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WiReLex | Deutsche Bibelgesellschaft

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Auferstehung der Toten

Veröffentlichung:31.3.2026

Der Artikel „Auferstehung der Toten" von Norbert Brieden, Astrid Heidemann und Hanna Roose ist ein Lexikonartikel aus dem Wissenschaftlich Religionspädagogischen Lexikon im Internet (WiReLex), herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft (erstellt Februar 2016). Der Beitrag erschließt das Thema Auferstehung multiperspektivisch – empirisch, systematisch-theologisch und religionsdidaktisch – und verbindet Befunde zur lebensweltlichen Religiosität mit theologischen Modellen und unterrichtspraktischen Konsequenzen.

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Der Artikel gliedert sich in vier Hauptbereiche: empirisch-lebensweltliche Befunde, systematisch-theologische Orientierungen, didaktische Perspektiven und offene Forschungsfragen.

Im empirischen Teil werden Umfragedaten zur Jenseitsvorstellung in Deutschland ausgewertet. Knapp die Hälfte der Bevölkerung geht davon aus, dass der Tod das absolute Lebensende markiert; gleichzeitig hofft mehr als die Hälfte auf eine Wiederbegegnung mit Verstorbenen – ein scheinbarer Widerspruch, den die Autoren auf die Grenzen quantitativer Forschung zurückführen. Qualitative Studien zeigen, dass Unsicherheit und Ambivalenz in eschatologischen Fragen weit verbreitet sind. Unter Schülerinnen und Schülern dominieren Vorstellungen von Seelenunsterblichkeit, Himmelsbildern und Reinkarnation; dezidiert christliche Auferstehungsvorstellungen sind deutlich seltener. Studien von Thiede (1991) und Kuld/Rendle/Sauter (2000) belegen zudem, dass das Thema im Religionsunterricht trotz ausdrücklichem Interesse der Lernenden häufig zu kurz kommt.

Der systematisch-theologische Teil entfaltet drei Debattenlinien. Die evangelisch-theologische Ganztod-Lehre – vertreten u.a. von Barth, Althaus, Brunner und Jüngel – betont in Abgrenzung vom platonischen Seelenunsterblichkeitsmodell, dass der Mensch als Ganzer stirbt und von Gott am Jüngsten Tag neu erschaffen wird. Auf katholischer Seite entwickelten Greshake und Lohfink das Modell der Auferstehung im Tod, das eine zeitlose Ewigkeit postuliert, sodass individueller Todestag und Jüngster Tag zusammenfallen; dieses Modell wurde von Ratzinger kritisiert, der auf den Zwischenzustand und die Unmöglichkeit einer Vollendung des Einzelnen vor dem Ende der Geschichte bestand. Eine dritte Linie bildet die analytische Theologie, die Identitäts- und Persistenzfragen in empiristischer Tradition aufgreift: Modelle von van Inwagen (materialistischer Monismus), Baker (Konstitutionstheorie) und Gasser (Hylemorphismus) versuchen, die logische Konsistenz einer christlichen Auferstehungshoffnung unter Rückgriff auf naturwissenschaftliche und philosophische Grenzdebatten zu erweisen. Anthropologisch unterscheidet der Artikel drei Grundmodelle – dualistische, monistische und hylemorphistische Optionen – und diskutiert deren jeweilige theologische Stärken und Probleme hinsichtlich Leiblichkeit, Identitätskontinuität und Schöpfungsbezug.

Im hermeneutischen Abschnitt plädieren die Autoren dafür, eschatologische Bilder als komplementäre Hoffnungsperspektiven zu verstehen, die sich einer systematischen Festlegung entziehen und gerade in ihrer Pluralität theologisch fruchtbar sind.

Die didaktischen Perspektiven knüpfen an Bernhard Dresslers Bestimmung von Eschatologie als Querdimension unterschiedlicher Themen an und benennen vier eschatologiedidaktische Schwerpunkte: Gottesbeziehung und Relationalität, die Aporie von Raum und Zeit, den Umgang mit Nahtoderlebnissen und Reinkarnationsglauben sowie die Paradoxie von Identität und Andersheit im Übergang vom irdischen zum ewigen Leben. Als methodische Ressourcen werden neben biblischen Texten explizit Kinder- und Jugendliteratur, Bilderbücher sowie Medien der Gegenwartskultur empfohlen. Der Artikel schließt mit einem Forschungsausblick, der qualitativ-empirische Studien zu eschatologischen Vorstellungen verschiedener Altersstufen, entwicklungspsychologisch fundierte Curriculumarbeit und Unterrichtsforschung zur multiperspektivischen Wahrheitsvermittlung als Desiderate benennt.

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