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„Es kommt ein Schiff geladen ...“

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Artikel wurde unter dem Titel „Es kommt ein Schiff geladen ...“ verfasst und umfasst drei 2 Seiten. Der Beitrag deutet das alte Adventslied als geistliche Bildsprache für die Menschwerdung Gottes und für die Frage, wie Gott und Mensch zueinander finden. Dabei behandelt der Fachartikel vor allem theologische Probleme wie das Verhältnis von Gott und Mensch, die Bedeutung der Menschwerdung Christi, die Rolle von Advent und Weihnachten als Zeiten innerer Öffnung, das Verhältnis von äußerer Frömmigkeit und innerer Glaubenstiefe sowie die Frage nach Halt, Hoffnung, Leiden und Auferstehung im christlichen Glauben.

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Der Artikel erschließt das Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ als einen bedeutenden geistlichen Text der deutschen Mystik. Ausgangspunkt ist das Bild eines Hafens im mittelalterlichen Straßburg. Schiffe bringen aus fernen Ländern nicht nur Waren, sondern auch Nachrichten und Hoffnung. Dieses Bild wird zur Deutung des Liedes herangezogen, das auf Johann Tauler zurückgeht. Tauler gehört zu den bedeutenden Vertretern der deutschen Mystik. Diese religiöse Bewegung wollte den Glauben nicht nur einer kleinen gebildeten Schicht zugänglich machen, sondern allen Menschen. Deshalb verwendete sie die Volkssprache und arbeitete mit anschaulichen, poetischen und leibnahen Bildern, die Herz und Seele ansprechen.

Das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ ist tief in dieser Bildwelt verwurzelt. Das Schiff wird als ein altes christliches Symbol verstanden. Schon in der Antike verband man mit Schiffen Abenteuer, Macht, Wohlstand und Begegnung zwischen verschiedenen Welten. Im christlichen Deutungshorizont wird das Schiff zum Zeichen dafür, dass die sichtbare Welt des Menschen und die unsichtbare göttliche Welt miteinander verbunden werden. Im Lied bringt das Schiff nicht gewöhnliche Handelsware, sondern die kostbarste Fracht überhaupt, nämlich Gottes Sohn und das ewige Wort des Vaters. So wird die Frage beantwortet, wie Gott und Mensch zusammenkommen können.

Der Autor deutet den Advent als Zeit des Innehaltens und der inneren Sammlung. Advent ist nicht zuerst eine geschäftige Vorbereitungszeit, sondern eine Gelegenheit, auf Distanz zum eigenen Alltag zu gehen und sich zu fragen, was das Leben im Tiefsten trägt. Das Bild des Schiffes erinnert daran, dass es mehr gibt als den engen Horizont des täglichen Lebens. Es verweist auf eine göttliche Wirklichkeit, die den Menschen überschreitet. Damit diese Wirklichkeit wahrgenommen werden kann, braucht es Stille und Hörbereitschaft. Wer von Gott etwas erfahren will, muss schweigen können und offen werden für das Wort, das von Gott her kommt.

Im weiteren Verlauf legt der Artikel die Bildsprache des Liedes genauer aus. Entscheidend ist nicht das äußere Erscheinungsbild des Schiffes, sondern seine innere Beschaffenheit. Diese Unterscheidung überträgt der Autor auf das religiöse Leben. Äußere Formen, Bräuche und weihnachtliche Gewohnheiten sind nicht unwichtig, aber sie bleiben leer, wenn ihnen die innere Glaubenshaltung fehlt. Weihnachtsfeiern, Lieder und Lichter erhalten ihren Sinn erst dann, wenn sie Ausdruck von Hoffnung, Trost, Versöhnung und echter menschlicher Zuwendung sind.

Besonders wichtig sind zwei Wesensmerkmale des Schiffes, nämlich der Mast und das Segel. Der Mast steht im Lied für den Heiligen Geist. Er gibt dem Schiff Halt und Stabilität. Übertragen auf den Glauben bedeutet das, dass der Geist Jesu dem Menschen Orientierung und Festigkeit gibt, gerade in den Stürmen des Lebens. Lebenskrisen, Enttäuschungen und Verletzungen bedrohen den Menschen mit Haltlosigkeit. Die Botschaft Jesu eröffnet in solchen Erfahrungen einen tragenden Grund. Verlass ist dort, wo der Mensch sich auf Jesu Lebensbeispiel und seine Botschaft einlässt, statt sich mit vorschnellen Antworten oder billigen Vertröstungen zufriedenzugeben.

Das Segel des Schiffes steht für die Liebe. Nur wenn das Segel gespannt ist und sich dem Wind öffnet, kann das Schiff Fahrt aufnehmen. Damit wird deutlich, dass der Weg Gottes zum Menschen und der Weg des Menschen zu Gott von Liebe bestimmt sind. Die Liebe ist die Kraft, die Bewegung ermöglicht und den Glauben lebendig macht. Zugleich zeigt das Lied, dass die Menschwerdung Gottes nicht bei der Geburt in Bethlehem stehen bleibt, sondern auf Leiden, Sterben und Auferstehung verweist. Wer das Kind mit Freude empfangen will, muss bereit sein, auch den Weg Christi in seiner Tiefe mitzuvollziehen. Weihnachten wird so nicht sentimental verkürzt, sondern in den Gesamtzusammenhang des christlichen Glaubens gestellt.

Insgesamt versteht der Artikel das Lied als dichte geistliche Meditation über Advent, Weihnachten und christliche Existenz. Das Bild des Schiffes macht sichtbar, dass Gott dem Menschen entgegenkommt, dass der Glaube innere Sammlung und Hörbereitschaft verlangt und dass das Leben im Geist Jesu von Halt, Liebe, Hoffnung und der Bereitschaft zur Nachfolge geprägt ist.

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