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Knietsche

Knietsche

Knietzsche und die Phantasie

Veröffentlichung:19.7.2020

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Der Film eignet sich besonders für den Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 5 und 6 des Gymnasiums, kann aber auch in der Grundschule sowie in höheren Jahrgangsstufen mit entsprechend vertieften Fragestellungen eingesetzt werden. Aus religionspädagogischer Perspektive bietet er zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit der menschlichen Vorstellungskraft, der Kreativität, der Hoffnung, dem Glauben und der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Wirklichkeitswahrnehmung. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass Menschen ihre Welt nicht ausschließlich durch sinnliche Wahrnehmung und rationales Denken erschließen, sondern auch durch innere Bilder, Träume, Wünsche und Vorstellungen. Diese Fähigkeit ist für religiöse Bildungsprozesse von besonderer Bedeutung, da religiöse Sprache häufig mit Symbolen, Gleichnissen und Bildern arbeitet, die über unmittelbar sichtbare und überprüfbare Wirklichkeit hinausweisen.

Als Einstieg in die Unterrichtsstunde bietet sich ein offener Impuls an, bei dem die Lernenden darüber nachdenken, wie eine Welt ohne Phantasie aussehen würde. Sie können zunächst in Einzelarbeit eigene Gedanken sammeln und diese anschließend mit einem Lernpartner austauschen. Alternativ kann die Lehrkraft einen ungewöhnlichen Gegenstand präsentieren und die Lernenden dazu auffordern, sich möglichst viele erfundene Verwendungsmöglichkeiten auszudenken. Auf diese Weise erleben sie unmittelbar, dass Phantasie neue Möglichkeiten eröffnet und scheinbar Selbstverständliches verändert. Im anschließenden Unterrichtsgespräch können erste Vermutungen darüber gesammelt werden, warum Menschen Phantasie benötigen und welche Bedeutung sie für das eigene Leben besitzt.

Während der Filmvorführung erhalten die Lernenden einen gezielten Beobachtungsauftrag. Sie sollen darauf achten, mit welchen Bildern Knietzsche die Phantasie beschreibt, welche Möglichkeiten sie dem Menschen eröffnet und welche Aussagen über das Verhältnis von Phantasie und Wirklichkeit getroffen werden. Nach der Vorführung können die zentralen Gedanken zunächst mündlich zusammengetragen und anschließend in einer Mindmap gesichert werden. Besonders geeignet ist die nähere Untersuchung der im Film verwendeten Vergleiche. Die Lernenden erläutern beispielsweise, weshalb Phantasie mit einer wichtigen Zutat beim Backen verglichen wird und warum Knietzsche sie als Zugang zu einer eigenen Vorstellungswelt beschreibt. Dadurch werden sowohl die Fähigkeit zur Deutung bildhafter Sprache als auch das abstrakte Denken gefördert.

Eine religionspädagogische Vertiefung ergibt sich aus der Frage, welche Rolle Phantasie für den Glauben spielt. Religiöse Vorstellungen beziehen sich häufig auf eine Wirklichkeit, die sich der unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Die Lernenden können untersuchen, weshalb Menschen Bilder und Symbole verwenden, wenn sie über Gott, den Himmel, das Reich Gottes oder eine gerechte und friedliche Welt sprechen. Dabei sollte ausdrücklich zwischen Phantasie, religiösem Glauben und überprüfbarem Wissen unterschieden werden. Phantasie kann helfen, religiöse Aussagen zu verstehen und sich mit möglichen Deutungen auseinanderzusetzen. Daraus folgt jedoch weder, dass religiöse Vorstellungen lediglich erfunden sind, noch, dass vorgestellte Inhalte bereits als wahr gelten können. Diese Unterscheidung unterstützt eine reflektierte religiöse Urteilsbildung.

Für die Arbeit mit biblischen Texten bietet sich insbesondere die Schöpfungserzählung in Genesis 1,1 bis 2,3 an. Die Lernenden können untersuchen, welche Bilder der Text verwendet, um die Entstehung und Ordnung der Welt darzustellen, und welche Vorstellungen von Gott und Mensch darin zum Ausdruck kommen. Ein weiterer geeigneter Zugang ist die prophetische Friedensvision in Jesaja 11,6 bis 9. Die ungewöhnlichen Bilder eines friedlichen Zusammenlebens von Tieren, die normalerweise miteinander in einem Verhältnis von Bedrohung und Gefahr stehen, verdeutlichen, wie die Vorstellungskraft dazu beitragen kann, über die gegenwärtige Wirklichkeit hinauszudenken. Die Lernenden erkennen, dass biblische Hoffnungsbilder nicht nur eine andere Welt beschreiben, sondern auch dazu anregen können, das eigene Handeln an Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung auszurichten.

Methodisch kann diese Auseinandersetzung durch kreative Gestaltungsaufgaben vertieft werden. Die Lernenden entwerfen beispielsweise ein Bild, eine Collage oder einen kurzen Text zu der Frage, wie eine Welt aussehen könnte, in der alle Menschen friedlich und gerecht miteinander leben. Die entstandenen Arbeiten werden anschließend präsentiert und mit den biblischen Hoffnungsbildern verglichen. Dabei wird deutlich, dass Phantasie nicht ausschließlich der persönlichen Unterhaltung dient, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen anstoßen kann. Wer sich eine bessere Welt vorstellen kann, ist möglicherweise eher bereit, konkrete Schritte zu ihrer Gestaltung zu unternehmen. Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen Vorstellungskraft, Hoffnung und verantwortlichem Handeln sichtbar.

Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Bedeutung von Phantasie für das Verständnis der Gleichnisse Jesu liegen. Besonders geeignet ist das Gleichnis vom Senfkorn in Markus 4,30 bis 32. Die Lernenden untersuchen, wie Jesus mithilfe eines alltäglichen Bildes eine Vorstellung vom Reich Gottes vermittelt. Sie können anschließend eigene Vergleiche entwickeln, mit denen sich Hoffnung, Vertrauen oder Gottes Nähe ausdrücken lassen. Dadurch erfahren sie, dass religiöse Sprache nicht immer eindeutige Beschreibungen liefert, sondern häufig zum Nachdenken, Deuten und Weiterfragen einlädt.

Für leistungsstärkere Lerngruppen oder höhere Jahrgangsstufen empfiehlt sich eine philosophische Vertiefung der Frage, ob alles, was Menschen sich vorstellen können, auch möglich oder wirklich sein muss. Hierbei können die Lernenden zwischen Phantasie, Illusion, Wunschdenken, Hoffnung und Glauben unterscheiden. Eine strukturierte Diskussion darüber, ob Phantasie Menschen eher von der Wirklichkeit entfernt oder ihnen hilft, diese zu verändern, fördert die Argumentationsfähigkeit und die Entwicklung eines begründeten eigenen Standpunktes. Auch die Frage, ob religiöser Glaube ohne Vorstellungskraft möglich wäre, bietet sich für ein philosophisches Unterrichtsgespräch an.

Zur Ergebnissicherung können die Lernenden einen persönlichen Reflexionstext mit dem Titel „Warum Menschen Phantasie brauchen“ verfassen. Darin sollen sie mindestens zwei Gedanken aus dem Film aufgreifen, einen Bezug zu einem behandelten biblischen Text herstellen und ihre eigene Auffassung begründen. Alternativ kann ein gemeinsames Plakat entstehen, das die Bedeutung von Phantasie für Kreativität, Hoffnung, Glauben und gesellschaftliches Zusammenleben veranschaulicht. Der Film unterstützt damit insbesondere die Wahrnehmungsfähigkeit, Deutungskompetenz, Dialogfähigkeit, Urteilskompetenz und Gestaltungskompetenz. Er eignet sich sowohl als motivierender Einstieg in eine Unterrichtsreihe zu Träumen, Visionen und Hoffnung als auch zur Vertiefung der Frage, wie Menschen mithilfe von Bildern und Symbolen über Gott und die Welt nachdenken.



Fragestellungen zum Video mit Operatoren und Musterantworten

Die folgenden Aufgaben orientieren sich an den üblichen Operatoren des gymnasialen Religionsunterrichts. Sie berücksichtigen die drei Anforderungsbereiche Reproduktion, Reorganisation und Transfer sowie Reflexion und Bewertung. Die Antworten sind als mögliche Erwartungshorizonte formuliert. Die weiterführenden theologischen Fragestellungen gehen bewusst über den unmittelbaren Inhalt des Films hinaus.

Anforderungsbereich I: Wiedergeben und Beschreiben

Aufgabe 1: Beschreibe, wie Knietzsche die Phantasie im Film darstellt.

Operator: Beschreiben

Musterantwort: Knietzsche beschreibt die Phantasie als eine wichtige Fähigkeit des Menschen, die das Leben bereichert und neue Möglichkeiten eröffnet. Durch die Phantasie können Menschen sich unbekannte Orte vorstellen, eigene Geschichten entwickeln und gedanklich Abenteuer erleben. Sie ermöglicht es, Dinge vor dem inneren Auge zu sehen, die in der unmittelbaren Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Knietzsche verdeutlicht dies durch anschauliche Vergleiche.

Aufgabe 2: Gib wieder, welche Bedeutung die Phantasie nach Knietzsche für das menschliche Leben hat.

Operator: Wiedergeben

Musterantwort: Nach Knietzsche macht die Phantasie das Leben abwechslungsreicher, spannender und lebendiger. Sie hilft Menschen, über das unmittelbar Sichtbare hinauszudenken und eigene Vorstellungswelten zu erschaffen. Ohne Phantasie wären viele Geschichten, Ideen und gedankliche Abenteuer nicht möglich.

Anforderungsbereich II: Erläutern, Analysieren und Vergleichen

Aufgabe 3: Erläutere den Vergleich der Phantasie mit der Hefe in einem Kuchenteig.

Operator: Erläutern

Musterantwort: Hefe sorgt dafür, dass ein Teig aufgeht und sich verändert. In ähnlicher Weise kann die Phantasie das menschliche Leben bereichern und neue Entwicklungen ermöglichen. Der Vergleich verdeutlicht, dass Phantasie nicht nur eine nebensächliche Fähigkeit ist, sondern wesentlich dazu beitragen kann, dass Menschen neue Ideen entwickeln und ihr Leben als vielfältig erfahren.

Aufgabe 4: Analysiere, welche Bedeutung die bildhafte Sprache für die Aussagen des Films besitzt.

Operator: Analysieren

Musterantwort: Der Film verwendet bildhafte Vergleiche, um die abstrakte Fähigkeit der Phantasie verständlich zu machen. Die Vorstellung einer eigenen Welt, die nur durch Gedanken zugänglich ist, veranschaulicht die persönliche und grenzenüberschreitende Dimension der Phantasie. Die Bilder erleichtern das Verständnis und regen gleichzeitig dazu an, eigene Vorstellungen zu entwickeln. Dadurch wird die Botschaft des Films nicht nur sachlich vermittelt, sondern auch emotional und kreativ erfahrbar.

Aufgabe 5: Vergleiche die Bedeutung der Phantasie im Film mit der Bedeutung von Bildern und Symbolen in der religiösen Sprache.

Operator: Vergleichen

Musterantwort: Sowohl im Film als auch in der religiösen Sprache ermöglichen Bilder und Vorstellungen einen Zugang zu Sachverhalten, die nicht unmittelbar sichtbar oder einfach zu erklären sind. Während Knietzsche die Phantasie vor allem als persönliche Fähigkeit zur Entwicklung innerer Welten darstellt, dienen religiöse Bilder dazu, Erfahrungen, Hoffnungen und Glaubensüberzeugungen auszudrücken. Gemeinsam ist beiden, dass sie über eine rein sachliche Beschreibung hinausgehen. Ein Unterschied besteht darin, dass religiöse Bilder innerhalb einer Glaubenstradition gedeutet werden und häufig Aussagen über Gott und das Verhältnis des Menschen zur Welt enthalten.

Aufgabe 6: Erläutere anhand von Jesaja 11,6 bis 9, welche Bedeutung die Vorstellungskraft für biblische Hoffnungsbilder besitzt.

Operator: Erläutern

Musterantwort: Der Prophet Jesaja beschreibt eine Welt, in der Tiere friedlich zusammenleben, obwohl sie in der Natur normalerweise Feinde sind. Diese ungewöhnlichen Bilder verdeutlichen die Hoffnung auf einen umfassenden Frieden. Die Vorstellungskraft hilft dabei, sich eine Wirklichkeit vorzustellen, die sich grundlegend von den gegenwärtigen Verhältnissen unterscheidet. Das biblische Hoffnungsbild kann Menschen ermutigen, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Anforderungsbereich III: Beurteilen, Erörtern und Gestalten

Aufgabe 7: Beurteile die Aussage: „Ohne Phantasie kann es keine Hoffnung geben.“

Operator: Beurteilen

Musterantwort: Die Aussage ist in vielerlei Hinsicht überzeugend, weil Hoffnung häufig mit der Vorstellung verbunden ist, dass sich eine gegenwärtige Situation verbessern kann. Wer sich keine andere Zukunft vorstellen kann, hat möglicherweise Schwierigkeiten, neue Möglichkeiten zu erkennen. Allerdings entsteht Hoffnung nicht ausschließlich aus Phantasie. Auch Vertrauen, persönliche Erfahrungen, zwischenmenschliche Beziehungen und religiöse Überzeugungen können Hoffnung begründen. Deshalb ist Phantasie eine wichtige Unterstützung für die Hoffnung, aber nicht ihre einzige Voraussetzung.

Aufgabe 8: Erörtere, ob religiöser Glaube ohne Phantasie möglich ist.

Operator: Erörtern

Musterantwort: Einerseits spielt Phantasie für den religiösen Glauben eine wichtige Rolle. Menschen verwenden Bilder, Symbole und Geschichten, um über Gott und religiöse Erfahrungen nachzudenken. Ohne Vorstellungskraft wäre es schwieriger, biblische Gleichnisse oder religiöse Hoffnungsbilder zu verstehen. Andererseits beruht Glaube aus religiöser Perspektive nicht allein auf Phantasie, sondern auch auf Vertrauen, Überlieferung, persönlichen Erfahrungen und gemeinschaftlicher religiöser Praxis. Phantasie kann somit den Zugang zum Glauben erleichtern, ist aber nicht mit dem Glauben selbst gleichzusetzen.

Aufgabe 9: Nimm begründet Stellung zu der Aussage: „Phantasie verändert nicht die Wirklichkeit, sondern nur unsere Gedanken.“

Operator: Stellung nehmen

Musterantwort: Die Aussage ist nur teilweise richtig. Phantasie verändert zunächst unsere Gedanken, weil wir uns neue Möglichkeiten und andere Lebenssituationen vorstellen. Diese Vorstellungen können jedoch Auswirkungen auf unser Handeln haben. Wer sich beispielsweise eine friedlichere Welt vorstellt, kann daraus die Motivation entwickeln, Konflikte gewaltfrei zu lösen oder anderen Menschen zu helfen. Phantasie verändert die Wirklichkeit also nicht automatisch, kann aber ein wichtiger Ausgangspunkt für tatsächliche Veränderungen sein.

Aufgabe 10: Entwickle eine eigene Vision einer gerechten und friedlichen Welt und erläutere, welche Bedeutung christliche Hoffnungsbilder für deine Vorstellung haben.

Operatoren: Entwickeln und Erläutern

Musterantwort: In meiner Vorstellung einer gerechten Welt haben alle Menschen ausreichend Nahrung, einen sicheren Lebensraum und die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Konflikte werden durch Gespräche gelöst, und niemand wird aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner Lebensweise ausgegrenzt. Diese Vorstellung erinnert an biblische Friedensvisionen, in denen Gewalt und Feindschaft überwunden werden. Christliche Hoffnungsbilder können Menschen dazu ermutigen, eine solche Welt nicht nur als unerreichbaren Traum zu betrachten, sondern bereits im eigenen Alltag Schritte in Richtung Frieden, Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu unternehmen.

Die Aufgaben ermöglichen eine schrittweise Erschließung des Films von der inhaltlichen Wiedergabe über die Deutung seiner philosophischen Aussagen bis zur eigenständigen religiösen und ethischen Urteilsbildung. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 eignen sich besonders die Aufgaben 1 bis 6 sowie die gestalterische Aufgabe 10. Die Aufgaben 7 bis 9 können zur vertieften Reflexion und Differenzierung eingesetzt werden.

Hessen

Hessen

Primarstufe | Primarstufe 1/2

Mensch und Welt (Hessen | Primarstufe 1/2).

Primarstufe | Primarstufe 3/4

Mensch und Welt (Hessen | Primarstufe 3/4).

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 5

5G.1 Sich etwas zutrauen. Angenommensein: Selbstvertrauen und Glaube.

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6G.3 Dem Gott, der befreit, trauen. Aufbruch, Weggeleit, Ankunft.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Primarstufe | Primarstufe 1/2

Mensch und Welt (Rheinlandpfalz | Primarstufe 1/2).

Primarstufe | Primarstufe 3/4

Mensch und Welt (Rheinlandpfalz | Primarstufe 3/4).

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6.3 Von einer besseren Welt erzählen: Das Reich Gottes.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • In welcher Welt lebe ich? Von welcher Welt träume ich?

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7.1 Protestieren und Aufbegehren: Prophetisches Handeln.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • In der Nachfolge leben – das Pfingstereignis

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