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WiReLex | Deutsche Bibelgesellschaft

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Abendmahl - Eucharistie

Veröffentlichung:26.3.2026

Der Artikel aus dem Wissenschaftlich Religionspädagogischen Lexikon (WiReLex) erschließt Abendmahl und Eucharistie aus theologischer, exegetischer und religionsgeschichtlicher Perspektive. Er behandelt die biblischen Wurzeln der christlichen Mahlpraxis, ihre historische Entwicklung bis in die Gegenwart sowie aktuelle gesellschaftliche Kontexte wie veränderte Essgewohnheiten. Abschließend werden didaktische Herausforderungen für Schule und Gemeinde reflektiert.

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Der Artikel von Oliver Reis und Christian Grethlein entfaltet das Thema Abendmahl/Eucharistie in vier inhaltlichen Dimensionen:

Zunächst diagnostizieren die Autoren eine schwindende Relevanz beider Sakramente bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: Sakramente werden äußerlich vollzogen, ohne persönliches Verständnis oder erlebte Gemeinschaft. Die konfessionellen Lehrdifferenzen – insbesondere zur Realpräsenz – sind für die Empfänger kaum noch erfahrbar.

Den Kern bildet eine exegetische Rekonstruktion der drei neutestamentlichen Mahltraditionsstränge: (1) die inklusive, soziale Mahlpraxis des irdischen Jesus mit Zöllnern und Sündern, (2) das Abschiedsmahl als Gedächtnisfeier seines Todesgeschicks, (3) die österlichen Mahlzeiten des Auferstandenen als eschatologischer Ausblick. Die Autoren betonen, dass die neutestamentlichen Texte keine Ablaufberichte sind, sondern die Mahlpraxis früher Gemeinden legitimieren und theologisch deuten. Brot und Wein werden nicht als isolierte Elemente, sondern als kommunikative Vollzüge des Brechens und Teilens verstanden.

Die historische Entwicklung zeichnet nach, wie aus der inklusiven Mahlgemeinschaft Jesu ein kultisches Ritual wurde: durch die Trennung von der Sättigungsmahlzeit, die Herausbildung des Priesterstandes, zunehmende Exklusionsmechanismen (Didache, Taufbindung, Ausschluss von Kindern im Westen ab dem 13. Jh., Laienkelchentzug) und die metaphysische Konzentration auf die Realpräsenzfrage. Die Reformation beseitigte den Opfercharakter und die Transsubstantiationslehre, blieb aber ebenfalls auf Sündenvergebung fokussiert. Erst im 20. Jahrhundert – durch das II. Vatikanum, die Leuenberger Konkordie und die ökumenische Bewegung – kam es zu einer partiellen Erneuerung.

Ein eigener Abschnitt kontextualisiert die Mahlfeier in gegenwärtigen Ernährungsgewohnheiten: Entfremdung von Nahrungsproduktion, Individualisierung des Essens, „Essen to go", Alkoholproblematik und die Frage nach der Hostie als „design food" werden als theologisch relevante gesellschaftliche Rahmenbedingungen analysiert.

Abschließend benennen die Autoren didaktische Engführungen in Schule und Gemeinde: Die Dominanz des letzten Abendmahls, die Reduktion auf kognitive Inhalte und die Stabilisierung einer Fremdheitserfahrung werden kritisch reflektiert. Demgegenüber plädieren sie dafür, Eucharistie und Abendmahl als gelebte Alltagspraxis zu denken, deren Sakramentalität im Vollzug selbst liegt.

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