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Bistum MainzRU HeuteMarkus Birner

Bistum Mainz,

RU Heute,

Markus Birner

Komplementäres Denken lehren

Veröffentlichung:1.3.2009

Die Unterrichtsreihe „Komplementäres Denken lehren“ mit acht Seiten und vier Bausteinenn von Markus Birner entfaltet einen unterrichtspraktisch erprobten Zugang zum Thema Schöpfung im katholischen Religionsunterricht der Sekundarstufe I. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die klassische Gegenüberstellung von naturwissenschaftlicher Welterklärung und biblischem Schöpfungsglauben zwar häufig unter dem Stichwort „Komplementarität“ erfolgt, jedoch für viele Schülerinnen und Schüler kognitiv überfordernd bleibt. Anstelle einer bloßen Gegenüberstellung der Geltungsbereiche entwickelt Birner einen polyperspektivischen Ansatz: Wirklichkeit wird als konstruiert, mehrdimensional und deutungsbedürftig verstanden. In vier Bausteinen – Wahrnehmung von Wirklichkeit (optische Täuschungen), Begegnung mit der biblischen Urgeschichte (u.a. anhand einer Darstellung von Hildegard von Bingen), Erarbeitung der Entstehungssituation von Gen 1 im babylonischen Exil sowie die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Schöpfungsverständnissen (Kreationismus, Intelligent Design, hermeneutischer Zugang) – werden die Lernenden schrittweise zu einem reflektierten, komplementären Denken geführt. Dabei werden auch Positionen wie die des Philosophen Robert Spaemann im Interview einbezogen. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, unterschiedliche Wirklichkeitsdeutungen als gleichwertige, sich ergänzende, aber auch spannungsreiche Perspektiven wahrzunehmen und daraus eigene ethische Konsequenzen abzuleiten.

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Didaktisch ist der Entwurf stark kompetenzorientiert angelegt und setzt auf problemorientiertes sowie schüleraktives Lernen. Der erste Baustein arbeitet mit optischen Täuschungen oder 3D-Brillen, um die Konstruktion von Wirklichkeit erfahrbar zu machen. Diese erfahrungsbezogene Irritation ist methodisch entscheidend, da sie eine kognitive Öffnung erzeugt: Wirklichkeit erscheint nicht mehr als selbstverständlich gegeben, sondern als perspektivisch vermittelt. Im zweiten Schritt wird die biblische Schöpfungserzählung – etwa Gen 1,1–2,3 – als Deutungsangebot vorgestellt und historisch kontextualisiert (Priesterschrift im Exil). Hier empfiehlt sich eine Kombination aus Bilderschließung, Textarbeit und gelenktem Unterrichtsgespräch. Besonders fruchtbar ist der synchrone Vergleich mit einem naturwissenschaftlichen Text zur Evolution, um die unterschiedlichen Sprachformen, Erkenntnisinteressen und Aussageabsichten herauszuarbeiten. Im fakultativen dritten Baustein werden gattungsspezifische Merkmale sowie altorientalische Hintergründe erarbeitet (z.B. Abgrenzung gegenüber dem babylonischen Mythos „Enuma Elisch“). Der vierte Baustein vertieft die Reflexion durch arbeitsteilige Gruppenarbeit zu verschiedenen Schöpfungsverständnissen (berichthaft-wörtlich, bildlich-metaphorisch, interdependente Hermeneutik). Hier bietet sich eine strukturierte Pro-Contra-Analyse, die Präsentation im Plenum sowie eine abschließende Positionslinie oder ein schriftliches Reflexionsformat an. Methodisch zentral ist die bewusste Verschränkung von kognitiver Analyse, ästhetischer Wahrnehmung (Bildarbeit, z.B. Hungertuch) und existenzieller Selbstreflexion. So wird komplementäres Denken nicht nur als Theorie vermittelt, sondern als Haltung eingeübt: Die Lernenden erkennen, dass die Frage nach der Schöpfung immer auch eine Frage nach dem eigenen Wirklichkeits- und Selbstverständnis ist und ethische Verantwortung impliziert.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8.1 Die Welt verstehen: Naturwissenschaft und Mythen.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Der zweite Schöpfungstext

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