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Evangelische Landeskirche Württemberg

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„Wir sind hier! Sinti und Roma unter uns“

Veröffentlichung:25.9.2025

Das Video beschäftigt sich mit der Geschichte, Kultur und Lebenswirklichkeit von Sinti und Roma, der größten Minderheit Europas. Im Mittelpunkt stehen junge Menschen, die offen über ihre Identität, ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung und ihren Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung sprechen. Gleichzeitig vermittelt das Video grundlegende Informationen über die Herkunft der Sinti und Roma, ihre Geschichte seit der Einwanderung aus Nordwestindien, ihre Verfolgung über viele Jahrhunderte sowie den Völkermord während der Zeit des Nationalsozialismus. Darüber hinaus wird gezeigt, dass Diskriminierung und Antiziganismus bis in die Gegenwart fortbestehen. Das Video macht deutlich, wie wichtig Erinnerung, Aufklärung und persönliches Kennenlernen sind, um Vorurteile abzubauen und Menschenwürde, Vielfalt und gegenseitigen Respekt zu fördern.

Der Dokumentarfilm „Wir sind hier!“ gibt jugendlichen Sinti und Roma eine Stimme, die ihre Geschichten von Diskriminierung, Ausgrenzung, Selbstbehauptung und Stolz erzählen. Leon, Esa, Julischka, El und David berichten von persönlichen Erfahrungen: von homophoben Beleidigungen, Mobbing in Schule und Studium, offenen Diskriminierungen in Restaurants oder dem schmerzhaften Verbergen der eigenen Identität. Ihre Erzählungen werden eingebettet in die Geschichte von Sinti und Roma in Europa – von der Einwanderung aus Nordindien über Jahrhunderte der Verfolgung bis zum Völkermord im Nationalsozialismus, dem Porajmos. Mehr als 500.000 Sinti und Roma wurden ermordet, darunter auch Angehörige ihrer Familien. Widerstandskämpfer wie Otto Rosenberg oder der Boxer Rukeli Trollmann werden als Beispiele des mutigen Aufbegehrens vorgestellt. Auch nach 1945 erlitten Sinti und Roma in der Bundesrepublik erneut Diskriminierung, etwa durch rassistische Urteile des Bundesgerichtshofs, der ihnen lange Zeit Entschädigungen verweigerte. Erst durch den Einsatz der Minderheit selbst und Protestaktionen wurde der Völkermord 1982 offiziell anerkannt. Der Film zeigt zugleich die Gegenwart: junge Schauspielerinnen und Schauspieler einer Berliner Roma-Theatergruppe fordern Respekt, Sichtbarkeit und die Überwindung von Vorurteilen. „Wir sind hier, nehmt uns wahr!“ – ihre Botschaft richtet sich besonders an Schulen, Vereine und die Gesellschaft insgesamt.

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Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II in den Themenfeldern Menschenwürde, Vielfalt, Vorurteile, Rassismus, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Menschenrechte und Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft. Es eröffnet den Lernenden einen persönlichen Zugang zu einem häufig wenig bekannten Thema und verbindet historische Informationen mit aktuellen Erfahrungen junger Menschen. Dadurch werden sowohl kognitive als auch emotionale Lernprozesse angeregt.

Als Einstieg kann die Frage gestellt werden, welche Minderheiten die Lernenden in Deutschland kennen und welche Vorstellungen sie mit Sinti und Roma verbinden. Die Begriffe Vorurteil, Ausgrenzung und Diskriminierung können zunächst gesammelt und anschließend mit den Aussagen des Videos verglichen werden. Dadurch werden bestehende Vorstellungen sichtbar und können im weiteren Unterricht reflektiert werden.

Während des Sehens bietet sich ein Beobachtungsauftrag an. Die Lernenden notieren Aussagen zur Geschichte der Sinti und Roma, Beispiele für Diskriminierung sowie Wünsche der interviewten Jugendlichen für die Zukunft. Anschließend können die Ergebnisse in Kleingruppen verglichen und geordnet werden.

In einer weiteren Unterrichtsphase können die Lernenden eine Zeitleiste erstellen, die von der Herkunft der Sinti und Roma über die jahrhundertelange Ausgrenzung bis zur Anerkennung des nationalsozialistischen Völkermordes und den heutigen Bemühungen um Gleichberechtigung reicht. Dadurch werden historische Entwicklungen nachvollziehbar und gegenwärtige Herausforderungen verständlich.

Besonders geeignet ist das Video für eine Diskussion über Menschenwürde und christliche Verantwortung. Die Lernenden können überlegen, welche Bedeutung die biblische Aussage besitzt, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Daraus ergeben sich Gespräche über Respekt, Nächstenliebe, Zivilcourage und den Umgang mit Vorurteilen im Schulalltag.

Methodisch bietet sich außerdem ein Perspektivwechsel an. Die Lernenden verfassen einen Tagebucheintrag aus der Sicht einer der im Video vorgestellten Personen oder entwickeln Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierung in Schule und Gesellschaft. Ebenso können aktuelle Beispiele von Ausgrenzung analysiert und mit den historischen Erfahrungen der Sinti und Roma verglichen werden.

Das Video fördert historische Kompetenz, Empathiefähigkeit, Medienkompetenz, Urteilskompetenz sowie die Fähigkeit, Formen von Rassismus zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Es unterstützt die Lernenden dabei, Vielfalt als Bereicherung wahrzunehmen und die Bedeutung von Menschenrechten und demokratischen Werten für das gesellschaftliche Zusammenleben zu verstehen.


Der Film eignet sich besonders für den Einsatz im schulischen Kontext, um das Thema Antiziganismus, historische Verantwortung und gegenwärtige Diskriminierung zu thematisieren. Schülerinnen und Schüler können durch die biografischen Berichte unmittelbar Anteil nehmen und Parallelen zu anderen Formen von Ausgrenzung ziehen. Methodisch bietet sich eine Kombination aus Filmanalyse, biografischem Lernen und historischer Kontextualisierung an: In einem ersten Schritt reflektieren die Lernenden die Berichte der Jugendlichen. Anschließend können sie die historische Entwicklung – vom Mittelalter über den Nationalsozialismus bis zur Bundesrepublik – auf einer Zeitachse erarbeiten. Auch künstlerische Zugänge sind denkbar, etwa indem die Lernenden eigene Standbilder oder Szenen entwickeln, die Vorurteile und Gegenwehr sichtbar machen. Eine Diskussion über heutige Diskriminierungserfahrungen in Schule und Gesellschaft schließt die Einheit ab. Der Film ermutigt dazu, Sinti und Roma nicht nur als Opfergruppe zu betrachten, sondern ihre Widerstandskraft, Kultur und Forderungen nach Gleichberechtigung anzuerkennen.


Fragestellungen zum Video mit Antworten


1. Wer sind Sinti und Roma?

Sinti und Roma sind die größte Minderheit Europas. Sie besitzen eine eigene Geschichte, Sprache und Kultur und leben seit vielen Jahrhunderten in Europa.


2. Wo liegen die historischen Ursprünge der Sinti und Roma?

Ihre Vorfahren stammen aus Nordwestindien und wanderten vor etwa eintausend Jahren nach Europa ein.


3. Was bedeutet Antiziganismus?

Antiziganismus bezeichnet eine besondere Form des Rassismus gegenüber Sinti und Roma. Er zeigt sich in Vorurteilen, Ausgrenzung und Benachteiligung bis in die Gegenwart.


4. Welche Erfahrungen schildern die jungen Menschen im Video?

Sie berichten von Beleidigungen, Benachteiligung in der Schule, Ausgrenzung im Alltag und davon, ihre Herkunft aus Angst vor Diskriminierung manchmal verschwiegen zu haben.


5. Welche Rolle spielte der Nationalsozialismus für Sinti und Roma?

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden mehr als fünfhunderttausend Sinti und Roma ermordet. Viele Familien leiden bis heute unter den Folgen dieses Völkermordes.


6. Warum ist Erinnerungskultur wichtig?

Die Erinnerung an die Verfolgung hilft dabei, historische Verantwortung zu übernehmen und heutigen Formen von Rassismus entgegenzutreten.


7. Welche Botschaft vermitteln die Jugendlichen am Ende des Videos?

Sie wünschen sich, dass Menschen Sinti und Roma ohne Vorurteile begegnen, Interesse an ihrer Geschichte zeigen und sie mit Respekt behandeln.


8. Welche Bedeutung hat das Video für den Religionsunterricht?

Das Video regt dazu an, über Menschenwürde, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Verantwortung nachzudenken. Es ermutigt die Lernenden, Vorurteile zu hinterfragen und sich für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben einzusetzen.

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