Der Beitrag beginnt mit einer Begriffsklärung: Außerschulisches Lernen umfasst Erkundung, Unterrichtsgang, Exkursion und Studienfahrt. Gemeinsame Merkmale sind die temporäre Verlagerung aus dem Klassenraum, Primärerfahrungen an originalen Schauplätzen, handlungsorientiertes und ganzheitliches Lernen sowie fächerübergreifendes Potenzial. Die historische Linie reicht von Comenius (1632) über den Heimatkundeunterricht des 19. Jahrhunderts bis zu den Reformpädagogen Dewey, Lietz, Freinet und Roth.
Für die Religionspädagogik weist Schulte nach, dass religiöse und spirituelle Erfahrung an keine Lokalität gebunden ist – von heiligen Bergen und Flüssen bis zu Kirchen, Krankenhäusern und Altenheimen. Sie systematisiert religionspädagogisch anschlussfähige Lernorte in einer Übersicht (Kirchen, Friedhöfe, Museen, Gedächtnisorte, Betriebe u. a.) und zeigt, wie die zentralen Lernbereiche (Wirklichkeit, Bibel, Gott, Jesus Christus, Mensch, Kirche, Religionen) an konkreten Orten erschlossen werden können.
Im Abschnitt zu kompetenzorientiertem Religionsunterricht ordnet sie außerschulische Erkundungen den fünf religionspädagogischen Kompetenzbereichen zu: Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, Urteilskompetenz, kommunikative Kompetenz und Handlungskompetenz – je differenziert für Primar- und Sekundarstufe. Kooperation mit anderen Fächern wird als strukturelle Notwendigkeit beschrieben, da Erkundungen fast nie auf ein Fach beschränkt bleiben.
Methodisch entfaltet Schulte den didaktischen Dreischritt Wahrnehmen – Deuten – Handeln als konstitutiv für alle Erkundungen, verbunden mit einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung. Sie beschreibt den idealtypischen Erkundungsablauf in fünf Phasen: Vorbereitung (Lernziel, Auftrag), Planung (Arbeitsgruppen), Durchführung, Auswertung/Präsentation und Feedback. Im Unterschied zur Exkursion liegt bei der Erkundung die Priorität auf der Selbsttätigkeit der Lernenden.
Abschließend benennt Schulte zwei Forschungsdesiderate: erstens die bisher kaum untersuchte Perspektive von Religionslehrkräften auf außerschulisches Lernen; zweitens die noch ausstehende Einarbeitung des spatial turn und des material turn (Raumbildung, Raumkompetenz, Artefaktorientierung) in eine Didaktik außerschulischer Lernorte sowie die Frage, wie wachsende Virtualität die Kernidee der „originalen Begegnung" beeinflusst.