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Katholische Akademie Bayern

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Die europäische Dimension des Krieges

Die „diplomatische Revolution“ in der europäischen Außenpolitik und das Reich als Kriegsschauplatz

Veröffentlichung:1.9.2022

Der Fachartikel umfasst 5 Seiten, nämlich die Seiten 35 bis 39. Der Beitrag erklärt die Ursachen, Bündniswechsel, Kriegsverläufe und Folgen des Siebenjährigen Krieges mit besonderem Blick auf Preußen, Österreich, Frankreich, Russland und das Reich. Theologische Probleme behandelt der Artikel nicht im engeren Sinn. Berührt werden allenfalls Fragen der Kriegsethik, der religiösen Deutung von Sieg und Niederlage, der politischen Instrumentalisierung von Vaterlandsliebe sowie die symbolische Wirkung des Chorals „Nun danket alle Gott“.

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Der Artikel von Wolfgang Burgdorf untersucht die europäische Dimension des Siebenjährigen Krieges und erklärt besonders die Umkehrung der Allianzen sowie die Rolle des Heiligen Römischen Reiches als Kriegsschauplatz. Ausgangspunkt ist der Erste Schlesische Krieg, den Friedrich der Zweite 1740 mit dem Überfall auf Schlesien auslöste, nachdem mit dem Tod Karls des Sechsten die habsburgische Erbfolge offen war. Der Autor deutet Friedrichs riskantes Vorgehen nicht nur machtpolitisch, sondern auch aus seiner Persönlichkeit heraus. Friedrich erscheint als Herrscher, der dynastische Defizite und persönliche Unsicherheiten durch militärische Größe zu kompensieren suchte.

Im weiteren Verlauf beschreibt der Artikel die Veränderung des europäischen Bündnissystems. Das bisherige Bündnis zwischen Österreich und Großbritannien zerbrach, während Preußen sich mit Großbritannien verband. Darauf reagierten Frankreich und Österreich mit dem Vertrag von Versailles. So entstand die neue Konstellation, die den großen Krieg in Europa mitprägte. Friedrich begann 1756 mit dem Einmarsch in Sachsen einen Präventivkrieg, verletzte damit jedoch geltendes Recht und rief eine breite gegnerische Koalition hervor, zu der bald auch Russland gehörte. Das Reich stellte ebenfalls Truppen gegen Preußen.

Der Autor zeichnet dann die wichtigsten Kriegsphasen nach. 1757 wechselten schwere Niederlagen und spektakuläre Siege einander ab. Nach Erfolgen bei Prag und Roßbach erlitt Friedrich Rückschläge bei Kolin, verlor zeitweise große Teile Schlesiens und rettete seine Lage erst mit dem Sieg bei Leuthen. Dabei hebt der Artikel hervor, wie sehr militärische Ereignisse sofort politisch und symbolisch aufgeladen wurden. Besonders Roßbach und Leuthen wurden zu Grundsteinen des Friedrich Mythos. Friedrichs Reden, seine Selbstinszenierung und religiös aufgeladene Szenen wie der Choral auf dem Schlachtfeld machten aus militärischen Erfolgen erinnerungspolitische Ereignisse.

Für die Jahre 1758 bis 1760 zeigt der Beitrag, wie sehr Preußen trotz einzelner Siege an die Grenze seiner Kräfte geriet. Die Schlachten von Zorndorf, Hochkirch und vor allem Kunersdorf machten die Erschöpfung des preußischen Staates deutlich. Kunersdorf erscheint als tiefster Punkt, weil Friedrich dort einen fast vollständigen Zusammenbruch seines Heeres erlebte und zeitweise sogar abdankte. Nur das mangelnde Zusammenwirken der Gegner und ihre eigenen Versorgungsprobleme verhinderten den Untergang Preußens. Zugleich wird deutlich, dass auch die Gegenseite unter Koordinationsproblemen, hohen Verlusten und finanzieller Überforderung litt.

Ein weiteres zentrales Thema des Artikels ist die wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung des Krieges. Friedrich finanzierte den Krieg durch Kontributionen, englische Hilfen, Münzverschlechterung und massive Ausbeutung besetzter Gebiete, besonders Sachsens. Der Staat geriet an die Grenzen seiner Tragfähigkeit. Es fehlte an Geld, Soldaten, Pferden, Offizieren und Nachschub. Der Krieg wurde immer mehr zu einem Kampf der Erschöpfung, in dem keine Seite mehr entscheidende Vorteile erringen konnte.

Die Wende brachte erst der Tod der Zarin Elisabeth Anfang 1762. Ihr Nachfolger Peter der Dritte beendete den Krieg mit Preußen und schloss sogar ein Bündnis mit Friedrich. Dieses Ereignis ging als Wunder des Hauses Brandenburg in die Geschichte ein. Obwohl Peter bald gestürzt wurde, reichte der Zerfall der gegnerischen Koalition aus, um Preußens Untergang zu verhindern. Die letzten Kämpfe führten schließlich zum Waffenstillstand und zum Frieden von Hubertusburg 1763.

Im Ergebnis betont der Autor, dass der Frieden keinen eigentlichen Sieger hervorbrachte. Zwar konnte Preußen Schlesien behaupten und seine Stellung behaupten, doch der Preis war gewaltig. Große Teile Mitteleuropas waren verwüstet, Hunderttausende Menschen starben, viele an den indirekten Folgen des Krieges. Für Preußen bedeutete der Krieg keine glanzvolle Vollendung, sondern eine lang anhaltende Krisenzeit mit wirtschaftlicher Schwäche, hoher Steuerlast und finanzieller Abhängigkeit. Das Reich erreichte nach Darstellung des Autors immerhin sein Ziel, den territorialen Zustand vor Kriegsbeginn wiederherzustellen. Insgesamt zeigt der Artikel, dass der Siebenjährige Krieg nicht nur eine Abfolge von Schlachten war, sondern ein gesamteuropäischer Macht und Erschöpfungskrieg, der politische Strukturen, Bündnisse und Erinnerungskulturen nachhaltig veränderte.

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