Der Artikel eröffnet mit einem authentischen Gesprächsprotokoll: Die 8-jährige Lea reagiert auf die Antithese „halte ihm auch die andere Backe hin" zunächst mit Lachen, entwickelt dann aber eine eigenständige Plausibilisierung der Forderung als Strategie zur Bewirkung von Gesinnungswandel. Daran zeigt Roose, dass auch Grundschulkinder zu ethischer Reflexion fähig sind – was die didaktische Erschließung legitimiert.
Die exegetischen Klärungen entfalten vier Spannungsfelder: (1) Makarismen zwischen Weisheit und Apokalyptik – die Übersetzungsfrage (selig / glücklich / glückselig) berührt das eschatologische Gewicht des Textes; (2) Zuspruch und Anspruch – Strecker betont die Antithesen als Zentrum (Anspruch), Luz das Vater-Unser (Zuspruch), Klaiber nimmt eine Zwischenposition von den Seligpreisungen her; (3) Christologie und Ethik – ethische vs. christologische Deutung der „besseren Gerechtigkeit", verbunden mit der Frage nach Soteriologie und Verhältnis zur Tora; (4) Universalismus und Partikularismus – Adressatenfrage (Jünger / alle Christen / alle Menschen), Zwei-Stufen-Ethik vs. allgemeiner Anspruch.
Die didaktischen Entscheidungen behandeln sieben Fragekomplexe: (1) Moralerziehung vs. ethische Bildung – Roose plädiert für beides; die Anstößigkeit des Textes ermöglicht kritisch-reflektive Distanz; (2) Feldrede (Lk) vs. Bergpredigt (Mt) – Roose sieht keinen didaktischen Vorzug der historisch näher an Q liegenden Feldrede; (3) Einzelverse vs. Gesamtrede – die Gesamtstruktur bleibt den Klassen 9/10 vorbehalten; in der Grundschule werden Einzelverse thematisch eingebettet; (4) Gerichtsvorstellung – kann weggelassen werden (wie bei Oberthür), oder christologisch gegengewichtet werden; Gleichnis von den zwei Hausbauern lässt sich mit dem Märchen von den drei kleinen Schweinchen erschließen; (5) Zuspruch ohne Anspruch – beide Aspekte sollten thematisiert werden; aktuelle Lehrpläne (Bayern) kontextualisieren die Seligpreisungen im Horizont „gelingenden Lebens"; (6) Aktiv/passiv, präsentisch/futurisch – eschatologische Ausdeutung des ethischen Anspruchs bleibt der Lehrkraft überlassen; (7) Mit oder ohne Einbettung in den Jesus-Kontext – existentiell-offener Zugang (Baldermann) und biblisch-kontextualisierter Zugang (Freudenberger-Lötz) werden vorgestellt; bei den Antithesen empfiehlt Roose historische Einbettung, die Walter Winks Interpretation als gewaltfreien „dritten Weg" ermöglicht.