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Katholische Akademie Bayern

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Die Rolle der Religion in aktuellen Kriegen

Veröffentlichung:1.1.2026

Der Fachartikel wurde unter dem Titel: „Die Rolle der Religion in aktuellen Kriegen“ publiziert und umfasst sieben Seiten. Der Beitrag zeigt, dass sogenannte heilige Kriege kein vergangenes Phänomen sind, sondern auch gegenwärtige Konflikte prägen. Am Beispiel des russisch ukrainischen Krieges und des Israel Palästina Konflikts wird deutlich, dass Religion meist nicht die eigentliche Ursache von Kriegen ist, aber als starker Eskalationsfaktor wirkt. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Probleme der religiösen Legitimation von Gewalt, des Missbrauchs von Religion für politische Machtinteressen, des Verhältnisses von Religion und Identität, der Friedensverantwortung der Religionen sowie der Spannung zwischen Wahrheitsanspruch, Toleranz und Dialog.

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Der Artikel setzt mit der unbequemen Feststellung ein, dass heilige Kriege keineswegs nur der Vergangenheit angehören. Auch in der Gegenwart wird im Namen Gottes getötet, und Religion spielt in den Kriegen des 21. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Der Autor betont jedoch von Anfang an, dass Religion in der Regel nicht die primäre Ursache der Konflikte ist, sondern als Eskalationsfaktor wirkt. Sie überlagert politische, soziale und territoriale Konflikte mit religiösen und kulturellen Identitätsmustern und macht dadurch rationale Verhandlungen und friedliche Lösungen deutlich schwieriger.

Im ersten großen Teil untersucht der Artikel die Rolle von Religion im russisch ukrainischen Krieg. Ausgangspunkt ist die These Samuel Huntingtons, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts zunehmend als Identitätskonflikte zwischen Kulturen und Religionen verstanden werden. Der Autor hält diese Deutung für teilweise zutreffend, weil kulturelle und religiöse Selbstbehauptung tatsächlich eine wichtige Rolle spielt. Zugleich kritisiert er Huntington, weil dieser politische, kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Faktoren zu stark vermischt. Im Fall Russlands liege der Kern des Konflikts nicht in einem echten Kulturkampf, sondern in einem Macht und Herrschaftskonflikt. Die religiöse und kulturelle Sprache werde vorgeschoben, um diesen Konflikt als Verteidigung der sogenannten russischen Welt umzudeuten. Dabei spielt die Russisch Orthodoxe Kirche eine zentrale Rolle. Patriarch Kyrill deutet den Krieg als heiligen oder metaphysischen Kampf zur Verteidigung orthodoxer Werte gegen den angeblich dekadenten Westen. So wird Religion zur Legitimation von Gewalt und zur Stärkung nationaler Identität eingesetzt. Der Autor zeigt außerdem, dass es innerhalb der Orthodoxie selbst starke Spannungen gibt, besonders in der Bewertung von Demokratie, Menschenrechten und Moderne. Darin sieht er eine tiefere innerchristliche Konfliktlinie, die den Krieg zusätzlich verschärft.

Im zweiten Teil analysiert der Artikel die Rolle von Religion im Israel Palästina Konflikt. Der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 wird als tiefes Trauma für Israel beschrieben. Zugleich kritisiert der Autor die harte militärische Reaktion Israels im Gazastreifen, die zu massiven Opfern unter der Zivilbevölkerung geführt habe. Auch hier wird betont, dass Religion nicht allein die Ursache des Konflikts ist, sondern ihn radikalisiert. Der Konflikt verbindet territoriale, ethnonationale und religiöse Dimensionen auf besonders komplexe Weise. Hamas, Hisbollah und der Iran verfolgen nach Darstellung des Autors das religiös aufgeladene Ziel, Israel zu vernichten. Umgekehrt erkennt die gegenwärtige israelische Regierung unter dem Einfluss orthodoxer Kräfte das Existenzrecht und die Identität Palästinas nicht ausreichend an. Dadurch wird der Konflikt zunehmend als religiös identitärer Gegensatz wahrgenommen. Diese Umdeutung wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, weil sie die Chancen auf friedliche Koexistenz weiter schwächt. Der Autor macht deutlich, dass auch islamistische Gewalt religiös motiviert erscheint, tatsächlich aber meist aus einer Mischung politischer, sozialer und religiöser Motive entsteht. Religion liefert dabei Sinn, Legitimation und Mobilisierung.

Im dritten Teil formuliert der Autor zehn grundlegende Thesen zum Verhältnis von Religion und Gewalt. Er hält fest, dass Religion in gegenwärtigen Konflikten weltweit eine entscheidende Rolle spielt und dass die Vorstellung des heiligen Krieges keineswegs überwunden ist. Religion ist seiner Ansicht nach meist nicht Ursprung, aber ein zentraler Verstärker von Kriegen. Problematisch ist besonders fundamentalistische Religion, weil sie leicht zur ideologischen Verhärtung und zur Feindbildbildung beiträgt. Zugleich betont der Autor, dass die Religionen Mitverantwortung tragen, wenn sie sich nicht klar genug gegen den Missbrauch ihrer Traditionen für Gewalt abgrenzen. Ein bloßer Verweis auf Dialog genüge nicht. Notwendig seien konkrete Formen von Vertrauensbildung, differenzierter Verständigung und kritischer Selbstaufklärung.

Darüber hinaus wird hervorgehoben, dass nicht nur zwischen Religionen, sondern auch innerhalb von Religionen besonders heftige Konflikte auftreten. Der Autor verweist etwa auf Spannungen innerhalb des Christentums oder zwischen sunnitischen und schiitischen Gruppen im Islam. Gleichzeitig unterstreicht er, dass alle Weltreligionen auch eine Friedensbotschaft in sich tragen. Frieden mit Gott und Frieden unter den Menschen gehören nach seiner Auffassung zum Kern religiöser Erfahrung. Religiöse Friedensarbeit kann Konflikte nicht beseitigen, aber sie kann helfen, sie gewaltfrei auszutragen. Dazu gehören die ehrliche Benennung von Konflikten, die Aufarbeitung der eigenen Gewaltgeschichte und eine Kultur der Erinnerung an die Opfer.

Zum Schluss hebt der Artikel die Bedeutung von interreligiöser, interkultureller und interkonfessioneller Bildung hervor. Gerade in einer pluralen Gesellschaft müsse die Fähigkeit zur Verständigung bewusst eingeübt werden. Der Autor versteht Toleranz nicht nur als passives Dulden, sondern als aktive demokratische Tugend. Sie verlangt die Bereitschaft, Menschenwürde, Freiheit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit zu schützen und zugleich konstruktiv mit Differenz umzugehen. Insgesamt plädiert der Artikel dafür, Religion weder pauschal zu verurteilen noch zu idealisieren. Vielmehr müsse sie kritisch daraufhin befragt werden, ob sie Gewalt legitimiert oder Friedensfähigkeit stärkt. Für Lehrkräfte ist der Text besonders geeignet, weil er Lernenden zeigt, wie komplex das Verhältnis von Religion, Politik, Identität und Gewalt in aktuellen Konflikten ist.

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