Dieser Artikel von Seite 27-31 thematisiert das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft und die Ertüchtigung der Kirchen und Gläubigen zur Selbstreflexion und Toleranz. Dabei sieht er in Religion durchaus eine Quelle der ethischen Grundlagen einer Demokratie, die für ihren Betrieb notwendig sind. Jedoch kann auch die Philosophie diese Grundlagen erzeugen und über Bildung in jedem Individuum der Gesellschaft verankern.
Wir sollten daher weder auf das Aussterben von Religion hoffen, noch auf die Rückkehr des christlichen Abendlandes, auf eine Gesellschaft, die im Namen einer einzigen wahren Religion reguliert und integriert wird. Leben in einer postsäkularen Gesellschaft bedeutet vielmehr, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugungen und nicht religiöser Weltanschauungen es miteinander aushalten müssen und können.
Joseph Ratzinger ging in diesem Gespräch von einer unverzichtbaren öffentlichen Rolle der Religion in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft aus. Historische Erfahrungen des Totalitarismus, aber auch zeitdiagnostische Einschätzungen einer säkularen Verflachung und Aushöhlung der liberalen Demokratie zeigen nach seiner Auffassung, dass die sicherste und zuverlässigste Begründung von Demokratie und Menschenrechten, von Freiheit und Gleichheit durch Religion erfolge.