Didaktisch ist der Entwurf stark kompetenzorientiert angelegt und setzt auf problemorientiertes sowie schüleraktives Lernen. Der erste Baustein arbeitet mit optischen Täuschungen oder 3D-Brillen, um die Konstruktion von Wirklichkeit erfahrbar zu machen. Diese erfahrungsbezogene Irritation ist methodisch entscheidend, da sie eine kognitive Öffnung erzeugt: Wirklichkeit erscheint nicht mehr als selbstverständlich gegeben, sondern als perspektivisch vermittelt. Im zweiten Schritt wird die biblische Schöpfungserzählung – etwa Gen 1,1–2,3 – als Deutungsangebot vorgestellt und historisch kontextualisiert (Priesterschrift im Exil). Hier empfiehlt sich eine Kombination aus Bilderschließung, Textarbeit und gelenktem Unterrichtsgespräch. Besonders fruchtbar ist der synchrone Vergleich mit einem naturwissenschaftlichen Text zur Evolution, um die unterschiedlichen Sprachformen, Erkenntnisinteressen und Aussageabsichten herauszuarbeiten. Im fakultativen dritten Baustein werden gattungsspezifische Merkmale sowie altorientalische Hintergründe erarbeitet (z.B. Abgrenzung gegenüber dem babylonischen Mythos „Enuma Elisch“). Der vierte Baustein vertieft die Reflexion durch arbeitsteilige Gruppenarbeit zu verschiedenen Schöpfungsverständnissen (berichthaft-wörtlich, bildlich-metaphorisch, interdependente Hermeneutik). Hier bietet sich eine strukturierte Pro-Contra-Analyse, die Präsentation im Plenum sowie eine abschließende Positionslinie oder ein schriftliches Reflexionsformat an. Methodisch zentral ist die bewusste Verschränkung von kognitiver Analyse, ästhetischer Wahrnehmung (Bildarbeit, z.B. Hungertuch) und existenzieller Selbstreflexion. So wird komplementäres Denken nicht nur als Theorie vermittelt, sondern als Haltung eingeübt: Die Lernenden erkennen, dass die Frage nach der Schöpfung immer auch eine Frage nach dem eigenen Wirklichkeits- und Selbstverständnis ist und ethische Verantwortung impliziert.