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Bildhafte Sprache und religiöse Unterweisung zur Apokalypse in Textzeugnissen des Islams

Veröffentlichung:1.2.2021

Der Artikel ist im Heft ru heute 02 2021 unter dem Titel „“ enthalten und umfasst 7 Seiten, Seiten 22 bis 28. Er zeigt, wie islamische Texte mit bildhafter Sprache Endzeit, Auferstehung, Gericht, Paradies und Hölle darstellen und wie diese Vorstellungen im Koran und in späterer arabisch islamischer Literatur weiter entfaltet werden. Dabei werden koranische Motive mit unterschiedlichen literarischen Formen verbunden, von der Warnpredigt bis zur erzählenden und teils rationalistisch erklärenden Darstellung.

Der Fachartikel behandelt theologische Probleme wie den Glauben an Gottes Einssein und Allmacht, die Gewissheit der Stunde und ihre Unverfügbarkeit für den Menschen, leibliche Auferstehung und Unsterblichkeit der Seele, göttliches Gericht und Vergeltung, die ethische Alternative Glaube oder Unglaube sowie Moral oder Unmoral, und die Frage, wie sprachliche Bilder religiöse Wahrheit vermitteln und religiöse Praxis motivieren.

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Der Artikel beschreibt islamische apokalyptische und eschatologische Vorstellungen als ein Feld, in dem bildhafte Sprache eine zentrale Rolle spielt. Ausgangspunkt sind koranische Passagen, die die Zeichen der Endzeit mit dramatischen Bildern schildern. Der Himmel spaltet sich, Sterne verlieren ihren Glanz, Berge geraten in Bewegung, Meere treten über die Ufer, Gräber werden geöffnet und jedem Menschen wird deutlich, was er getan und was er versäumt hat. Diese Szenen zielen nicht nur auf Information, sondern darauf, die Hörer innerlich zu treffen und zur Umkehr zu bewegen. Im Koran gilt als sicher, dass Gott den Zeitpunkt der Stunde festgelegt hat. Die Stunde ist nahe, ihre Voraussetzungen gelten als gegeben, doch ihr genauer Zeitpunkt bleibt den Menschen verborgen und sie tritt plötzlich ein. Als weitere Zeichen werden Erdbeben, Erschütterung der Welt und in späterer Tradition auch Motive wie das Auftreten bestimmter endzeitlicher Gestalten genannt. Muhammad wird in der späteren Überlieferung als Sendbote der Endzeit verstanden, weil mit seinem Auftreten das unaufhaltsame Zubewegen auf Gericht und Ende begonnen habe.

Der Artikel entfaltet dann die koranische Lehre über das Weltenende und macht deutlich, wie vielfältig die Bezeichnungen dafür sind. Der Tag wird als Auferstehungstag, Tag der Versammlung, Tag der Abrechnung, Tag der Entscheidung und in vielen weiteren Wendungen beschrieben, die sowohl Schrecken als auch Hoffnung ausdrücken können. Ein zentrales Motiv ist der Trompetenstoß, der die kosmische Katastrophe und zugleich den Übergang zum Gericht auslöst. Berge werden zu Staub, Himmel verändert sich, Engel werden herabgesandt, die Ordnung der Welt gerät außer Kraft. Diese Bilder markieren Gottes absolute Macht über die Schöpfung. Zugleich betont der Artikel die Auferstehung der Toten, die im Koran leiblich gedacht ist. Menschen, die zu Knochen und Staub geworden sind, werden in einem neuen Schöpfungsakt zum Leben erweckt. Zur Begründung wird auf Gottes Schöpfermacht verwiesen, der das Leben stufenweise entstehen lässt und daher auch die Wiederherstellung des Körpers vermag. Es wird beschrieben, dass es zwei Signale geben wird, einen ersten Trompetenstoß, der alles Leben beendet, und einen zweiten, der die Toten aufweckt. Ein Rufer sammelt die Menschen und führt sie zum Gericht.

Im Abschnitt über das Jüngste Gericht zeigt der Artikel eine stark personal gedachte Gerichtsdramaturgie. Engel führen die Menschen, Zeugen begleiten sie, Gott richtet jeden einzelnen schnell und ohne dass Ausreden helfen. Grundlage der Abrechnung sind die Taten, die von Engeln aufgezeichnet werden. Jeder Mensch erhält sein Register und wird aufgefordert, seine Schrift zu lesen. Selbst Körperteile wie Hände und Füße werden als Zeugen des eigenen Handelns beschrieben. Damit wird der Ernst ethischer Verantwortung unterstrichen. Dennoch gibt es für Gläubige eine frohe Botschaft, nämlich Sicherheit, Lohn und das Bewahren vor Angst. Der Artikel zeigt anschließend die Schilderungen von Paradies und Hölle als besonders anschauliche Bildsprache. Das Paradies erscheint als Garten mit Schmuck, Gewändern, Ruhe, Speise und Freude, verbunden mit der Vorstellung von Gemeinschaft mit Angehörigen. Die Hölle wird als brennendes Feuer und als Ort qualvoller Vergeltung beschrieben. Diese Gegensätze dienen der moralischen Orientierung und sollen zur Einhaltung eines ethischen Lebensstils motivieren. Der Artikel ergänzt, dass der Koran über den individuellen Tod relativ wenig sagt und auch über das Grabesleben nur wenige Hinweise enthält. Die spätere Tradition entfaltet jedoch stärker die Vorstellung eines Zwischenzustandes, der als Barzakh bezeichnet wird und unterschiedlich gedeutet wird, etwa als Barriere, Zeitspanne oder Ort zwischen Tod und Auferstehung. Märtyrer bilden eine Ausnahme, weil sie als lebendig gelten.

Im zweiten Hauptteil wird gezeigt, dass apokalyptische Szenarien in vielen Genres der klassisch arabisch islamischen Literatur vorkommen, in Hadith Sammlungen, Koranexegese, theologischen und philosophischen Schriften, Geschichtswerken, Rechtstexten und erzählender Literatur. Diese Texte greifen koranische Motive auf, erweitern sie aber mit späteren Deutungen und zusätzlichen Vorstellungen. Ihre große Popularität in muslimischen Gesellschaften wird als Hinweis auf die anhaltende Bedeutung dieser Themen gedeutet. Zur Veranschaulichung stellt der Artikel zwei Beispiele vor. Das erste ist ein Werk, das traditionell al Ghazali zugeschrieben wird. Dieses lenkt den Blick weg von den Nebensächlichkeiten der Welt hin zum Jenseits als Ziel des Lebens. Es beschreibt detailliert Sterben, Befragung im Grab, apokalyptische Umwälzung, Auferstehung und den Tag des Gerichts. Durch verständliche Sprache und Gleichnisse wird religiöse Lehre vermittelt, wobei die zentrale Botschaft der unbedingte Glaube an den einen allmächtigen Gott ist. Das zweite Beispiel ist Ibn an Nafis, der als Philosoph und Mediziner in einer Zeit politischer Umbrüche lebte. In einem erzählerischen Werk gestaltet er eine theologische Science Fiction, in der der perfekte Mensch Kamil als wissender Beobachter den moralischen Verfall der Gesellschaft und den Weg in die Katastrophe beschreibt. Endzeitzeichen werden mit gesellschaftlichen Krisen, Kriegen und Naturveränderungen verbunden. Auffällig ist, dass Ibn an Nafis im letzten Teil eine wissenschaftlich orientierte Erklärung für die Ereignisse versucht und die Auferstehung als Wiederbelebung von Körpern beschreibt, bei der sich die Seele wieder an den Körper bindet. Damit entsteht ein anderer Zugang als bei al Ghazali, der stärker spirituell und ermahnend argumentiert.

In der Schlussfolgerung hält der Artikel fest, dass islamische apokalyptisch eschatologische Visionen in kraftvollen Bildern eine Vorausschau auf das Ende der Welt geben und zugleich eine klare Intention verfolgen. Menschen sollen die letzten Konsequenzen ihres Glaubens und Handelns vor Augen bekommen. Der Koran verbindet Warnung mit Hoffnung, weil nach Apokalypse und Gericht ein Neuanfang und ein ewiges Leben möglich sind. Spätere Autoren gestalten diese Grundlagen vielfältig aus, entweder als geistliche Unterweisung oder als rationalistische Deutung. Auch in der Moderne werden diese Vorstellungen gelegentlich metaphorisch genutzt, etwa um politische oder gesellschaftliche Ideale zu beschreiben. Insgesamt bleibt die Rede von den letzten Dingen im Islam ein tragender Bestandteil von Glauben, Spiritualität und ethischer Orientierung.

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