungszeit Domitians. Johannes befindet sich zur Zeit des Offenbarungsempfangs auf der Insel Patmos. Er erklärt seinen Aufenthalt mit dem Wort Gottes und dem Zeugnis Jesu, also mit dem Festhalten an der christlichen Botschaft im Gegensatz zum römischen Götter und Kaiserkult. Es wird als wahrscheinlich dargestellt, dass er nicht freiwillig dort ist, sondern aufgrund einer religionspolitischen Maßnahme verbannt wurde. Zugleich wird betont, dass dies nicht unbedingt eine reichsweite systematische Christenverfolgung voraussetzt. Vielmehr wird eine lokale Situation geschildert, in der in kleinasiatischen Städten gesellschaftlicher Druck, Ausgrenzung, Diskriminierung und auch strafrechtliche Schritte durch Vertreter des öffentlichen Kultes und regionale Akteure entstanden. Am Herrentag, also an einem Sonntag, erlebt Johannes Visionen, die er als Sehen beschreibt. Er nimmt himmlische Stimmen, gewaltige Bilder und kosmische Szenen wahr. Der Artikel warnt davor, diese Erfahrungen historisch rekonstruieren zu wollen, weil die Sprache und Bildwelt stark von alttestamentlichen Prophetentexten geprägt sind, besonders von Daniel, Ezechiel und Jesaja. Dennoch wird festgehalten, dass in der Offenbarung ein Moment existenzieller Einsicht in himmlische Wirklichkeit erkennbar ist, das als theologische Sinnerschließung verstanden werden kann.
Ein Schwerpunkt des Artikels ist der Aufbau der Offenbarung. Der Schreibauftrag an Johannes, aufzuschreiben, was er gesehen hat, was ist und was danach geschehen wird, wird als wichtiger Hinweis auf die Komposition betrachtet. Das Werk beginnt mit einem programmatischen Vorwort und einer briefartigen Einleitung. Danach folgt die Beauftragung des Sehers durch eine Christusvision, aus der die sieben Sendschreiben an die Gemeinden hervorgehen. Diese Schreiben beziehen die Offenbarung auf die konkrete Lage der jeweiligen Gemeinde und verbinden Vision und Alltag. Der apokalyptische Hauptteil setzt dann mit einer Vision des himmlischen Thronsaals ein. Theologische Mitte ist die Szene mit Gott auf dem Thron und dem Lamm, weil von dort her die folgenden Ereignisse ihren Ursprung erhalten. Das Lamm erhält das Buch mit sieben Siegeln und eröffnet dadurch den Ablauf der Visionen. Der Artikel beschreibt als grobes Ordnungsprinzip drei große Reihen mit je sieben Szenen, die sich steigern und ineinander verschachteln, nämlich Siegel, Posaunen und Schalen. Dramatische Zuspitzungen werden durch den Kampf zwischen der Frau und dem Drachen, durch die beiden Tiere, durch den Sturz Babylons und durch das endzeitliche Gericht markiert. Zielpunkt ist jedoch nicht die Katastrophe, sondern die abschließende Vision der neuen Schöpfung mit neuem Himmel und neuer Erde sowie dem neuen Jerusalem, das von Gott her kommt. So deutet der Artikel die Offenbarung insgesamt als trost und orientierungsstiftende Schrift, die bedrängten Gemeinden Hoffnung gibt, ihre Gegenwart im Licht der Herrschaft Gottes versteht und die Erlösungsperspektive in Christus, dem Lamm, in den Mittelpunkt rückt.