Der Artikel betont zunächst die grundlegende Bedeutung wissenschaftlicher Methoden in der Geschichtsschreibung. Historische Aussagen müssen auf sorgfältiger Quellenarbeit beruhen. Quellen sollen vollständig gelesen, miteinander verglichen und kritisch geprüft werden. Eine selektive Nutzung von Quellen zur Bestätigung vorgefasster Meinungen führt zu Ideologie und verfälscht die historische Realität. Historiker haben die Aufgabe Mythen aufzudecken und nicht neue zu produzieren.
Anhand mehrerer Beispiele zeigt die Autorin, dass die Geschichte der benediktinischen Mission in Ostafrika häufig ideologisch verzerrt dargestellt wird. Ein zentraler Punkt ist die angebliche Nähe zwischen katholischer Mission und kolonialer Herrschaft. Pauschale Aussagen behaupten, Missionare seien Teil eines gewaltsamen Herrschaftssystems gewesen oder hätten aktiv mit der Kolonialregierung zusammengearbeitet. Der Artikel weist darauf hin, dass solche Verallgemeinerungen nicht ausreichend durch Quellen gestützt sind und oft andere Missionen ausblenden.
Demgegenüber werden konkrete Beispiele genannt, die ein differenzierteres Bild zeigen. Einzelne Missionare widersetzten sich kolonialen Autoritäten, setzten sich für die afrikanische Bevölkerung ein oder kritisierten offen das Verhalten der Kolonialregierung. Auch führende Persönlichkeiten der Mission betonten Unterschiede zwischen ihren religiösen Zielen und den wirtschaftlichen Interessen der Kolonialpolitik.
Ein weiteres Beispiel betrifft den Vorwurf, Missionare seien stark nationalistisch geprägt gewesen. Anhand der Person von Bischof Thomas Spreiter wird gezeigt, dass entsprechende Anschuldigungen auf unbelegten Gerüchten beruhen. Quellen belegen vielmehr, dass er versuchte die Mission unter schwierigen politischen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Der Artikel kritisiert zudem fehlerhafte Darstellungen in der Forschung, etwa falsche Datierungen oder unbelegte Behauptungen über interne Abläufe der Mission. Solche Fehler entstehen häufig durch mangelnde Quellenprüfung und werden teilweise unkritisch übernommen.
Am Beispiel der Initiationsriten wird deutlich, dass Missionare kulturelle Praktiken differenziert betrachteten. Sie versuchten zwischen problematischen und gesellschaftlich sinnvollen Elementen zu unterscheiden und forderten eine genaue Erforschung lokaler Traditionen. Die Darstellung einer pauschalen moralischen Überreaktion entspricht daher nicht den historischen Quellen.
Insgesamt zeigt der Artikel, dass viele verbreitete Deutungen zur Missionsgeschichte eher ideologisch als wissenschaftlich fundiert sind. Er plädiert für eine differenzierte, quellengestützte Analyse und warnt vor pauschalen Urteilen über Mission, Kirche und Kolonialismus.