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Das Wahre, das Wirkliche und das Unwirkliche

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Fachartikel ist im Heft ru heute 01 2020 unter dem Titel „“ erschienen und umfasst die Seiten 8 bis 11. Der Beitrag setzt sich mit dem traditionellen Wahrheitsverständnis als Übereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit auseinander und fragt angesichts moderner Skepsis und postmoderner Zweifel, ob Gewissheit überhaupt möglich ist. Theologisch behandelt der Artikel die Probleme des radikalen Skeptizismus, die Krise des Subjekts, die Frage nach der Wirklichkeit des Anderen sowie die Bedeutung Gottes als Schöpfer und Garant von Wirklichkeit. Er entwickelt die These, dass Gewissheit nicht allein theoretisch, sondern moralisch und in der Begegnung mit Mensch, Welt und Gott erfahrbar wird.

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Der Artikel geht von einem klassischen Wahrheitsverständnis aus, nach dem Wahrheit die Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit bedeutet. Doch sofort stellt sich die grundlegende Frage, was überhaupt wirklich ist und wie sicher der Mensch sich dieser Wirklichkeit sein kann. Es wird problematisiert, ob das, was als wirklich erscheint, nicht ebenso gut ein Traum sein könnte. Daraus ergibt sich die Gefahr eines radikalen Zweifels, der in einer postfaktischen Welt münden könnte, in der alternative Fakten und subjektive Meinungen an die Stelle gemeinsamer Wahrheit treten.

Der Begriff der Wirklichkeit wird differenziert betrachtet. Wirklich ist nicht nur das Notwendige oder Kontingente, sondern auch das Mögliche und sogar das Unmögliche kann gedacht werden. Der Mensch kann zwischen Wirklichem, Fiktivem und Virtuellem unterscheiden. Dennoch bleiben die Grenzen fließend, da Perspektiven wechseln und Deutungen variieren können. Die Frage nach Schein und Sein wird dadurch verschärft. Wenn alle Wahrnehmung von Interpretation abhängt, scheint Wirklichkeit selbst fraglich zu werden.

Trotz dieser theoretischen Unsicherheiten zeigt sich im Alltag, dass Menschen sehr wohl zwischen Wirklichem und Unwirklichem unterscheiden können. Bereits Kinder wissen, dass ein Stofftier kein echter Hund ist. Die Unterscheidung zwischen Traum und Wirklichkeit ist lebensnotwendig. Wer das Wirkliche nicht ernst nimmt, verliert Orientierung und Handlungsfähigkeit.

Der neuzeitliche Philosoph René Descartes radikalisierte den Zweifel, um unerschütterliche Gewissheit zu finden. Diese fand er im denkenden Ich. Doch mit dieser Konzentration auf das Subjekt ging der Verlust der Welt einher. In der Moderne wurde Wirklichkeit zunehmend vom Subjekt her gedacht. Spätere Entwicklungen in Biologie, Psychologie und Neurologie stellten jedoch auch das Subjekt selbst in Frage. Es droht der Verlust letzter Gewissheit und die Auflösung gemeinsamer Wirklichkeit.

Reines Denken kann die Zweifel nicht endgültig überwinden. Ohne eine Begrenzung des Skeptizismus droht Verzweiflung. Der Artikel zeigt, dass Descartes seinen Zweifel nur deshalb aushalten konnte, weil er ihn in den Glauben an Gott einbettete. Ohne diese Begrenzung stellt sich die Frage, ob Wahrheit und Wirklichkeit aufgegeben werden müssten. Ein rein pragmatischer Umgang mit Wirklichkeit würde jedoch zu einem Leben unter Vorbehalt führen, in dem nichts wirklich zählt.

Der Text schlägt deshalb einen anderen Zugang vor. Gewissheit zeigt sich nicht zuerst im isolierten Denken, sondern in Erfahrungen, die dem Denken vorausgehen. Eine solche Erfahrung ist die Begegnung mit dem anderen Menschen. Im Gegenüber wird der Mensch moralisch herausgefordert. Die Anerkennung des Anderen ist kein bloßer Erkenntnisakt, sondern ein moralischer Vollzug. Wirklichkeit erweist sich hier nicht nur als ontologische, sondern als moralische Kategorie.

Auch Erfahrungen des Schönen in Natur und Kunst können eine unmittelbare Wirklichkeitserfahrung eröffnen. Das Schöne wird nicht bloß subjektiv gedeutet, sondern als wahr erfahren. Ebenso wird in der Glaubenserfahrung Gott als Schöpfer erfahren, der Wirklichkeit schenkt und dem Zweifel eine Grenze setzt. Wer Gott als Schöpfer anerkennt, versteht Wirklichkeit als Gabe und nicht als bloßes Produkt des eigenen Denkens.

Abschließend wird betont, dass die Vernunft allein angesichts der Paradoxien des Wirklichen keinen letzten Halt findet. Der Zweifel darf nicht grenzenlos sein, weil in der Wirklichkeit des Anderen, der Welt und Gottes ein Anspruch erfahrbar wird, der anerkannt werden soll. Wirklichkeit erscheint damit als Gabe, die moralisch verpflichtet und als Wunder erfahren werden kann.

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