Scheuchenpflug entfaltet den Begriff des Artikulationsschemas – abgeleitet vom lateinischen articulatio (Gliederung, Gegliedertheit) – als zentrales Planungsinstrument für den Religionsunterricht. Das Schema, meist in tabellarischer Form auf einem DIN-A4-Blatt, dokumentiert die Phasenstruktur einer Unterrichtsstunde oder -sequenz und dient der Lehrkraft als komplexitätsreduzierende Strukturierungshilfe; zugleich bildet es die Grundlage für Analyse und Bewertung von Unterricht in Praktikum und Referendariat. Synonyme Bezeichnungen in der didaktischen Literatur umfassen Verlaufsskizze, Strukturplan oder Unterrichtsentwurf.
In seiner begriffsgeschichtlichen Rekonstruktion verweist Scheuchenpflug auf Johann Friedrich Herbart, der 1806 den Begriff der Artikulation einführte und zwei Phasen (Vertiefung und Besinnung) sowie vier Formalstufen (Klarheit, Assoziation, System, Methode) unterschied. Die Herbartianer entwickelten daraus normierte Stufenschemata für Lehrprozesse, die jedoch bald einer fundamentalen Kritik ausgesetzt wurden: Lehr- und Lernprozesse deckten sich nicht zwingend, und die Schemata drohten den Unterricht zu schematisieren oder gewaltsam zu stilisieren (Meyer). Als Reaktion entstanden empirisch fundierte Alternativen, darunter das problemorientierte Stufenmodell Heinrich Roths (Motivation – Schwierigkeiten – Lösung – Tun – Behalten – Bewährung) sowie der von Hilbert Meyer beschriebene „methodische Grundrhythmus" Einführung – Erarbeitung – Ergebnissicherung, den Meyer als weltweit beobachtbar charakterisiert.
Der Religionsunterricht partizipierte an dieser Entwicklung sowohl durch Abgrenzung als auch durch partielle Übernahme allgemeindidaktischer Schemata. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konkurrierten formal-methodisch orientierte Modelle (Liberale Religionspädagogik, Münchener Methode) mit inhaltsbezogenen Konzepten (Evangelische Unterweisung, Kerygmatischer Religionsunterricht), wobei letztere institutionell dominierten und zu einem starren fachspezifischen Schema führten. Die Emanzipation von dieser Engführung erfolgte im Zuge konzeptioneller Reformen ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Für die religionsunterrichtliche Praxis hält Scheuchenpflug fest, dass eine Vielzahl von Faktoren – Schulkonzept, Organisationsform, räumliche und zeitliche Rahmenbedingungen, methodische Modelle sowie fachdidaktische Ansätze (konstruktivistisch, performativ, kompetenzorientiert) – die Auswahl eines geeigneten Artikulationsschemas bestimmen. Gleichwohl üben bestimmte Modelle quasi-normativen Einfluss aus, darunter das Grundmodell Einstieg – Erarbeitung – Sicherung/Vertiefung – Abschluss sowie das populäre Sechs-Phasen-Modell von Hans Schmid (Vorphase – Motivation/Dramaturgische Platzierung – Erarbeitung – Sicherung/Vertiefung – Ausdruck/Gestaltung – Ausklang). Scheuchenpflug würdigt an Schmids Modell den systematischen Hinweis auf die Bedeutung der Vorphase, kritisiert jedoch die Gefahr einer künstlichen Verengung der Unterrichtsgestaltung sowie zweckfreier Beschäftigungsaufgaben in der Abschlussphase.
Abschließend thematisiert der Artikel die Herausforderungen des kompetenzorientierten Religionsunterrichts für die Unterrichtsstrukturierung: Identifikation von Anforderungssituationen, Gestaltung von Lernaufgaben und Evaluation erfordern neue Artikulationsformen, etwa das Fünf-Felder-Handlungsmodell, das AVIVA-Prozessmodell oder das Fünf-Komponenten-Modell (Riegger), deren Praxistauglichkeit sich nach Scheuchenpflug erst noch bewähren muss.