Der Beitrag nimmt das Serienfinale von Game of Thrones als Ausgangspunkt, um zu zeigen, dass die Serie weit mehr als Unterhaltung ist, weil sie religiöse Motive und besonders apokalyptische Vorstellungen in eine große Erzählwelt einwebt, die für religiöse Lernprozesse fruchtbar gemacht werden kann. Zunächst skizziert der Autor das Universum der Serie mit seinen symbolisch aufgeladenen Räumen und Gegensätzen, vor allem die Trennung von Süden und Norden durch die Mauer und die Bedrohung durch die Weißen Wanderer, die mit dem Leitspruch Der Winter naht verbunden ist und die Handlung von Beginn an in eine Naherwartung kommender Ereignisse stellt. Neben den politischen Machtkämpfen um den Eisernen Thron tritt zunehmend eine kosmologische Ebene hervor, in der es um den Kampf zwischen Feuer und Eis und damit um den möglichen Untergang der Menschheit geht. Danach weitet der Artikel den Blick auf Religion in der Serie und beschreibt, dass GoT zwar oft religionskritisch wirkt, Religionen aber als kulturelle Realität präsent sind, etwa im Glauben an die Sieben mit deutlichen Analogien zur mittelalterlich geprägten Kirche oder im Glauben an den Herrn des Lichts, und dass darüber hinaus religiöse Bedeutungen implizit in Figuren angelegt sind, zum Beispiel in Jon Schnee als christologisch aufgeladener Erlöserfigur nach seiner Auferstehung oder in Daenerys Targaryen als zunächst befreiende Heilsfigur, deren Entwicklung im Finale in zerstörerische Gewalt kippt und damit vor falschen Hoffnungen warnt. Im Kern arbeitet der Autor heraus, wie das Narrativ des nahenden Winters apokalyptisch wirkt, nicht nur weil es Angst vor dem Ende erzeugt, sondern weil es diese Angst bearbeitet, zur Wachsamkeit mahnt und schließlich die Einsicht fördert, dass das Böse nur gemeinsam abgewehrt werden kann, wobei der Kampf trotz seiner Diesseitigkeit durch das Fantastische auch Züge eines Ringens mit übermenschlicher Macht erhält. Anschließend verbindet der Artikel diese Serienstruktur mit aktuellen Krisenerfahrungen des 21. Jahrhunderts wie Flucht Klimawandel und Pandemie und deutet GoT als Resonanzraum einer verbreiteten apokalyptischen Grundstimmung, die sich auch in verschiedenen kulturellen Krisennarrativen zeigt, etwa in Erzählmustern von Katastrophe oder von Gericht Schuld und Umkehr, die Menschen zum Handeln motivieren können, was sich beispielhaft auch in jugendlichen Bewegungen wie Fridays for Future spiegelt. Darauf aufbauend erläutert der Beitrag Grundzüge jüdischer Apokalyptik und deren christliche Transformation, in der das Christusereignis den strikten Dualismus einer völlig bösen Gegenwart und einer erst künftigen guten Welt durchbricht, weil Heil bereits wirksam ist und deshalb gerade in Zeiten der Finsternis Hoffnung möglich bleibt. Von hier aus wird die besondere Struktur der GoT Apokalyptik beschrieben, die weder rein säkular noch christlich ist, weil sie das Ende innerhalb der immanenten Welt belässt, zugleich aber zur Verhaltensänderung aufruft und so ein post apokalyptisches Weiterleben imaginiert. Abschließend argumentiert der Autor religionsdidaktisch, dass GoT einen korrelativen Begegnungsraum eröffnet, in dem Schülerinnen und Schüler Unterschiede und Verbindungslinien zwischen popkulturellen Apokalypsen der Gegenwart und dem Proprium christlicher Apokalyptik erschließen können, und dass solche Bildung heute wichtig ist, um apokalyptische Bilder zu deuten, Verzerrungen zu erkennen und aufkeimenden Fanatismen und Verschwörungstheorien reflektiert zu begegnen.