Das Planspiel eignet sich besonders für den Einsatz in der Sekundarstufe II sowie in Kursen der politischen Bildung und kann auch im Religionsunterricht eingesetzt werden, wenn Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Solidarität, Menschenwürde, Verantwortung und europäischer Gemeinschaft thematisiert werden. Die Lernenden erwerben politische Urteilsfähigkeit, Perspektivwechselkompetenz sowie kommunikative und kooperative Fähigkeiten. Durch die Übernahme unterschiedlicher Rollen erfahren sie, dass politische Entscheidungen selten eindimensional sind, sondern das Ergebnis von Interessenabwägungen, Verhandlungen und Kompromissen darstellen.
Methodisch empfiehlt sich eine mehrstündige Durchführung, da die Vorbereitungsphase, die Einarbeitung in die Rollenprofile, die Verhandlungen sowie die Auswertung ausreichend Zeit benötigen. Besonders gewinnbringend ist die Einbindung einer Mediengruppe, die Interviews führt, Pressekonferenzen organisiert oder Nachrichtensendungen gestaltet. Dadurch wird die Bedeutung von Öffentlichkeit und Medien für politische Prozesse erfahrbar. Während der Verhandlungsphasen sollten bewusst Freiräume für informelle Gespräche, Bündnisbildungen und strategische Absprachen geschaffen werden, da diese wesentliche Elemente politischer Entscheidungsfindung darstellen.
Für den Religionsunterricht bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte an. Die Lernenden können sozialethische Fragen nach Gerechtigkeit, Solidarität zwischen Generationen, Verantwortung gegenüber Migrantinnen und Migranten sowie dem Verhältnis von nationalen und europäischen Interessen reflektieren. Im Anschluss an das Planspiel können die Ergebnisse mit christlichen Sozialprinzipien wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohlorientierung verglichen werden. Eine ausführliche Reflexionsphase ist unverzichtbar, um die Erfahrungen aus den Rollen herauszulösen und auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen in Europa zu übertragen.
Der Einstieg gelingt über die Auswertung von Gesetzestexten zu Freiheitsrechten der Menschen der EU: Feie Verkehr für Waren,
Freier Verkehr für Personen, Freier Verkehr für Dienstleistungen, Freier Verkehr für Kapital. Somit hben Eu-Bürger das Recht überall in der EU zu arbeiten und zu leben.
Im Material folgen die Rollenkarten für eine umfangreich Palette von Diskurspartnern mit ihren jeweiligen Verhandlungspositionen. Diese umfassen sowohl Eu Länder als auch EU Institutionen wie den rat der EU. Insgesamt sind 24 Rollenkarten enthalten. Diese müssen nicht alle vergeben werden.
Material 9 von Seite 124 an zeigt den Ablaufs der Verhandlungen im Planspiel.
Nach der Eröffnungsrede finden die ersten informellen Gespräche in sieben Phasen statt. Beratung und Strategiebildung der Gruppen untereinander erfolgt um genug Stimmen für oder gegen verschiedene Änderungen im Papier zu erlangen. In der dritten Phase wird ein Vorschlag für die Gestaltung einer Richtlinie diskutier. Stellungnahmen dazu werden verfasst die ersten Presseartikel erscheinen. Weitere Verhandlungen mit Änderungsanträgen finden statt. Der Vorschlag des Europäischen Parlaments wird besprochen und Gespräche mit der Europäischen Kommission finden statt. Die Phasen werden detailliert tabellarisch erklärt.
Die Verhandlungen führen zu einer Abstimmung. Diese endet mit der Billigung der entsprechenden Texte, oder zu einer ersten Runde von weiteren Verhandlungen im Vermittlungsausschuss. Phase 7 besteht aus der Sitzung des Vermittlungsausschusses und eine abschließenden Debatte. Danach erfolgt die letzte Abstimmung bei der der Rechtsakt erneut entweder angenommen oder abgelehnt werden kann.
Die Erfahrungen als Vertreter der entsprechenden Gruppen werden dann in einer Diskussionsrunde erörtert.
M1 bis M3 Rechtliche Grundlagen
Die Lernenden erarbeiten die rechtlichen Grundlagen der Europäischen Union, insbesondere die Zuständigkeiten der EU im Bereich der Sozialpolitik und Arbeitnehmerfreizügigkeit. Im Unterricht dienen die Materialien zur fachlichen Vorbereitung des Planspiels und zur Klärung zentraler Begriffe und Kompetenzen.
M4 Das Gesetzgebungsverfahren in der EU
Die Lernenden lernen das ordentliche Gesetzgebungsverfahren kennen und verstehen die Rollen von Kommission, Parlament und Rat. Im Unterricht kann das Verfahren visualisiert und anhand eines Schaubilds nachvollzogen werden. Es bildet die Grundlage für die spätere Simulation.
M5 Eröffnungsrede der EU Kommissarin beziehungsweise des EU Kommissars für Beschäftigung Soziales und Chancengleichheit
Mit diesem Material wird das Planspiel eröffnet. Die Kommission stellt das Problem dar und begründet den politischen Handlungsbedarf. Die Lernenden erhalten dadurch einen authentischen Einstieg in die Simulation und erkennen die Ausgangslage des Gesetzgebungsvorhabens.
M6 Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Verordnung zur besseren Koordinierung der Sozialsysteme
Die Lernenden analysieren einen fiktiven Gesetzesvorschlag. In den Fraktionen und Delegationen diskutieren sie Chancen, Risiken und Änderungswünsche. Anschließend beginnen die politischen Verhandlungen zwischen den verschiedenen Akteuren.
M7 Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Richtlinie zur gegenseitigen Anerkennung der Rentenversicherung
Dieses Material erweitert die Diskussion um die Frage, wie Rentenansprüche europaweit anerkannt werden können. Die Lernenden vertreten unterschiedliche nationale und politische Interessen und entwickeln Kompromissvorschläge.
M8 Ablauf des Planspiels
Hier finden die Lernenden und die Lehrkraft einen detaillierten Zeit und Ablaufplan. Im Unterricht dient das Material als Orientierung für die einzelnen Phasen von Vorbereitung, Verhandlung, Pressearbeit und Abstimmung.
M9 Planspielmatrix
Die Matrix bietet einen Überblick über Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungswege. Die Lernenden können damit ihre Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten nachvollziehen. Für die Lehrkraft ist sie ein wichtiges Steuerungsinstrument.
M10 So sah die Verordnung in ihrem Ergebnis in der Realität aus
Nach Abschluss der Simulation vergleichen die Lernenden ihr Verhandlungsergebnis mit der tatsächlichen europäischen Regelung. Dadurch wird eine reflektierende Auswertungsphase ermöglicht. Die Lernenden beurteilen die Qualität ihrer Entscheidungen und erkennen Unterschiede zwischen politischer Simulation und realer Politik.
Rollenmaterialien
Zusätzlich erhalten die Lernenden umfangreiche Rollenprofile für:
Europäische Kommission
Europäisches Parlament und verschiedene Fraktionen
Rat der Europäischen Union mit unterschiedlichen Mitgliedstaaten
Pressegruppe
Jede Gruppe erhält spezifische Interessen, Ziele, Hintergrundinformationen und Handlungsaufträge. Im Unterricht werden diese Rollen vorbereitet, vertreten und in Verhandlungen eingebracht. Die Lernenden erleben dadurch politische Entscheidungsprozesse aus unterschiedlichen Perspektiven.
Typischer Unterrichtsablauf
Fachliche Einführung in Migration, Arbeitnehmerfreizügigkeit und Sozialpolitik
Rollenvergabe und Einarbeitung in die Materialien M1 bis M7
Fraktions und Delegationssitzungen
Pressearbeit und Interviews
Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission
Abstimmungen über Änderungsanträge
Vergleich mit der realen Verordnung anhand von M10
Reflexion zu Gerechtigkeit, Solidarität und europäischer Integration