Der Artikel stellt Johann Sebastian Bach als einen hochgebildeten und theologisch reflektierten Musiker vor. Entgegen dem verbreiteten Bild eines rein praktischen Kirchenmusikers betont der Verfasser, dass Bach sich intensiv mit philosophischen und theologischen Fragen beschäftigt hat. Schon durch seine Schulbildung kam er mit dem Denken seiner Zeit in Berührung. Später erwarb er gezielt theologische Literatur, darunter Predigtsammlungen, dogmatische Werke und die sogenannte Calov Bibel, in der sich Randnotizen aus seiner Hand finden. Diese Quellen zeigen, dass Bach Musik als Teil des Gottesdienstes und als Ausdruck göttlicher Gegenwart verstand.
Der Artikel macht deutlich, dass Bach Musik grundsätzlich auf Gott bezog. Das zeigen seine Vorreden, seine Arbeitsvermerke und seine Äußerungen über den Zweck von Musik. Musik dient für ihn Gottes Ehre und der Erbauung des Menschen. Sie ist nicht bloß Kunst oder Unterhaltung, sondern besitzt geistliche Würde. Diese Überzeugung wird im Text in Verbindung gebracht mit theologischen und musikphilosophischen Traditionen, besonders mit Augustinus, Luther, Leibniz und barocken Musiktheoretikern. Musik erscheint dabei als Ausdruck von Ordnung, Zahl und Harmonie und damit als Spiegel der göttlichen Schöpfung.
Ein wichtiger Teil des Artikels widmet sich der theologischen Deutung von Zahlen, Proportionen und Dreiklängen. Der Verfasser zeigt, dass Bach in einem Denkrahmen stand, in dem Musik als Abbild göttlicher Ordnung verstanden wurde. Zahlenverhältnisse, Dreizahl, Rhythmus und Harmonie konnten deshalb Trinität, Vollkommenheit oder das Verhältnis von Gott und Welt symbolisieren. Besonders die Zahl Drei wird als Hinweis auf die Dreifaltigkeit gedeutet. Auch Dur und Moll Dreiklänge werden in zeitgenössischen Deutungen mit der göttlichen und menschlichen Natur Christi verbunden. So wird sichtbar, dass Bachs Musik von einer engen Verbindung zwischen Klang, Symbol und Theologie geprägt ist.
Im Mittelpunkt des Artikels steht dann die Analyse des Credo der h Moll Messe. Der Verfasser zeigt zunächst, dass die Sätze des Credo symmetrisch um das Crucifixus angeordnet sind. Damit macht Bach den gekreuzigten Christus zum Zentrum des Glaubensbekenntnisses. Das Crucifixus wird als musikalischer Mittelpunkt und als geistlicher Angelpunkt verstanden. Der Satz ist von einem ständig wiederkehrenden Bassmodell geprägt, das Ausweglosigkeit, Leiden und die Unabwendbarkeit des Todes hörbar macht. Die zwölfmalige Wiederholung des Themas verweist auf Vollendung, während eine dreizehnte, abgewandelte Durchführung bereits Hoffnung auf Verwandlung und neues Leben eröffnet. So deutet Bach den Tod Jesu nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Auferstehung und Erlösung.
Anschließend erklärt der Artikel die übrigen Sätze des Credo. Im Credo in unum Deum und im Patrem omnipotentem wird Gott Vater als Schöpfer musikalisch dargestellt. Die Form, die gregorianischen Anklänge und die strenge kontrapunktische Anlage verweisen auf Alter, Würde und göttliche Ordnung. Im Et in unum Dominum Jesum Christum verdeutlicht ein kanonisches Duett die enge Beziehung zwischen Vater und Sohn. Einheit und Verschiedenheit der göttlichen Personen werden dabei musikalisch ausgedrückt. Im Et incarnatus est wird die Menschwerdung Christi durch abwärts gerichtete Bewegungen, Moll Klang und Kreuzsymbolik musikalisch gestaltet. So wird die Erniedrigung des Gottessohnes hörbar gemacht.
Das Et resurrexit bildet dazu den strahlenden Gegenpol. Hier zeigt Bach mit festlichem Klang, Bewegung und aufsteigenden Linien die Auferstehung, Himmelfahrt und Erhöhung Christi. Der Satz steht ganz im Zeichen von Jubel, Weite und himmlischer Freude. Im Et in Spiritum Sanctum wird dann der Heilige Geist in einer musikalischen Sprache dargestellt, die wieder stark mit der Dreizahl spielt. Die Instrumentation, die Tonart und die Verbindung der Stimmen symbolisieren die Beziehung von Vater, Sohn und Geist.
Auch die letzten Sätze des Credo werden theologisch gedeutet. Das Confiteor unum baptisma verweist mit seiner alten Satztechnik auf die Ursprünge der Kirche und auf die Taufe als grundlegendes Sakrament. Der Schluss mit Et expecto resurrectionem mortuorum führt über einen spannungsvollen Übergang in einen machtvollen Jubel über die Auferstehung der Toten und das kommende ewige Leben. Hier wird musikalisch hörbar, dass die alte Welt vergeht und eine neue Wirklichkeit anbricht.
Insgesamt zeigt der Artikel, dass Bach im Credo der h Moll Messe den christlichen Glauben nicht nur vertont, sondern in Musik auslegt. Seine Komposition wird als eine Form theologischer Reflexion verstanden, in der Schöpfung, Trinität, Menschwerdung, Kreuz, Auferstehung, Taufe und ewiges Leben in symbolischer und klanglicher Gestalt erscheinen. Der Fachartikel macht damit deutlich, dass Bachs Musik als Glaubenszeugnis gelesen werden kann.