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Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde

Veröffentlichung:1.3.2009

Der Fachartikel ist im Heft ru heute 03 2009 enthalten unter dem Titel „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Christlicher Schöpfungsglaube und die modernen Naturwissenschaften“ von Tonke Dennebaum. Er umfasst S. 6 bis 13 und damit 8 Seiten. Der Beitrag ordnet die aktuellen Spannungen zwischen Schöpfungsglauben und Naturwissenschaften, stellt typische Grundpositionen dar und wirbt für einen theologisch verantworteten Dialog, der weder in Kreationismus noch in einen absoluten Naturalismus kippt. Als theologisches Kernproblem behandelt der Artikel, wie Gott als Schöpfer gedacht werden kann, ohne als Lückenfüller in naturwissenschaftlichen Erklärungen zu enden, und wie biblische Schöpfungsaussagen sinnvoll verstanden werden, ohne als Konkurrenz zu Evolutionstheorie und Kosmologie missverstanden zu werden. Außerdem thematisiert er die Frage nach der Reichweite naturwissenschaftlicher Methoden, die Gefahr von Vergötzung der Wissenschaft sowie die Frage, wie Kontingenz, Zufall und Vorsehung zusammen gedacht werden können.

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Tonke Dennebaum setzt mit der Beobachtung ein, dass das Verhältnis von christlichem Schöpfungsglauben und Naturwissenschaften im schulischen und öffentlichen Diskurs erneut konfliktgeladen ist. Anstoß ist eine Dortmunder Umfrage aus dem Darwinjahr 2009, in der ein Teil angehender Lehrkräfte die Evolutionstheorie ablehnt und dies öffentlich vorschnell mit Religionslehrkräften in Verbindung gebracht wird. Diese Situation nutzt der Autor, um die Notwendigkeit zu begründen, die christliche Position im Gespräch von Glaube und Wissenschaft fachlich sauber zu klären. Er beschreibt zwei Extrempole, die an Einfluss gewinnen, nämlich einen fundamentalistischen Kreationismus und einen wissenschaftlichen Naturalismus, und erinnert demgegenüber an die christliche Grundüberzeugung, dass Glaube und Vernunft zusammengehören und sich gegenseitig reinigen können. Danach strukturiert der Artikel die Debatte über vier Grundpositionen. Erstens wird der wissenschaftliche Naturalismus vorgestellt, der die Welt ausschließlich aus dem Kosmos erklärt und religiöse Aussagen für erkenntnislos hält. Dabei unterscheidet der Autor zwischen einem methodischen Naturalismus, der die Gottesfrage für wissenschaftliche Erklärungen als irrelevant behandelt, und einem starken ontologischen Naturalismus, der jede metaphysische Wirklichkeit ausschließt und faktisch atheistisch ist. Zweitens beschreibt der Beitrag die Intelligent Design Position, die kreationistische Intuitionen wissenschaftlich begründen will und dabei unter anderem mit angeblich irreduzibler Komplexität argumentiert und Lücken in Evolutionslinien als Hinweis auf göttliches Eingreifen deutet. Theologisch kritisiert der Autor, dass damit ein defizientes Schöpfungsbild entsteht und Gott zu einer innerweltlichen Ursache neben anderen wird, also zum Lückenbüßer, der mit jedem Fortschritt der Wissenschaft zurückgedrängt wird. Drittens stellt der Text Modelle vor, die Glaube und Naturwissenschaft möglichst strikt trennen, etwa Karl Barths Entkopplung der Schöpfungstheologie von naturwissenschaftlichen Fragen und Stephen Jay Goulds NOMA Prinzip, nach dem beide Bereiche getrennte Zuständigkeiten ohne Überschneidung besitzen. Diese Trennung wird jedoch als problematisch gezeigt, weil sie die Schöpfungsaussage entleeren kann, wenn Gott nicht mehr als Urheber und Vollender der erfahrbaren Welt gedacht werden darf. Viertens entfaltet der Autor als bevorzugte Perspektive das Konsonanzmodell, wie es Wolfhart Pannenberg formuliert: Theologie und Naturwissenschaft sind eigenständig und logisch gleichberechtigt, sollen aber in ihren Aussagen über die eine Welt miteinander vereinbar sein und sich positiv aufeinander beziehen, nicht nur widerspruchsfrei nebeneinander stehen. Anschließend zeichnet der Artikel die Umbrüche im physikalischen Weltbild nach, um zu zeigen, warum der Dialog heute anders geführt werden kann als in mechanistischen Weltdeutungen. Er skizziert den Übergang von Newtons klassischer Mechanik und dem deterministischen Ideal eines geschlossenen Uhrwerk Universums zu den Revolutionen des 20. Jahrhunderts, insbesondere Quantentheorie mit statistischen Aussagen und komplementären Beschreibungen sowie Einsteins Relativitätstheorie, die Raum und Zeit als abhängig von Materie und Gravitation versteht. Daraus ergibt sich kosmologisch der Weg vom statischen Universum zum Modell der Expansion und zum Urknall als Standardmodell, gestützt durch die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung. Der Autor betont, dass das Urknallmodell zunächst eine naturwissenschaftliche Hypothese ist und nicht einfach als Gottesbeweis missbraucht werden darf. Er erinnert an Lemaîtres Zurückhaltung gegenüber theologischen Vereinnahmungen und beschreibt zugleich, warum die Tatsache eines zeitlichen Beginns manche religiöse Deutungen begünstigt und andere provoziert, etwa die frühe positive Rezeption durch Pius XII. oder die Skepsis mancher Physiker, die eine Nähe zur Genesis vermeiden wollten. Trotzdem bleibt die entscheidende philosophische und theologische Frage offen, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, und damit der Raum für die Sinnfrage, die Naturwissenschaft als Naturwissenschaft nicht beantwortet. Im zweiten großen Themenfeld wendet sich der Artikel der Evolution zu. Er ordnet Darwins Werk in den Kontext der Physikotheologie ein, die aus Schönheit und Zweckmäßigkeit der Natur direkt auf einen planenden Schöpfer schließen wollte, etwa bei William Paley, und zeigt, wie Darwin dieses Argument durch natürliche Selektion untergrub. Historisch erinnert der Text an frühe kirchliche Ablehnungen der Evolution, an die Verhärtung der Fronten und an Formen eines Darwinismus, der Evolution zur totalen Weltdeutung erhebt. Gleichzeitig stellt der Autor Entwicklungen kirchlicher Positionierungen dar, etwa die zurückhaltende Aussage der Päpstlichen Bibelkommission von 1909, dass Gen 1 nicht naturwissenschaftlich lehren will, dann die Öffnung durch Humani generis 1950 und die verstärkte Dialogorientierung unter Johannes Paul II. Besonders wichtig ist die Linie, dass evolutionäre Prozesse und die Lehre von Gott als universaler Ursache nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen, weil geschöpfliche Ursachen in einer naturgesetzlichen Ordnung wirksam sein können, ohne Gottes Vorsehung auszuschließen, auch wenn Zufälligkeit und Kontingenz real sind. In diesem Zusammenhang grenzt der Artikel sowohl Neo Darwinismus ab, der Kontingenz verabsolutiert, als auch Intelligent Design, das theologisch und methodisch missverständlich arbeitet. Abschließend nimmt der Autor die Debatte um angebliche Nähe katholischer Theologie zu Intelligent Design auf, die unter anderem durch einen Text von Kardinal Schönborn befeuert wurde, und verweist darauf, dass diese Deutung gerade 2009 deutlich zurückgewiesen wurde. Zentral ist dabei Schönborns Klärung, dass Schöpfung nicht meint, Gott als innerweltliche Ursache neben anderen einzusetzen, sondern nach dem Grund des Daseins und nach Sinn zu fragen. Das Fazit des Artikels lautet, dass das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaft lange durch Distanz geprägt war, dass aber wissenschaftliche und theologische Entwicklungen heute einen neuen, fruchtbaren Dialog ermöglichen. Statt sich in eine bequeme Trennung der Zuständigkeiten zurückzuziehen, können beide Bereiche einander berühren, korrigieren und bereichern. In dieser Perspektive sind Schöpfungsglaube und Naturwissenschaften nicht Gegner, sondern können konsonant zusammenklingen, wenn die Grenzen und Eigenlogiken beachtet werden und zugleich die gemeinsame Bezogenheit auf die eine Wirklichkeit ernst genommen wird.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

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8.1 Die Welt verstehen: Naturwissenschaft und Mythen.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Der zweite Schöpfungstext

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